Daimler-Betriebsratschef „stinksauer“

Daimler „massiv bedroht“: 95 Prozent der Jobs hängen an Bereich, den Regierung zum Sterben verurteilt

  • Marleen van de Camp
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Der Daimler-Betriebsratschef warnte bereits 2020, dass das Konjunkturpaket für E-Autos und Hybrid katastrophale Folgen haben werde. Der folgende Stellenabbau sollte ihm Recht geben.

Stuttgart - Die Daimler AG sei „massiv“ bedroht, warnte Daimler-Betriebsratschef Michael Brecht bereits vor mehr als einem Jahr. Um die fatalen Folgen der Pandemoe auf die Wirtschaft abzumildern, hat die Regierung im Juni 2020 ein Konjunkturpaket verabschiedet. Es sieht eine Prämie für den Kauf von E-Auto und Hybrid vor, aber keine Prämie für Verbrenner. Der Daimler-Betriebsratschef war „stinksauer“ – besonders auf die SPD

Der Grund: 95 Prozent der Angestellten aller Fahrzeughersteller in Deutschland arbeiten Daimler-Betriebsratschef Michael Brecht zufolge an konventionellen Antrieben. Der Wandel zum E-Auto wird also in großem Umfang Jobs kosten. Die Analyse einer großen Wirtschaftsberatung kommt zum selben Ergebnis. „Diese Krise werden nicht alle Autohersteller überleben“ – lautet die Prognose von EY zu Daimler und Co.

Daimler AG: 95 Prozent der Arbeitsplätze hängen vom Verbrenner-Motor ab

Warum ausgerechnet die SPD das nicht verstanden und sich gegen eine Kaufprämie für schadstoffarme Verbrenner im Konjunkturpaket gesperrt habe, sei ihm nicht klar, sagte der Betriebsratschef der Daimler AG damals gegenüber der Deutschen Presseagentur. Die CDU und CSU hatten die Prämie für Verbrenner befürwortet. 

Das Coronavirus hat den Daimler-Konzern zunächst mit voller Wucht getroffen – mit einem Gewinneinbruch von fast 80 Prozent. Die Werke der Daimler AG hatten wegen der Covid-19-Pandemie wochenlang stillgestanden. Fast alle Mitarbeiter in der Verwaltung wurden in Kurzarbeit geschickt. Zwar erholte sich der Konzern überraschend schnell von dieser Krise und konnte für 2020 schließlich doch noch ein Wachstum verzeichnen. Doch wenig später folgte die Halbleiterkrise: Erneut musste die Produktion in den Werken vieler deutscher Autobauer stillstehen. Eine Ende des Engpasses ist bis heute nicht absehbar.

Daimler: Der Wandel zur Elektromobilität kostet Jobs.

Daimler baut 20.0000 bis 30.000 Stellen ab - „Müssen ehrlich mit den Menschen sein“

Die Umstellung der Produktion in den Werken der Daimler AG vom herkömmlichen Verbrenner hin zum batteriebetriebenen Elektromotor dauert nun bereits seit Monaten an. Deshalb werden auch mehrere Traditionswerke des schwäbischen Autobauers radikal umgebaut. 

Daimler transformiert beispielsweise das Stammwerk in Stuttgart. Auch das älteste Werk in Berlin soll zukünftig einem Elektrocampus für E-Auto und Software weichen. Durch die Umrüstungen ändern sich auch die Anforderungen an die Mitarbeiter. Viele Angestellte, die bislang an Verbrennungsmotoren arbeiteten, werden demnach in Zukunft nicht mehr gebraucht. Viele Mitarbeiter bekamen bereits ein Abfindungsangebot in Höhe von bis zu 400.000 Euro.

Und der Stellenabbau wird weitergehen. „Man muss auch ehrlich mit den Menschen sein“, sagte Ola Källenius dazu der Welt am Sonntag. „Die Montage eines Verbrennungsmotors bringt mehr Arbeit mit sich als der Bau einer Elektroachse.“

Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa/Mercedes-Benz Ag

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