EQC als Ladenhüter

„Totales Desaster“ und „Rohrkrepierer“: Daimler zieht Flop-SUV vor Start zurück

  • Sina Alonso Garcia
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Die Daimler AG setzte große Hoffnungen in den Mercedes EQC. Doch der elektrische SUV wurde zur herben Enttäuschung. Nun sagte der Autobauer die Einführung in den USA endgültig ab.

Stuttgart - Bei der Einführung des EQC, dem ersten vollelektrischen SUV der Daimler AG, hatte man sich große Hoffnungen gemacht. Doch das Modell wurde bereits kurz nach Verkaufsstart zum Ladenhüter. Nicht einmal 700 EQC wurden ein Jahr nach Bestellstart in Deutschland zugelassen. Intern bezeichnete man den EQC sogar als „Rohrkrepierer“ und „totales Desaster“. Weltweit brachte es der EQC im Jahr 2020 schließlich auf einen Absatz von 20.000. Das ist deutlich weniger als beim Konkurrenten Audi e-tron, von dem über 47.000 Modelle verkauft wurden.

Daimler hatte sich bei den Verkaufszahlen des EQC laut Handelsblatt einst das Dreifache erhofft. Autoblog berichtet, wurde nun erneut die Markteinführung des EQC in den USA abgesagt. „Nach einer umfassenden Prüfung der Marktentwicklungen wird der EQC in den USA derzeit nicht angeboten“, sagte ein Daimler-Sprecher gegenüber Autoblog. Zuvor war der amerikanische Markteintritt bereits verlegt worden.

Wäre das Modell auf den amerikanischen Markt gekommen, hätte Teslas Model X zu seinen stärksten Konkurrenten gehört. Ist Tesla als Rivale für Daimler hier zu angsteinflößend? Laut Autoblog hat sich auch BMW entschieden, seinen Elektro-SUV iX3 in den USA nicht zu verkaufen. Womöglich fühlen sich deutschen Autobauer noch nicht bereit, in diesem Segment mit Tesla Schritt zu halten. Daimler kündigte derweil an, stattdessen den EQS, die elektrische S-Klasse, 2022 in Amerika einzuführen. Die luxuriöse Limousine wird als grüne Alternative zur neuen S-Klasse positioniert. Bereits in den kommenden Wochen soll der EQS seine digitale Weltpremiere feiern.

Erstmeldung vom 19. Januar, 2021: Stuttgart - Bei der Daimler AG stehen die Zeichen auf Umschwung. Der Konzern aus Stuttgart stellt die Produktion zunehmend auf Elektromobilität um. Im Jahr 2021 baut Daimler drei neue E-Auto-Modelle - darunter die elektrische Version der S-Klasse. Hinter den E-Modellen steckt die neue Marke EQ, mit der Mercedes-Benz vor allem neue Kundengruppen erreichen will.

Bislang ist das Elektroauto-Programm von Mercedes für Privatkunden recht überschaubar: Es besteht aus der Großraumlimousine EQV und dem ersten Elektro-SUV EQC. Wie das Handelsblatt im Mai vergangenen Jahres berichtete, wurde der EQC jedoch schnell zum Ladenhüter. Daimler-Intern wurde er gar als „Rohrkrepierer“, „Krücke“ oder „totales Desaster“ bezeichnet. Der zweieinhalb Tonnen schwere Geländewagen zum Basispreis von 71.000 Euro entpuppte sich als Flop.

Daimler AG verteidigt ihren elektrischen SUV und weist Kritik von sich

Im Interview mit Automotorsport verteidigte der Entwicklungsvorstand der Daimler AG, Markus Schäfer, den Mercedes EQC. Der Frage, ob das Fahrzeug besonders schnell auf den Markt kommen musste, wich der Daimler-Vorstand aus, antwortet nur: „Das Leistungsprofil eines jeden Fahrzeugs ist unser Kundenversprechen, das gilt unabhängig vom Antrieb, das darf sich in den Kerneigenschaften nicht ändern.“  Der EQC biete im Segment einen einzigartigen Geräusch- und Fahrkomfort, höchste Sicherheit, Konnektivität und Assistenzsysteme.

Als die Journalisten von Automotorsport nachhaken, ob der Mercedes EQC also ein Ausrutscher gewesen sei, antwortet Daimler-Vorstand Markus Schäfer: „Nein, der EQC ist ein echter Mercedes und ein optimales Produkt für den Umstieg vom Verbrenner in die Elektrowelt.“ Es werde weiterhin eine Kerneigenschaft sein, ein einzigartiges Fahrverhalten mit einer präzisen Lenkungs- und Bremsenabstimmung zu bieten – auch im Elektrozeitalter.

Auch die Tatsache, dass die Daimler AG das E-Auto zuerst auf dem GLC aufbaute, dann auf einer rein-elektischen Architektur und schließlich mit „Electric First“ zu einer Art Mischform der beiden zurückkehrte, wirkt unentschlossen. „Im Nachhinein ist man immer schlauer, sprich: Das Timing ist wichtig“, sagt Markus Schäfer im Interview mit Automotorsport. „Wir haben früh eigene Elektromotoren gebaut. Ja, vielleicht waren wir nicht mutig genug oder oft durch die wegen des frühen Erscheinens im Markt negativen Erfahrungen manchmal zu konservativ.“

Daimler AG: Dieter Zetsche kündigte EQC als „bestes Angebot im Markt“ an

Dass der erste Elektro-SUV von Mercedes sich so schlecht verkaufen würde, hätte Dieter Zetsche höchstwahrscheinlich nicht erwartet. Als er den EQC im Herbst 2018 im Rahmen einer Weltpremiere vorstellte, war der langjährige Daimler-Chef noch „sehr sicher, dass wir das beste Angebot im Markt haben werden“. Eigentlich sollte der EQC als erstes Fahrzeug der neuen Mercedes-Submarke EQ ein Pionier sein und die neue Mobilitäts-Ära einläuten.

Vergleicht man den EQC mit Modellen anderer Hersteller, wird deutlich, dass er diesen doch in einigen Punkten nachsteht. So verspricht Mercedes bei seinem elektrischen SUV etwa eine Reichweite von bis zu 471 Kilometern, während Audi beispielsweise mit dem gleichen Standard 500 Kilometer schafft. Der EQC kommt auf einen Energiegehalt von 80 Kilowattstunden (kWH), Audi bringt es bei seinem e-tron auf 95 kWH. Tesla bietet bei einigen Versionen sogar einen Energiespeicher mit 100 kWH an.

Während es für den EQC Spott hagelt, konzentriert sich die Daimler AG weiterhin auf ein neues Flaggschiff. 2021 bringt Daimler mit der elektrischen Version der S-Klasse, dem EQS, ein vielversprechendes Flaggschiff auf den Markt. Der EQS soll zum Super-Konkurrenten für Tesla werden und bei Interieur und Exterieur neue Maßstäbe setzen. Er verspricht eine Reichweite von bis zu 700 Kilometern.

Rubriklistenbild: © Daimler AG

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