Übernahme eines ganzen Werks

Milliardär rettet 1.300 Daimler-Mitarbeiter vor der Arbeitslosigkeit

  • Julian Baumann
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Die Daimler AG verfolgt einen strengen Sparkurs und verkaufte das Smart-Werk in Hambach - ein britischer Milliardär rettete Jobs.

Stuttgart - Bei der Daimler AG gibt es Probleme an vielen Fronten. Neben der groß angelegten Umstrukturierung auf die Produktion von E-Autos muss der Konzern aus der Landeshauptstadt Stuttgart auch durch Altlasten drastisch sparen. Das Coronavirus in Baden-Württemberg und die Folgen für die Wirtschaft haben die Situation für den weltbekannten Autobauer nicht einfacher gemacht. An zwei Standorten spitzt sich die Lage zu. Daimler kündigte an, eines der wichtigsten deutschen Werke massiv einzudampfen und auch das älteste deutsche Werk soll die Produktion von Verbrennern nach 118 Jahren einstellen. Die Mitarbeiter gingen bereits vor beiden Werken auf die Barrikaden.

Die Daimler AG baut jedoch im Zuge der Umstrukturierung und des Sparplans von Konzernchef Ola Källenius nicht nur massiv Stellen ab, sondern gibt auch ganze Werke auf. Bereits vor einigen Monaten wurde bekannt, dass Daimler ein Werk abstößt. Das führte bei den Mitarbeitern zu Verzweiflung. Im Dezember 2020 wurde die Übernahme des Smart-Werks im französischen Hambach offiziell, wie der Spiegel berichtete.

Daimler AG: Werk in Hambach wird an britischen Konzern verkauft

Der endgültige Verkauf des Smart-Werks der Daimler AG in Hambach hat einen deutlichen ironischen Beigeschmack. Der französische Standort des Stuttgarter Konzerns sollte ursprünglich das Aushängeschild für den Wandel zur E-Mobilität werden. Genau dieser Wandel bedeutet jetzt aber das endgültige Ende für das Werk - zumindest als Fabrik von Daimler. In Zukunft wird das Werk von dem Chemieunternehmen Ineos, den Jim Ratcliffe leitet, übernommen. Der britische Milliardär war der einzige Interessent für die Smart-Fabrik. 1.300 Mitarbeiter arbeiten aktuell in dem Werk. Sie alle sollen ihre Jobs behalten dürfen.

Die Daimler AG hatte bereits im Juli angekündigt, das einstige Prestigewerk in Frankreich im Zuge einer „Optimierung“ (Verkleinerung) des weltweiten Produktionsnetzes verkaufen zu wollen, wie der Spiegel berichtet. Der Stuttgarter Autobauer habe nun bestätigt, dass die Vereinbarungen zum Verkauf der Fabrik an Ineos unterzeichnet seien. Das Tochterunternehmen des britischen Chemiekonzerns - Ineos Automotive - werde das Werk mit allen Geschäftsanteilen in den nächsten Wochen übernehmen.

Daimler AG: Vorerst kein Stellenabbau in Hambach - Produktion von E-Smarts temporär fortgesetzt

Laut dem Spiegel soll durch die Übernahme des Werkes der Daimler AG durch Ineos kein Arbeitsplatz in Hambach abgebaut werden. Die bisherigen Beschäftigten sollen demnach ihre Stellen behalten. Außerdem werde der neue Inhaber der Fabrik noch weitere Mitarbeiter von Partnern und Zulieferern am Standort einstellen. Der Stuttgarter Autobauer produzierte in dem Werk in Frankreich bislang den zweisitzigen E-Smart von Tochterunternehmen Mercedes-Benz. Die Produktion soll zunächst auch fortgesetzt werden, wie lange sei jedoch unklar, berichtet der Spiegel.

Die Daimler AG hatte ursprünglich vor, am Standort in Hambach das neue Modell des E-Autos EQ von Mercedes-Benz zu bauen, wie der Spiegel berichtet. Der neue Besitzer hat dagegen Pläne, die sich weit von dem bisherigen Verwendungszweck entfernen. In dem Werk, in dem Daimler bislang das wohl kleinste Auto aus seiner Fahrzeugpalette herstellte, will Ineos Automotive zukünftig einen großen allradgetriebenen Geländewagen produzieren, wie der Spiegel weiter berichtet. Ursprünglich habe der Konzern von Milliardär Jim Ratcliffe geplant, den „Grenadier“ in Wales zu bauen. Daimler will das Modell Smart jedoch nicht ab - oder etwa aufgeben, sondern plant, das Fahrzeug ab der nächsten Generation in China zu produzieren.

Rubriklistenbild: © picture alliance/Yoan Valat/EPA/dpa

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