„Elektrifizierung beschleunigen“

Daimler verurteilt den Verbrenner jetzt noch früher zum Sterben

Das Konzeptauto Mercedes-Benz Vision EQS von 2019. Das fertige Modell wird am 15. April enthüllt.
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Die Daimler AG wird am 15. April den EQS enthüllen. Doch auch die nächste Generation der S-Klasse soll komplett elektrisch werden.
  • Julian Baumann
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Die Daimler AG setzt den Fokus immer mehr auf rein elektrisch angetriebene Fahrzeuge. CEO Ola Källenius will den Verbrenner nun noch schneller abschaffen, als bisher geplant.

Stuttgart - Die Geschichte der heutigen Daimler AG geht auf die Autopioniere Gottlieb Daimler und Carl Benz zurück, die in der Landeshauptstadt Stuttgart den Ottomotor und damit de facto das Automobil erfanden. Inzwischen setzt der Autokonzern seinen Fokus jedoch immer mehr auf rein elektrisch angetriebene Fahrzeuge. Bis zum Jahr 2025 will der Autobauer mehr als zehn neue Autos der elektrischen Baureihe EQ auf den Markt bringen. Am 15. April wird Daimler das lang erwartete elektrische Flaggschiff EQS auf den Markt bringen. Das E-Auto soll zum Super-Konkurrenten für Tesla werden. Aktuell befinden sich die Schwaben in einer groß angelegten Transformation zur E-Mobilität und stellen die Produktion von E-Autos immer weiter ein.

Die Daimler AG will den Verbrenner früher abschaffen als erwartet. Ursprünglich kündeten die Stuttgarter an, bis zum Jahr 2039 nur noch Neuwagen zu verkaufen, die kein klimaschädliches CO2 mehr ausstoßen. Der große Autobauer reagiert nun auf den Druck vieler Stimmen, die eine schnelle Stromwende fordern. Bei der Jahreshauptversammlung am 31. März sagte Daimler-Chef Ola Källenius, der Konzern werde die Flotte schon deutlich vor 2039 komplett CO2-neutral aufstellen, wie das Handelsblatt berichtet.

Daimler AG: Källenius mit Kampfansage an die Konkurrenz - „Wir sind die Herausforderer“

Die seit Jahrzehnten auf den weltweiten Straßen zum Einsatz kommenden Benzin- und Dieselmodelle werden aufgrund der CO2-Belastung immer schärfer kritisiert. Bei der Daimler AG ist nun eine Grundsatzentscheidung gefallen. Auf der gestrigen Hauptversammlung des Stuttgarter Konzerns verkündete Ola Källenius offiziell ein frühzeitiges Ende der Verbrennerproduktion, wie das Handelsblatt berichtet. „Wir wollen die Elektrifizierung unseres Produktportfolios beschleunigen“, sagte der Daimler-Chef. Er wolle das selbst gesteckte Ziel bis 2039 komplett CO2-neutral zu produzieren, „früher erreichen“. Um wie viel Jahre früher, sagte der Vorstandsvorsitzende der Daimler AG jedoch nicht.

Bei der Jahresversammlung der Daimler AG ging es auch um die Dividenden, die den Aktionären aufgrund des unerwarteten Milliardengewinns ausgeschüttet werden sollen. Daimler erhöht die Dividenden für Aktionäre trotz 700 Millionen Euro Staatshilfen. Das führte bereits im Vorfeld der Versammlung zu viel Kritik an dem Autobauer. Die Stuttgarter setzten den Vorschlag des Vorstands jedoch um. Bei der digitalen Versammlung richtete Ola Källenius eine Kampfansage an die Konkurrenz. „Wir warten nicht auf Veränderung – wir sind diejenigen, die verändern“, sagte der gebürtige Schwede laut dem Handelsblatt. Daimler habe „keine Angst vor Herausforderung – wir sind die Herausforderer“.

Daimler AG: Kritik an der Politik - pro Woche 2.000 neue Ladesäulen in Deutschland

Obwohl die Skepsis gegenüber E-Autos wächst, will die Daimler AG zukünftig nahezu ausschließlich auf elektrisch betriebene Fahrzeuge setzen. Der kommende EQS ist als E-Auto konzipiert, doch auch die nächste Generation der S-Klasse soll im Jahr 2028 nur mit einem E-Antrieb auskommen. Dabei gibt es jedoch sogar intern Kritik, es sei eine Operation am offenen Herzen, berichtet das Handelsblatt. Zunächst setzt der schwäbische Autobauer jedoch voll auf das elektrische Flaggschiff EQS. Das E-Auto soll eine Reichweite von 770 Kilometern erreichen und eine Reichweite von rund 300 Kilometern bereits nach einer Ladezeit von nur 15 Minuten. Laut Daimler ist der EQS das aerodynamischste Serienauto der Welt, mit dem auch kein Tesla-Modell mithalten kann.

Bei der Hauptversammlung der Daimler AG kritisierte Konzernchef Källenius jedoch auch die deutsche Politik in Bezug auf die E-Mobilität. Vor allem der Aufbau des Ladesäulennetzwerkes gehe deutlich zu langsam voran. In Baden-Württemberg, der Heimat der Daimler AG, sind bereits viele E-Ladesäulen aufgestellt worden, insgesamt sieht der CEO jedoch noch deutlichen Verbesserungsbedarf. „Der Ausbau muss beschleunigt werden“, so Källenius laut dem Handelsblatt. Allein in Deutschland müssten pro Woche 2.000 Ladesäulen ans Netz gehen, bislang seien es nicht mal 200. Bis Ende des Jahrzehnts brauche es europaweit drei Millionen Ladepunkte. „Heute haben wir nicht einmal ein Zehntel davon“, sagte der Daimler-Chef.

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