Aktionäre halten fast 20 Prozent

Daimler: Chinas Macht über den Autobauer ist größer als viele bisher dachten

Produktion der Mercedes-E-Klasse im Werk in Peking.
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Der Einfluss der chinesischen Großaktionäre auf die Daimler AG ist größer als bislang gedacht.
  • Julian Baumann
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China besitzt inzwischen große Anteile am deutschen Autobauer Daimler. Das Ausmaß ist für viele erschreckend.

Stuttgart - Für die Autobauer weltweit ist der chinesische Markt seit langem der größte. Dass auch die Daimler AG, der Konzern, den es in dieser Form nicht mehr gibt, den höchsten Anteil der Absätze an Autos, Vans, aber auch großen Nutzfahrzeugen im Land der Mitte erwirtschaftete, ist kein Geheimnis. Im Laufe der vergangenen Monate verlagerte die Daimler AG sogar ganze Produktionsschritte nach China, dort wird inzwischen beispielsweise der Kleinwagen Smart gefertigt. Daimler hat sogar ein ganzes Werk in Brasilien an einen chinesischen Autobauer verkauft, die Mitarbeiter wurden nicht übernommen.

Zu Beginn des Monats wurde die bisherige Lkw-Sparte offiziell von der Daimler AG abgespalten. Der Autobauer soll im Februar in die Mercedes-Benz AG umbenannt werden. Ziel der Aufspaltung des weltbekannten Traditionskonzerns war zum einen die wirtschaftliche Unabhängigkeit der Daimler Truck AG und zum anderen auch deren Börsengang. Experten prognostizierten dem Weltmarktführer eine risikoreiche Zukunft. Die bisherigen Aktionäre erhielten mit dem Börsengang der Lkw-Sparte automatisch Aktien des Unternehmens. Im Zuge der Spaltung und des Börsengangs wurde bekannt, dass chinesische Aktionäre einen deutlich höheren Einfluss auf den Autobauer aus der Landeshauptstadt Stuttgart ausüben, als bislang bekannt.

Daimler AG: Chinesische Investoren halten fast 20 Prozent am Stuttgarter Konzern

Im Laufe der vergangenen Monate wurde der chinesische Einfluss auf die Daimler AG immer größer. Mitarbeiter befürchteten sogar, dass Daimler ein chinesisches Unternehmen werden könnte. Bisher galt der Gründer des chinesischen Autokonzerns Geely, Li Shufu, mit einem Anteil von 9,7 Prozent als größter Anteilseigner des schwäbischen Autokonzerns. Nach der vollzogenen Aufspaltung in die Mercedes-Benz AG und die Daimler Truck AG deckte nun jedoch die Beijing Automotive Group Co Ltd. (BAIC) auf, bereits seit 2019 einen Anteil von 9,98 Prozent an der damaligen Daimler AG zu halten, heißt es in einer Pressemitteilung des Unternehmens.

Demnach halten die beiden chinesischen Großinvestoren Geely und BAIC bereits seit zwei Jahren knapp 20 Prozent an der damaligen Daimler AG. „Zu einem Fünftel ist Daimler damit in chinesischer Hand“, erklärte Marc Tüngler, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) dem Handelsblatt. Durch die Verteilung der Aktien (je eine Truck-Aktie für zwei Daimler-Aktien) lässt sich dieser Einfluss demnach auch auf die Mercedes-Benz AG und die Daimler Truck AG übertragen.

Dass China den Konzern beziehungsweise die beiden Unternehmen mit dem Stern vollständig übernehmen könnte, weisen die Stuttgarter entschieden ab. „Diese These ist einfach Quatsch“, sagte ein hochrangiger Daimler-Manager dem Handelsblatt. Laut den Vertragsbedingungen stimmte BAIC zudem zu, die Anteile an Daimler nicht weiter zu erhöhen.

Mercedes-Benz AG will Modelle der EQ-Reihe direkt in China produzieren

Der Pressemitteilung der Daimler AG zufolge hält der schwäbische Konzern im Gegenzug einen Anteil von 9,55 Prozent an der in Hongkong notierten BAIC-Tochter BAIC Motor sowie eine Beteiligung von 2,46 Prozent an der in Shanghai notierten BAIC BluePark. Insgesamt scheinen die Stuttgarter laut der Mitteilung keine Bedrohung durch China, sondern Vorteile in der Zusammenarbeit zu sehen. „Wir freuen uns über das Engagement aller langfristig orientierten Aktionäre, die unsere Strategie unterstützen“, sagte Daimler- und Mercedes-Benz-Chef Ola Källenius. „Im Verlauf unserer Partnerschaft mit BAIC hat sich China zum größten globalen Markt für Mercedes-Benz und zu einem entscheidenden Treiber des Wandels zur Elektro-Mobilität und Digitalisierung entwickelt.“

Bei der E-Auto-Strategie der Mercedes-Benz AG, die besagt, man wolle ab 2030 nur noch batteriebetriebene Fahrzeuge bauen, spielt China als Absatzmarkt eine große Rolle. Laut der Pressemitteilung will der Konzern bis Ende dieses Jahres die bislang auf dem westlichen Markt angebotenen Modelle der Baureihe EQ auch in China auf den Markt gebracht haben. Die E-Autos EQA, EQB und EQC sollen sogar direkt in China gebaut werden, die elektrische Luxuslimousine Mercedes EQS wird wohl weiterhin in Sindelfingen entstehen. Der Marktstart für die neueste E-Limousine von Mercedes, dem EQE, ist in China im kommenden Jahr geplant.

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