Protest in Stuttgart

Daimler-Zulieferer Mahle will 7600 Mitarbeiter vor die Tür setzen - Massendemo vor Zentrale

Das Logo des Zulieferers Mahle.
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Mahle steckt tief in der Krise.
  • Sina Alonso Garcia
    VonSina Alonso Garcia
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Beschäftigte des Automobilzulieferers Mahle protestieren am Dienstag in dunkler Kleidung vor der Firmenzentrale in Stuttgart gegen den geplanten Stellenabbau. Rund tausend Personen werden erwartet.

Stuttgart - „Kommt schwarz gekleidet und mit Sonnenbrille“: So ruft die IG Metall Stuttgart auf ihrer Facebook-Seite Mahle-Angestellte für den heutigen Dienstag, 19. Oktober, zum Protest vor der Konzernzentrale auf. Der Grund für die düstere Stimmung: 7.600 Mitarbeitern des Daimler-Zulieferers droht die Kündigung.

Zunächst treffen sich die Demonstranten am Standort Feuerbach bei Mahle Behr, anschließend geht es weiter zur Mahle-Zentrale in Bad Cannstatt. Laut Informationen der Stuttgarter Zeitung werden rund tausend Demonstranten erwartet. Auch Beschäftigte aus Mühlacker reisen mit insgesamt 15 Bussen an.

Mahle: Geschäftsführung spricht von „Krise, wie wir sie noch nicht erlebt haben“

Vor Ort äußern die Beschäftigten ihren Unmut über den enormen Stellenabbau, der in den Reihen des Automobilzulieferers bevorsteht. Mahle kündigte an, 7.600 seiner weltweit 72.000 Stellen zu streichen. Insgesamt sollen 2.000 Angestellte in Deutschland entlassen werden.

„Wir haben es aktuell mit einer Krise zu tun, wie wir sie noch nicht erlebt haben“, gab Jörg Stratmann, Vorsitzender der Mahle-Geschäftsführung, bereits im September 2020 bekannt. Deshalb sei es wichtig, die Anstrengungen zur Kostensenkung konsequent fortzusetzen und die strategischen Ziele noch stärker in den Fokus zu nehmen.

Mahle: Zulieferer leidet unter Corona-Pandemie und Verbrenner-Aus

Der Stellenabbau soll sozialverträglich erfolgen, heißt es. Eine Zusicherung von Investitionen, beispielsweise in den Standort Mühlacker, gibt es laut IG Metall aber nicht. Das Management setzte die Beschäftigten und ihre Betriebsräte unter Druck, drohe mit Personalabbau und fordere einen finanziellen Beitrag der Beschäftigten, so die Gewerkschaft.

Als Zulieferer von Autobauern wie Daimler war Mahle von den Auswirkungen der Corona-Pandemie und den Umsatzverlusten der Fahrzeughersteller betroffen. Doch auch die Transformation der Automobilindustrie hin zur Elektromobilität spielt eine Rolle. Mahle ist als Hersteller von Motorkomponenten wie Kolben, Filter oder Pumpen groß geworden. Inzwischen bemüht sich der Stuttgarter Zulieferer, seine Abhängigkeit von Verbrennern zu verringern und stellt auch Teile für Elektroautos her.

Verschlimmert wird die Situation bei den Zulieferern auch durch die Chipkrise. Seit Anfang 2021 bringt der Halbleitermangel die Automobilproduktion aus dem Takt. Immer wieder standen die Bänder bei Daimler und Co. komplett still und Fahrzeuge konnten nicht fertiggestellt werden. So bleiben auch Zulieferer auf ihren Bauteilen sitzen.

Mahle: Erste Abfindungen bereits erfolgt - Druck auf verbleibende Mitarbeiter steigt

Ein großer Teil des geplanten Stellenabbaus ist nach Angaben der Stuttgarter Zeitung bereits erfolgt. Geschätzt etwa 80 Prozent der Stellen seien über ein Abfindungsprogramm bewerkstelligt worden. Um die fehlenden 20 Prozent zu erreichen, wird nun offensichtlich Druck auf die verbleibenden Mitarbeiter ausgeübt.

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