Elektro gegen Diesel

Erzeugt Tesla mehr CO2 als ein Diesel von Daimler? Autopapst klärt auf

Fahrzeuge des Models 3 stehen vor der Tesla Gigafactory.
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Laut einer Studie produziert das Tesla Modell 3 mehr CO2 als ein Dieselfahrzeug von Mercedes (Symbolbild).

Eine Studie kam zu dem Ergebnis, dass ein Tesla E-Auto mehr CO2 produziert als ein Dieselfahrzeug der Daimler AG. Stimmt das? Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer redet Klartext.

Update vom 27. Januar, 14 Uhr: Eine Studie des ifo-Instituts in München untersuchte im Jahr 2019 zwei Fahrzeuge bezüglich ihres CO2-Ausstoßes. Dabei handelte es sich um einen dieselbetriebenen Mercedes C 220 d der Daimler AG und einem Model 3 von Tesla. Laut dem Institut lagen den Berechnungen alternative marginale Energiequellen für den Strom sowie der tatsächliche Strommix Deutschlands aus dem Jahr 2018 zugrunde. Zusätzlich sei eine Metastudie für den CO2 -Ausstoß bei der Batteriefertigung berücksichtigt worden. Die Studie kam zu dem überraschenden Ergebnis, dass das E-Auto von Tesla mehr CO2 produziere als das Dieselfahrzeug von Daimler.

In Bezug auf die Glaubwürdigkeit der Studie des ifo-Instituts hatte Ferdinand Dudenhöffer eine mehr als deutliche Antwort. Dudenhöffer war von 2008 bis 2020 Professor für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre und Automobilwirtschaft an der Universität Duisburg-Essen und ist seit Mai 2020 Direktor der privatwirtschaftlichen CAR-Center Automotive Research in Duisburg. Die Studie des ifo-Instituts war weder bei der Veröffentlichung repräsentativ, noch sei sie das Heute, sagt er im Gespräch mit BW24. Ihm zufolge sind die Ergebnisse der Studie „aus der Luft gegriffen“ und basierten auf „nicht nachgewiesenen Annahmen“.

„Bereits bei der Veröffentlichung der Studie machten die, die sich auskennen, drei Kreuze“, sagte Dudenhöffer. Die Studie basiere auf „dubiosen Berechnungen“ und „hanebüchenen Annahmen“. Allein dass der Studie der Strommix Deutschlands zugrunde gelegt wurde, halte er für einen vollkommen falschen Ansatz. „Die Modelle von Tesla sind sicher nicht auf deutschen Strom ausgelegt“, sagte er. Auch die Metastudie zum CO2-Ausstoß bezeichnet der Autoexperte als nicht repräsentativ. „Inzwischen bauen die meisten Autohersteller ihre eigenen Batterien, vor allem die deutschen“, sagt Dudenhöffer gegenüber BW24. Die Daimler AG entwickelt aktuell eine völlig neue E-Auto-Batterie für ihr kommendes Elektro-Flaggschiff EQS.

Erstmeldung: Stuttgart - Die Daimler AG setzt ihren Fokus auf die Produktion von E-Autos - hinkt dabei aber dem Branchenprimus Tesla laut der Meinung einiger Experten deutlich hinterher. Tesla-Chef Elon Musk kann sich sogar eine Fusion mit der Daimler AG vorstellen. Daimler fühlt sich Tesla dagegen nach wie vor überlegen.

E-Autos werden allgemein als Zukunft der Autoindustrie angesehen und sollen sich möglichst schnell als klimafreundliche Alternative zu den herkömmlichen Antrieben durchsetzen. Die Daimler AG will deshalb in Deutschland nur noch auf den Elektroantrieb setzen und Verbrenner in China bauen. Die Aufholjagd auf den E-Auto-Pionier Tesla hat begonnen.

Daimler AG: Laut einer Studie erzeugt ein Tesla-E-Auto mehr CO2 als ein Dieselfahrzeug von Mercedes

Doch am Fokus von Daimler AG, BMW und Co. auf E-Autos gibt es auch Kritik. Immer wieder äußern Experten Zweifel daran, dass der elektrische Antrieb tatsächlich besser für die Umwelt ist. Laut einer Studie erhöhen die vermeintlich klimafreundlichen Fahrzeuge die Feinstaubbelastung derart, dass sogar Fahrverbote für E-Autos drohen.

Eine weitere Studie rückt sogar das Branchenvorbild Tesla in ein ungünstiges Licht. Forscher verglichen die CO2-Bilanz eines Dieselmodells von Daimler-Tochter Mercedes-Benz mit der eines Elektroautos von Tesla. Und das Ergebnis war durchaus überraschend.

In einer Studie des Instituts für Wirtschaftsforschung (ifo) an der Universität München aus dem Jahr 2019 wurden der Mercedes C 220 d und das Tesla Model 3 aufgrund offizieller Messdaten bezüglich ihres Verbrauchs verglichen. Das Besondere: Bei dem Modell der Daimler AG handelte es sich um ein klassisches Dieselfahrzeug, während der Tesla rein elektrisch betrieben wird. Der Studie lagen die marginalen Energiequellen für den Strom sowie der tatsächliche Strommix Deutschlands zugrunde, heißt es in den Forschungsergebnissen des ifo Instituts.

Obwohl das Tesla Model 3 laut den US-Behörden als emissionsfrei bezeichnet wird, schnitt das Dieselfahrzeug der Daimler AG in Bezug auf den CO2-Ausstoß deutlich besser ab. „Es zeigt sich, dass der CO2-Ausstoß des Elektromotors im günstigen Fall um etwa ein Zehntel und im ungünstigen Fall um ein gutes Viertel über dem Ausstoß des Dieselmotors liegt“, heißt es in den Forschungsergebnissen des ifo Instituts.

Ein Tesla Modell 3 erzeuge 156 bis 181 Gramm CO2 pro Kilometer, während der dieselbetriebene Mercedes nur rund 141 Gramm produziere.

Daimler AG: Kritik am Fokus auf E-Autos - CO2-Bilanz bleibt zweifelhaft

Die Daimler AG kündigte für dieses Jahr bereits drei neue E-Auto Modelle der Serie EQ an. Obwohl sich der Stuttgarter Konzern und auch viele andere Autohersteller verstärkt auf die E-Mobilität fokussieren, zeigt die Studie des ifo Instituts ein durchwachsenes Bild. Aus dem Vergleich zwischen dem elektrischen Tesla und dem dieselbetriebenen Mercedes folgt, „dass auch moderne Elektroautos in den nächsten Jahren nicht in der Lage sein werden, einen Beitrag zur Minderung der deutschen CO2-Emissionen zu leisten“, schreibt das Institut in den Schlussbemerkungen zu der Studie.

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