Massiver Stellenabbau

Daimler: Persönlicher Brief an Mitarbeiter - 40 Prozent aller Jobs fallen weg

Der Mercedes-Stern über dem Werk in Düsseldorf neben einer roten Ampel
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Bei Daimler könnten bald erneut Tausende Jobs wegfallen.
  • Sina Alonso Garcia
    vonSina Alonso Garcia
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Bei Daimler Trucks könnten wegen der Abkehr vom Verbrenner bis 2030 die Hälfte aller Arbeitsplätze wegfallen - ein Brief an die Mitarbeiter zeigt jetzt erste Details der Pläne.

Stuttgart - Bei der Daimler AG liegt der Fokus inzwischen klar auf der E-Mobilität. Auch bei dem zukünftig selbstständig agierenden Tochter-Unternehmen Daimler Trucks AG sollen die Nutzfahrzeuge nach und nach auf Elektro umgestellt werden. Damit verabschiedet sich der schwäbische Autobauer deutlich früher als erwartet von der Verbrenner-Technologie. Diese Umstellung wird jedoch auch bei der Lkw-Sparte weitreichende Änderungen nach sich ziehen. Daimler-Truck-Chef Martin Daum kündigte bereits an, bis zum Jahr 2033 nur noch halb so viele Mitarbeiter wie heute in den Antriebswerken beschäftigen zu können.

In Bezug auf die angekündigte Spaltung der Daimler AG und den Stellabbau bei der Truck-Sparte wandte sich Michael Brecht, der Betriebsratschef des Autobauers, mit einem persönlichen Brief an die Mitarbeiter, wie die Badischen Neuesten Nachrichten berichten. In dem mehrseitigen Schreiben wandte sich Brecht vor allem an die Daimler-Angestellten der vier Lkw-Fabriken in Gaggenau (Kreis Rastatt), Wörth (Rheinland-Pfalz), Mannheim und Kassel (Hessen). In dem Brief heißt es: „Im Zuge der Transformation sind insbesondere an den Aggregate-Standorten rund 40 Prozent der Arbeitsplätze in den kommenden Jahren gefährdet, wenn es uns an den Standorten nicht gelingt, die neuen Technologien (Batterie, Brennstoffzelle, e-Achssysteme, e-Motor…) mit entsprechenden Fertigungstiefen abzubilden.“

Daimler AG: Spaltung des Konzerns besorgt Mitarbeiter

Angesichts der vor wenigen Wochen angekündigten Spaltung der Daimler AG haben viele Mitarbeiter Sorgen über die Zukunft bei dem weltbekannten Autobauer geäußert. Laut Michael Brecht sei der Schritt jedoch nicht aus einer Not, sondern aus einer Position der Stärke heraus entstanden. Den Brief an die Mitarbeiter sieht der Betriebsratschef als „Beginn einer umfangreichen Informationskampagne“, um die Sorgen der Angestellten zu mindern, berichten die Badischen Neuesten Nachrichten. Brecht kündigte außerdem an, sich im Zuge der Transformation persönlich für alle Standorte einzusetzen.

Aufgrund der Klimaziele der EU müssen sich auch deutsche Autobauer auf die Elektromobilität einstellen. Die Daimler AG plant daher schrittweise einen Ausstieg aus dem Verbrenner. Bis 2030 soll bereits die Hälfte aller Daimler-Fahrzeuge elektrisch werden - viel früher als erwartet. Das betrifft auch Tochter Daimler Trucks, die hinter den Lastwagen und Bussen des Unternehmens steht, und deren Abspaltung vom Daimler-Konzern erst kürzlich angekündigt wurde. Ganz klar liegt der Fokus in den nächsten Jahren auch bei den Nutzfahrzeugen auf Elektromotoren.

Der Rückzug aus der Verbrennertechnik zieht weitreichende Veränderungen nach sich. „Ein elektrischer Antriebsstrang benötigt deutlich weniger Arbeitsstunden als ein Verbrenner“, sagte Truck-Chef Martin Daum den Stuttgarter Nachrichten. Gegenüber der Zeitung kündigte er an, dass bis 2033 bis zu 50 Prozent weniger Beschäftigte als heute in den Antriebswerken arbeiten würden. Es könnten aber auch nur 20 oder 30 Prozent sein, so Daum, da sei er sich nicht sicher. Es dürfte sich um mehrere Tausend Arbeitsplätze handeln, die auf dem Spiel stehen.

Daimler AG: Umstieg auf die E-Mobilität „keine Revolution, sondern Evolution“

Auch auf die Ausbildungsplätze wird sich der Umstieg auf die E-Mobilität auswirken, wie Truck-Chef Martin Daum den Stuttgarter Nachrichten bestätigte: „Wir müssen deutlich weniger ausbilden, weil wir weniger Mitarbeiter benötigen.“ Der Einstieg in eine Karriere bei der Daimler AG könnte in Zukunft also schwieriger werden. Wie Daum beteuert, sei der Stellenabbau „aber auch keine Katastrophe“. Es sei „keine Revolution, sondern eine Evolution“.

Daimler Trucks kündigte an, bis zum Jahr 2039 in Europa, Nordamerika und Japan nur noch CO2-neutrale Fahrzeuge zu verkaufen. Damit setzt sich der Autobauer aus der Landeshauptstadt Stuttgart noch langfristigere Ziele als ursprünglich von der EU-Kommission verordnet. Diese gab zunächst bis zum Jahr 2030 vor, die C02-Emissionen um 40 Prozent gegenüber 1990 zu senken. Um die Klimavorgaben einhalten zu können, prüft die EU ein Verbrennerverbot.

Daimler AG: Ausmaß des Stellenabbaus in den kommenden Jahren bislang unklar

Zwar kann man aktuell nur spekulieren, in welchem Ausmaß sich der Rückzug vom Verbrenner in den kommenden Jahren tatsächlich auf den Stellenabbau bei Daimler auswirken wird. Bislang lautet der Plan, die künftig überzählige Belegschaft weitgehend über Frühverrentung vom Lohnzettel zu bekommen.

Der Wandel zur E-Mobilität bedeutet aber auch, das ganze Berufsgruppen wegfallen werden. „Wir dürfen heute nicht mehr intensiv Metall- und Zerspanungstechniker ausbilden“, sagt Daimler-Vorstand Martin Daum. Es sei wie bei den Zeitungshäusern, als der Blei- durch den Computersatz verdrängt wurde. „Mit den Schriftsetzern ist ein kompletter Berufszweig verschwunden.“

Dass zahlreiche Stellen in Zukunft wegfallen, könnte jedoch auch für den Konzern selbst gefährlich werden, denn Daimler verliert damit womöglich seine größte Waffe: Spezialisten, die schon jetzt zur Konkurrenz abwandern.

Die kürzlich bekannt gewordene Spaltung von Daimler hat offenbar ebenfalls mit dem angestrebten Abschied vom Verbrenner zu tun. Ohne die LKW-Sparte kann der Konzern deutlich früher vollelektrisch laufen. Die Lastwagen übernehmen unter der Führung von Martin Daum den Namen Daimler Trucks, während Daimler-CEO Ola Källenius sich um Mercedes-Benz kümmern wird.

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