Analyse der Zulassungszahlen in Europa

Daimler in Bedrängnis: Studie entlarvt mangelnden Fortschritt bei der CO2-Bilanz

Ein weißer Mercedes-EQA der Daimler AG fährt auf einer Landstraße.
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Die Daimler AG will bis 2022 komplett CO2-neutral produzieren - eine Studie dementierte den bisherigen Fortschritt.
  • Julian Baumann
    vonJulian Baumann
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Die Daimler AG setzt auf das E-Auto und will den CO2-Ausstoß drastisch senken. Eine Studie von Greenpeace entlarvte nun den tatsächlichen Fortschritt deutscher Autohersteller als geschönt.

Stuttgart - Die Daimler AG steckt mitten in der Transformation zur E-Mobilität und stellt die Produktion an vielen Werken auf die Herstellung von E-Autos um. Der Konzern aus der Landeshauptstadt Stuttgart will bis 2025 mehr als zehn neue Modelle der vollelektrischen Baureihe EQ auf den Markt bringen.

Darunter auch die bereits mit Spannung erwartete elektrische S-Klasse EQS, die noch in diesem Jahr vom Band rollen soll. Das E-Auto soll zum Super-Konkurrenten für Tesla werden. Bislang gelang den Schwaben allerdings nur ein holpriger Start in die E-Auto-Welt. Der SUV EQC blieb weit hinter den Erwartungen der Daimler AG zurück und auch der kleinere EQA rief gemischte Reaktionen hervor.

Mit dem Fokus auf die E-Mobilität stellt die Daimler AG die Verbrenner-Technologie immer weiter zurück. Der Autobauer will den Verbrenner bei der Marke Mercedes sogar schneller abschaffen, als angenommen. Damit erhofft sich der schwäbische Traditionskonzern eine weitere Senkung der CO2-Bilanz, die schon seit vielen Jahren voranschreitet. Eine kürzlich veröffentlichte Studie sieht den bisherigen Erfolg der großen deutschen Autobauer wie Daimler allerdings nicht als ausreichend an.

Daimler AG: CO2-Bilanz in den vergangenen 14 Jahren - Laut Studie: „Viel zu wenig gesenkt“

Die Daimler AG baut inzwischen zwar vermehrt vollelektrische Fahrzeuge, will jedoch weiterhin keine eigenen Batteriezellen herstellen. Wie viele andere Autobauer lässt auch Daimler Batterien weitgehend in China produzieren, das führt zu deutlicher Kritik. Ingenieure veröffentlichten bereits im vergangenen Jahr eine unangenehme Wahrheit über das E-Auto: Die CO2-Bilanz von E-Autos sei keineswegs besser als die Bilanz eines Modells mit Verbrenner-Motor, hieß es damals.

Die Daimler AG plant jedoch, bereits bis 2022 alle deutschen Werke mit einer CO2-neutralen Energieversorgung auszustatten. „Unsere Mercedes-Benz Werke in Deutschland werden ab 2022 CO₂-neutral produzieren“, sagte Mercedes-Forschungschef Markus Schäfer laut einer Pressemitteilung des Konzerns.

Eine kürzlich veröffentlichte Greenpeace-Analyse zur CO2-Bilanz zweifelt nun erneut an der Umweltbilanz der Daimler AG. „Die drei großen deutschen Autobauer haben den CO2-Ausstoß ihrer verkauften Autos seit 2006 viel zu wenig gesenkt“, heißt es darin. Gemeint sind neben der Daimler AG auch die Volkswagen AG und die BMW AG. Dem Stuttgarter Autobauer wird jedoch laut der Studie der geringste Erfolg zugestanden. „Abzüglich aller Schlupflöcher senkte Daimler den CO2-Ausstoß seiner Neuwagen in den vergangenen 14 Jahren lediglich um 9 Prozent“, heißt es. Die Studie basiert nach Greenpeace-Angaben auf einer Analyse von europäischen Zulassungszahlen.

Daimler AG: CO2-Bilanz des Stuttgarter Konzerns - „Rechentricks statt Ingenieurskunst“?

Der Druck auf die Daimler AG wächst immer weiter. Die Abgasnormen der EU werden beständig weiter verschärft und die EU plant bereits ein komplettes Verbrenner-Verbot. Im Gegensatz zum großen Konkurrenten Tesla, der von Beginn an nur E-Autos baut, müssen die Stuttgarter ihre Produktion zunächst auf die klimafreundlichere Alternative umstellen.

Das fordert jedoch vor allem beim Personal große Opfer, so wird beispielsweise das Stammwerk in der der Daimler AG in Untertürkheim zu einem Elektro-Campus umgebaut und das Werk in Berlin zu einem Digitalcampus für Software. An beiden Standorten sollen durch den Umbau Tausende Stellen abgebaut werden. Dem Stuttgarter Traditionskonzern scheint die Umstellung noch nicht so schnell zu gelingen wie etwa der Volkswagen AG, die bereits von Microsoft-Gründer Bill Gates für ihre Erfolge im Bereich der E-Mobilität gelobt wurde.

Mit dem deutlichen Fokus auf die E-Mobilität soll der Fuhrpark der Daimler AG nach und nach deutlich klimafreundlicher werden. So ganz haben sich die Schwaben jedoch noch nicht von der Verbrenner-Technologie verabschiedet. Die neue Mercedes-C-Klasse hat als Plug-in-Hybrid neben einer Batterie nämlich auch einen Verbrenner-Motor eingebaut.

Die Studie von Greenpeace kam nun jedoch zu einem fatalen Ergebnis, das den kompletten Fortschritt bei der CO2-Bilanz der Daimler AG seit dem Jahr 2006 in Frage stellt. „Rechentricks zählen in der deutschen Autobranche beim Klimaschutz bislang mehr als Ingenieurskunst“, sagt Greenpeace Verkehrsexperte Benjamin Stephan. „VW, Daimler und BMW simulieren Klimaschutz auf dem Papier, während ihre Autos heute fast so schmutzig sind wie vor 14 Jahren.“

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