Wichtiges Segment unbesetzt

„Daimler kapituliert vor Tesla“: Autoexperte zieht verheerende Bilanz zu Mercedes-Benz

Ein Mitarbeiter von Daimler geht am Mercedes-Benz Werk Untertürkheim zum Schichtwechsel vor einem Mercedes-Stern in Richtung Werk.
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Die Daimler AG habe keine direkte Antwort auf Tesla, sagt ein Experte
  • Julian Baumann
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Die Daimler AG stellte jüngst die neue Mercedes-Benz C-Klasse vor. Das Modell soll die Messlatte für die Konkurrenz hoch legen. Der Konzern verspielt damit jedoch eine entscheidende Chance.

Stuttgart - Die Daimler AG befindet sich seit einiger Zeit in der Umstrukturierung auf die E-Mobilität. Deshalb stellt der Konzern aus der Landeshauptstadt Stuttgart in vielen Werken die Produktion auf den Bau von E-Autos um. Mit dem Fokus auf die Elektro-Technologie steht der Autobauer allerdings auch in direkter Konkurrenz zum US-Unternehmen Tesla.

Der E-Auto-Pionier von Elon Musk gilt als Marktführer und ist inzwischen wertvoller als Daimler, BMW und Volkswagen zusammen. Da Tesla nur E-Autos produziert, musste die Produktion nicht entsprechend umgestellt werden. Die Daimler AG setzte in der Vergangenheit dagegen auf den Verbrenner, weswegen der elektrische Fuhrpark noch verhältnismäßig klein ist.

Die Daimler AG stellte in jüngster Zeit zwei elektrische SUV der Reihe EQ vor. Der EQC von Daimler wurde jedoch zum Flop und sogar intern als „Rohrkrepierer“ bezeichnet. Auch mit dem neuen E-Auto EQA polarisierte Daimler und konnte nicht den erhofften Erfolg einfahren. Am 23. Februar stellte der Autobauer aus Stuttgart in einer digitalen Weltpremiere die neue Mercedes-Benz C-Klasse vor. Das Modell orientiert sich mehr denn je an dem Flaggschiff S-Klasse und soll die Messlatte für die Konkurrenz hochlegen. Die neue C-Klasse ist jedoch kein E-Auto, sondern ein Hybrid. Damit verspielt der Konzern eine entscheidende Chance, wie das Handelsblatt schreibt.

Daimler AG: Neue Mercedes C-Klasse ist kein E-Auto - „nicht zu unterschätzendes Defizit“

Mit der neuen Mercedes-Benz C-Klasse will die Daimler AG einiges anders machen. Der Konzern verbannte den beliebten Mercedes-Stern von der Motorhaube, was Markenfans entsetzte. Bei dem Antrieb setze der Stuttgarter Fahrzeughersteller auf Altbewährtes. „Sowohl die Limousine als auch das T-Modell werden als Plug-in Hybrid-Versionen kommen und Sie haben dabei die Wahl zwischen Benzin- und Dieselmotoren“, sagte Daimler-R&D-Chef Markus Schäfer bei der digitalen Weltpremiere. Die C-Klasse soll sich zwar im Alltag wie ein elektrisches Auto fahren, ist an sich jedoch kein E-Auto. Damit setzt der Konzern ein weiteres Mal auf den Verbrenner, den Daimler viel früher abschaffen will als erwartet.

Ola Källenius, Vorstandsvorsitzender der Daimler AG, ist überzeugt, dass die neue C-Klasse die anspruchsvollste Limousine in ihrem Segment der Mittelklasse sein wird. Ein wichtiges Feld lassen die Stuttgarter damit allerdings unbesetzt. Die noch in diesem Jahr erscheinende elektrische S-Klasse EQS von Daimler soll zum super-Konkurrent für Tesla werden und auch die E-Klasse wird bald mit dem EQE einen Stromzwilling erhalten, wie das Handelsblatt berichtet. Im Feld der Mittelklasse gibt es allerdings weiterhin keine vollelektrische Variante. „Das ist ein nicht zu unterschätzendes Defizit“, sagte Stefan Bratzel, Leiter des Center of Automotive Management (CAM).

Daimler AG: „Keine direkte Antwort“ auf Model 3 - kapituliert der Stuttgarter Autobauer vor Tesla?

Durch den Fokus auf die Hybrid-Technologie bei der C-Klasse lässt die Daimler AG ein wichtiges und großes Segment der E-Mobilität weiterhin unbesetzt. Der Autobauer aus Stuttgart stellt demnach kein Fahrzeug, das es im Mittelfeld mit dem Model 3 von Tesla aufnehmen könnte.

Das Model 3 von Tesla ist inzwischen das meistverkaufte E-Auto überhaupt. Daimler hätte darauf „keine direkte Antwort“, bestätigte auch ein Mercedes-Manager, wie das Handelsblatt berichtet. Die Wirtschaftszeitung geht sogar noch einen Schritt weiter und schreibt, die Schwaben würden in der elektrischen Mittelklasse „regelrecht vor Tesla kapitulieren“. Ersichtlich wird das vor allem auf dem amerikanischen Markt, denn der SUV EQC soll dort gar nicht erst erscheinen.

Durch die Lücke im Portfolio könnte die Daimler AG wichtige Marktanteile verlieren. „Das Problem ist und bleibt, dass Mercedes bei der Elektromobilität zu spät dran ist“, sagte Stefan Bratzel laut Handelsblatt. Und auch bei den Faktoren Stromverbrauch, Reichweite und Ladeleistung habe der EQC nirgends die Nase vorn.

Mit der nicht elektrischen C-Klasse und dem schwächelnden EQC hat der Stuttgarter Konzern auf absehbare Zeit in der elektrischen Mittelklasse kein konkurrenzfähiges Modell anzubieten. Die Schmach, mit dem Flop-SUV EQC auch auf dem US-Markt zu scheitern, wollte sich Daimler wohl ersparen. Stattdessen setze man in Nordamerika auf die Einführung der großen Stromlimousinen EQS und EQE, sagte Daimler-Vertriebschefin Britta Seeger.

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