Halbleiter-Krise

Daimler, Porsche und Co.: EU plant Megafabrik, um Autobranche zu retten

Eine Hand steckt das Ladekabel in den Anschluss eines E-Autos von Mercedes
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Daimler AG: Die große Offensive bei E-Autos ist bedroht - wegen Batterien aus China
  • Berkan Cakir
    VonBerkan Cakir
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Daimler, Porsche und Co. leiden unter der Chipkrise. Eine Megafabrik für mehrere Milliarden Euro soll die Autoindustrie unabhängiger vom Weltmarkt machen. Unternehmen allerdings zögern.

Stuttgart - Die Lieferengpässe in der Chip-Produktion lähmen die Autoindustrie. Immer wieder standen die Produktionsbänder bei den großen deutschen Autobauern in den vergangenen Wochen und Monaten still. Im Mai sah sich Porsche gezwungen, die Produktion des Cayenne vorübergehend zu stoppen. Zuletzt musste auch Daimler seine erst vor zehn Monaten eröffnete Hightech-Fabrik vorübergehend schließen, da der Nachschub an Halbleitern fehlte.

Die Daimler AG, Porsche, BMW und Co. sind abhängig vom Weltmarkt. Die meisten Halbleiter werden in Ostasien produziert, dahinter kommen die USA. Europas Anteil an der weltweiten Chipproduktion dagegen beträgt gerade einmal knapp zehn Prozent - weitaus weniger als der Bedarf hierzulande.

Daimler muss laut Experten bis 2030 mit Engpässen rechnen

Wie schwierig es angesichts dessen ist, die Nachfrage zu decken, wenn einmal die internationalen Lieferketten zusammenbrechen, wird seit der Corona-Pandemie deutlich. Die Krise hat die Digitalisierung in allen Lebensbereichen beschleunigt, die Produktion der winzigen Elektroteile läuft seither am Anschlag und reicht längst nicht mehr für alle Branchen.

Geht es nach Experten droht Autobauern wie Daimler ein Engpass noch bis ins Jahr 2030. Um solche Schreckensszenarien zu verhindern, plant der EU-Binnenmarktkommissar Thierry Breton eine Mega-Fabrik in Europa, um den Chipnotstand zu verhindern. Laut dem Manager Magazin ist dafür ein „höherer zweistelliger“ Milliardenbetrag im Gespräch. Bis 2030 soll sich der Anteil der in Europa produzierten Halbleiter dadurch verdoppeln.

Allerdings spricht viel gegen die Idee. Asien ist bei der Chipproduktion weit voraus. Die Kluft, die zwischen Europa und führenden Ländern wie Taiwan oder Südkorea klafft, ist gewaltig. „Um überhaupt eine reelle Chance zu haben, müssten die Regierungen mindestens 30 Milliarden Dollar (ca. 25 Mrd. Euro) pro Jahr aufwenden – und das mindestens fünf Jahre lang“, sagt die auf Halbleiter spezialisierte Marktforschung IC Insights zum Manager Magazin.

Daimler, Porsche und Co.: Der Bedarf der Autoindustrie an Halbleitern ist Chipgiganten zu gering

Viele Mitstreiter hat Thierry Breton daher noch nicht für sich gewinnen können. Chipgiganten wie TSMC aus Taiwan und Samsung aus Südkorea, die derzeit zwei Fabriken in den USA hochziehen, zeigen zudem kein Interesse an einem Standort in Europa. Die Autoindustrie macht mit ihrem Chipbedarf nur einen geringen Anteil der Gesamtproduktion von TMSC und Samsung aus. Tech-Unternehmen wie Apple allein kaufen mehr Halbleiter ein.

Zudem sei es kritisch, eine solche „Fab“ mithilfe von staatlichen Subventionen zu errichten, so ein Industrievertreter gegenüber dem Manager Magazin. Wegen des technologischen Fortschritts müsse das Equipment nach spätestens acht Jahren ausgetauscht werden. „Eine solche Fab mit Subventionen zu bauen, ohne zu wissen, was in fünf Jahren mit der Fab passiert, ist eine riskante Wette.“

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