Milliardengewinn 2020

Bonus nicht nur für Daimler-Bosse: Konzern knickt ein - 135.000 Mitarbeiter bekommen 500 Euro Prämie

Mitarbeiter von Daimler gehen am Mercedes-Benz Werk zum Schichtwechsel Richtung Tor 1.
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Daimler will die Mitarbeiter jetzt doch am Gewinn beteiligen - mit einer einmaligen Prämie von 500 Euro.
  • Julian Baumann
    vonJulian Baumann
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Die Daimler AG machte im vergangenen Jahr einen Milliardengewinn. Die Mitarbeiter gingen jedoch größtenteils leer aus, mussten sogar in 2020 auf Geld verzichten. Nun gibt es doch eine Prämie.

Stuttgart - Das vergangene Jahr war für die Daimler AG nicht einfach. Durch die Corona-Krise, Altlasten und der Umstellung auf die E-Mobilität fuhr der Konzern aus der Landeshauptstadt Stuttgart einen deutlich strengeren Sparplan als ursprünglich von Daimler-Chef Ola Källenius geplant. Für die Mitarbeiter des weltbekannten Autobauers war das vergangene Jahr besonders hart, denn Daimler baute an Standorten weltweit massiv Arbeitsplätze ab. Doch auch die, die bleiben dürften, hatten es nicht leicht. Als Teil der Sparmaßnahmen kürzte der Hersteller 20.000 Mitarbeitern die Arbeitszeit um zwei Stunden und strich die Prämie für alle.

Die Daimler AG nahm zwar im vergangenen Jahr überraschend einen Milliardengewinn ein, dieser Erfolg war jedoch mit vielen Opfern verbunden. Durch den Gewinn wurden 1,4 Millionen Euro an die Aktionäre ausgeschüttet, während Tausenden Mitarbeitern die Kündigung droht. Das traf auf Protest unter anderem bei der Gewerkschaft IG Metall und aus der Politik. Mitarbeiter sollten ebenfalls an dem guten Gewinn beteiligt werden, lautete die Forderung. Die Daimler AG knickte nun ein. Daimler will rund 135.000 Mitarbeitern eine einmalige Prämie von 500 Euro zahlen, wie die Deutsche Presse-Agentur (dpa) berichtet.

Daimler AG: IG Metall fordert Mitarbeiterbeteiligung am Milliardengewinn - Konzern gibt nach

Der hohe Gewinn der Daimler AG im Krisenjahr 2020 führte zu viel Kritik. Vor allem der zweifelhafte Umgang mit den Corona-Hilfen rief Empörung hervor. Der Autobauer hatte aufgrund der Krise durch das Coronavirus in Baden-Württemberg staatliche Hilfen beantragt, allein die Daimler-Bosse verdienten 2020 jedoch rund 28 Millionen Euro zusammen. In Bezug auf den hohen Gewinn forderte Michael Brecht, Vorstandschef des Gesamtbetriebsrates, bereits die heftig kritisierten Maßnahmen wie Kurzarbeit und Lohnkürzungen zurückzunehmen. Ola Källenius wollte dagegen an den Sparmaßnahmen und damit auch an den Lohn- und Arbeitszeitkürzungen festhalten.

Aufgrund der hohen Dividende für die Aktionäre forderten auch Arbeitnehmervertreter der Daimler AG in Bremen eine Mitarbeiterbeteiligung, wie der Weser Kurier berichtet. „Nun liegt es an der Unternehmensleitung, das umzusetzen“, sagte Marcus Keunecke, Vertrauenskörperleiter der IG Metall im Bremer Mercedes-Werk. Das Werk in Bremen ist der größte Produktionsstandort des schwäbischen Autobauers und musste vor wenigen Wochen aufgrund eines Lieferengpasses erneut Kurzarbeit anmelden. Da auch die Ergebnisbeteiligung im Jahr 2020 durch den strengen Sparplan gestrichen wurde, fordert die IG Metall nun eine Beteiligung der Mitarbeiter an der hohen Dividende. „Auch die Mannschaft hat einen Anspruch darauf, beteiligt zu werden.“ Die Daimler AG gab dieser Forderung nun offenbar nach.

Daimler AG: Konzern nimmt umstritten Maßnahmen zurück und zahlt Prämie

Die Daimler AG bestätigte am Freitag, 26. Februar, die im vergangenen Sommer ausgehandelten Arbeitszeitkürzungen doch zurückzunehmen und den Mitarbeitern eine Beteiligung zahlen zu wollen. Man reagiere damit auf die unerwartet gute Marktentwicklung im letzten Quartal 2020, heißt aus von dem Konzern. Demnach sollen die Mitarbeiter ab dem 1. April wieder regulären Arbeitszeiten nachgehen können. Die Maßnahme war ursprünglich für eine Laufzeit von einem Jahr angesetzt worden. Betroffen waren vor allem Angestellte in der Verwaltung des Autobauers und in den sogenannten produktionsnahen Bereichen.

Um die Mitarbeiter für ihre Leistung in der Corona-Krise zu belohnen, zahlte die Daimler AG zum Ende vergangenen Jahres den Angestellten eine Corona-Prämie von bis zu 1.000 Euro. Das war angesichts der harten Sparmaßnahmen jedoch nur ein Tropfen auf dem heißen Stein und die sonst übliche Erfolgsbeteiligung hatte es im Jahr 2020 nicht gegeben. Laut der dpa sollen rund 135.000 Tarifbeschäftigte nun eine einmalige Erfolgsbeteiligung von 500 Euro bekommen. Das Bangen der Mitarbeiter um ihre Zukunft ist damit allerdings nicht beendet. Durch die Spaltung und den Fokus auf die E-Mobilität könnten bei der Daimler Truck AG bald Tausende Jobs und ganze Berufe wegfallen.

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