Wohnungsdurchsuchungen

Versuchte Tötung von Daimler-Betriebsrat: SEK und Polizei sind auf der Spur eines radikalen Netzwerks

Polizeikräfte vor einem Hauseingang in Stuttgart
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Razzien in Baden-Württemberg: Polizei und SEK durchsuchen mehrere Wohnungen.
  • Julian Baumann
    vonJulian Baumann
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Bei einer Demonstration gegen die Corona-Verordnungen in Stuttgart verletzten mutmaßliche Linksradikale Ende Mai mehrere Teilnehmer, darunter ein Daimler-Betriebsrat. Der 52-Jährige lag wochenlang im Koma. Am heutigen Donnerstag kam es zu Razzien in Wohnungen der Verdächtigen.

  • Bei einer Corona-Demonstration in Stuttgart verletzten mutmaßlich Linksradikale mehrere Teilnehmer. Ein 54-Jähriger schwebte lange Zeit in Lebensgefahr - er soll ein Mitglied des Daimler-Betriebsrats sein.
  • Am Donnerstagmorgen kam es zu Razzien in Baden-Württemberg. Die Polizei durchsuchte Wohnungen von neun Tatverdächtigen.
  • Die Beamten nahmen einen 21-jährigen Mann fest, gegen den bereits ein Haftbefehl wegen versuchten Totschlags vorliegt.

Stuttgart - Durch das Coronavirus in Baden-Württemberg kam es zu weitreichenden Einschränkungen und Verboten. Viele Menschen demonstrierten gegen die Verordnungen. Auch in Stuttgart fanden Demonstrationen statt. Bei einer Corona-Demonstration auf dem Wasengelände in Bad-Cannstatt kam es Ende Mai zu einem brutalen Angriff. Mehrere mutmaßliche Linksradikale griffen drei Teilnehmer der Protestaktion an.

Ein 54-Jähriger lag danach für längere Zeit im Koma. Er soll Mitglied im Daimler-Betriebsrat sein. Nach dem Angriff auf die Corona-Demonstranten in Stuttgart ermittelte die Polizei wegen versuchter Tötung. Am heutigen Donnerstag kam es zu Razzien in Baden-Württemberg. Polizeibeamte und die SEK durchsuchten die Wohnungen von neun Tatverdächtigen. Es kam zu einer Verhaftung.

Daimler-Betriebsrat lebensgefährlich verletzt: Razzia in linksradikaler Szene in Baden-Württemberg

Die Razzien in Baden-Württemberg stehen laut den Stuttgarter Nachrichten mit dem Angriff auf einen Betriebsrat der Daimler AG in Verbindung. Laut der Zeitung sei der 54-Jährige, der Ende Mai lebensgefährlich verletzt wurde, Mitglied der rechtsextremen Gewerkschaft „Zentrum-Automobil“, wie auch TAG24 berichtete. Ein Blick auf die Website der Gewerkschaft scheint das zu bestätigen. Der Daimler-Betriebsrat sei nach Angaben der Gewerkschaft auf dem Weg zu einer Grundrechte-Demo in Stuttgart von Linksextremisten angegriffen und lebensgefährlich verletzt worden, heißt es auf der Website.

Die Gewerkschaft versteht sich als „Alternative Arbeitnehmervertretung“ der Automobilindustrie. Klaus Dörre, Gewerkschaftsforscher aus Jena bezeichnete „Zentrum-Automobil“ jedoch als „fest verankert in der militanten, äußersten rechten Neonazi-Szene“, wie die Süddeutsche Zeitung berichtete. Laut der Homepage der Gewerkschaft ist Andreas Ziegler inzwischen aus dem Koma erwacht, er wird jedoch bleibende Schäden davon tragen.

Razzia in Baden-Württemberg: Wohnungsdurchsuchungen in mehreren Städten

Laut Angaben des Polizeipräsidiums Stuttgart durchsuchten Beamte am Donnerstag neun Wohnungen in Stuttgart, Ludwigsburg, Remseck, Fellbach, Waiblingen, Tübingen und Karlsruhe. Bei den Razzien in Baden-Württemberg nahm die Polizei einen 21-jährigen Tatverdächtigen fest. Die Pressemitteilung der Polizei bestätigt den Zusammenhang mit dem Angriff auf den Daimler-Betriebsrat und andere Demo-Teilnehmer in der Mercedesstraße in Stuttgart von Ende Mai. Die Ermittlungsgruppe „Arena“ gelangte durch umfangreiche Ermittlungen auf die Spur der Tatverdächtigen. Bei der Razzia beschlagnahmten die Beamten umfangreiches Beweismaterial, das zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch ausgewertet wird. Gegen den 21-Jährigen lag laut Angabe der Polizei bereits ein Haftbefehl wegen versuchter Tötung vor. Im Laufe des Tages soll er einem Haftrichter vorgeführt werden.

Ein Vorfall, der ebenfalls unmittelbar mit dem Angriff bei der Corona-Demo in Verbindung stand, ereignete sich nur wenige Tage nach der Tat. Unheimliche Szenen auf dem Dach des DGB-Gebäudes in Stuttgart weckten Erinnerung an Nazi-Zeit. Rechtsextreme besetzten das Dach der Zentrale des Deutschen Gewerkschaftsbundes DBG.

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