Ende der Verbrenner-Produktion

Daimler legt ganzes Werk still und will etwas völlig anderes daraus machen - Tausende Jobs bedroht

Ein Mitarbeiter der Daimler AG mit einer Mercedes A-Klasse im Werk in Rastatt.
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Daimler will aus seinem Berliner Werk einen Digitalcampus machen (Symbolbild).
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Der älteste Produktionsstandort der Daimler AG, das Werk in Berlin, soll etwas neuem weichen. Dadurch sind Tausende Stellen in Gefahr.

Stuttgart/Berlin - Bei der Daimler AG kehrt einfach keine Ruhe ein. Der Konzern aus der Landeshauptstadt Stuttgart setzt vermehrt auf die E-Mobilität und will den Verbrenner viel früher abschaffen als erwartet. Allein dadurch sind an vielen Werken des Autobauers Tausende Stellen in Gefahr. Dazu kommt allerdings noch der harte Sparplan und die Folgen der Corona-Pandemie. Seit mehreren Monaten spitzt sich die Lage vor allem an zwei sehr wichtigen Standorten des Herstellers massiv zu. Bereits im vergangenen Jahr kündigte Daimler an, eines der wichtigsten Werke massiv eindampfen zu wollen und auch das Werk in Berlin stellte die Produktion von Verbrennern nach 118 Jahren ein.

An beiden Standorten der Daimler AG hat sich inzwischen so einiges getan. Die Verhandlungen um die Zukunft des Stammwerks in Untertürkheim laufen auf Hochtouren. An dem Daimler-Werk ist die Stimmung aktuell schlecht. Eine Entscheidung wird jedoch bereits in wenigen Wochen erwartet. Das älteste noch aktive Werk der Daimler AG in Berlin-Marienfelde steht ebenfalls schon lange auf der Kippe, nun ist offenbar eine Entscheidung gefallen. Die Fabrik soll einem Schulungszentrum für die digitale Produktion weichen, berichtet das Handelsblatt. Dadurch ist die berufliche Zukunft Tausender Mitarbeiter bedroht.

Daimler AG: Entscheidung in Berlin - Pläne für Traditionswerk liegen vor

Das Berliner Werk der Daimler AG nahm die Produktion bereits im Jahr 1902 auf. Das soll laut einer Mitteilung des Konzerns nun vorbei sein. An dem Standort bangen die Mitarbeiter bereits seit mehreren Monaten um ihre Jobs. Vor allem durch die Umstrukturierung auf die E-Mobilität sind in Berlin viele Stellen in Gefahr, in der Fabrik werden nämlich hauptsächlich Komponenten für herkömmliche Fahrzeuge produziert. Für besonderen Unmut sorgte im vergangenen Jahr der Weggang des Werksleiters, der ausgerechnet zum US-Konkurrenten Tesla ging. Das Unternehmen von Elon Musk baut nur wenige Kilometer entfernt eine Gigafabrik.

Für die 2.500 Mitarbeiter des Berliner Werks der Daimler AG gibt es nun zumindest mehr Klarheit als in den vergangenen Monaten. Aufatmen können die Angestellten deshalb allerdings nicht unbedingt. Der Bau von V6-Dieselaggregaten, Getrieben und Motorenkomponenten läuft bis Mitte des Jahrzehnts aus, berichtet das Handelsblatt. Die Mitarbeiter befürchten daher seit langem, dass ihre Arbeitsplätze im Zuge der Transformation wegfallen könnten.

Der Stuttgarter Autobauer hält zwar daran fest, die Motoren- und Getriebeproduktion in der Hauptstadt weiter einzudampfen, zugleich soll an dem Standort jedoch ein „Campus für die Entwicklung, Erprobung und Implementierung wegweisender Softwareapplikationen“ entstehen, teilte der Konzern am Mittwoch mit.

Daimler AG: E-Autos und Software statt Verbrenner - Berliner Werk wird umgebaut

Für die Neuausrichtung des Berliner Standortes will die Daimler AG Investitionen in zweistelliger Millionenhöhe tätigen. Das seit über 118 Jahren produzierende Verbrenner-Werk wird demnach geschlossen, der Autobauer sieht das jedoch nicht als Ende des Standortes an. „Indem wir Berlin zu einem Kompetenzzentrum für Digitalisierung mit Produktionsvolumen im Bereich E-Mobilität transformieren, sichern wir erfolgreich die Zukunft des Traditionsstandortes“, sagte Jörg Burzer, Mitglied des Vorstands der Mercedes-Benz-AG. Zukünftig soll der Fokus in Marienfelde demnach auf der Software und der E-Mobilität liegen. Befürchtungen, dass durch den Umbau am Ende nur noch rund 500 Mitarbeiter übrig bleiben, sind damit erst mal vom Tisch.

Das Daimler-Traditionswerk in Berlin soll einem Digitalcampus weichen.

Durch den Wegfall der Verbrenner-Produktion am Berliner Werk der Daimler AG stehen dennoch Tausende Jobs auf der Kippe. Der Schritt werde zu „personellen Anpassungen führen“, erklärte der Autobauer. Was das konkret für die leidgeplagten Mitarbeiter in Berlin-Marienfelde bedeutet, ist bislang noch nicht absehbar.

Im Zuge des Umbaus vom Motorenwerk zum Digitalcampus wird sich jedoch einiges ändern. „Wir werden die Belegschaft deutlich reduzieren“, sagte ein Daimler-Manager dem Handelsblatt. In Konzernkreise ist mittelfristig sogar bereits von einer vierstelligen Zahl an Jobs die Rede, die sozialverträglich abgebaut werden sollen. Die Daimler-Angestellten in Deutschland sind bis Ende 2029 vor betriebsbedingten Kündigungen geschützt.

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