„Familie Quandt müsste nur ja sagen“

Ende der Daimler AG: BMW könnte mit Mercedes fusionieren, sagt ein Autoexperte

Nahaufnahme der Motorhaube eines BMW mit Logo, im Hintergrund ist die Konzernzentrale zu sehen
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Könnte die Daimler AG von einem anderen Autobauer geschluckt werden? BMW steht bei einem Analysten höher im Kurs als Tesla.
  • Sina Alonso Garcia
    vonSina Alonso Garcia
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Wegen der kürzlichen Spaltung der Daimler AG spekulieren Experten über eine mögliche Übernahme von Mercedes-Benz. Auto-Analyst Frank Schwope sieht BMW hier vorne.

Stuttgart - Nachdem die Daimler AG vergangene Woche ihre Aufspaltung in zwei eigenständige Unternehmen verkündet hat, steht fest: Der Name „Daimler“ wird aus Stuttgart verschwinden. Die PKW- und Van-Sparte soll demnach unter dem Namen Mercedes-Benz AG weiterhin am Hauptsitz in Untertürkheim Autos produzieren und die E-Mobilität vorantreiben, während die LKW- und Bus-Sparte als „Daimler Truck AG“ seinen Sitz ins nahe Leinfelden-Echterdingen (Kreis Esslingen) verlegt und eigenständig an die Börse geht.

Während Daimler-Chef Ola Källenius nach eigenen Aussagen den Konzern durch die Aufspaltung vor einer „feindlichen Übernahme“ schützen will, sehen Autoexperten eine solche gerade jetzt als realistisch an. Spekulationen zu einer möglichen Übernahme von Daimler gibt es schon lange. Die Daimler-Aktie hat sich in den vergangenen Jahren eher unterdurchschnittlich entwickelt. US-Autobauer Tesla hingegen ist mit mehr als 180 Milliarden Euro Marktwert (Stand Juni 2020) wertvoller als Daimler, BMW und VW zusammen.

Analyse-Experten der Firma Breakingviews prognostizierten kürzlich, dass Tesla Daimler sogar schlucken könnte - mit einer kleinen Kapitalerhöhung wäre das notwendige Geld da. Nord-LB-Analyst und Auto-Experte Frank Schwope hält jedoch einen anderen deutschen Autobauer für die mögliche Übernahme von Daimler am wahrscheinlichsten: BMW.

Daimler AG: Übernahme von BMW wäre laut Experten „populärer“ als durch Geely oder Tesla

Wie Experte Frank Schwope dem Schwäbischen Tagblatt sagte, glaube er persönlich nicht daran, dass Tesla an Daimler interessiert ist: „Musk hat derzeit traumhafte Zustände. Tesla gilt als Premium, als Avantgarde. Das Unternehmen ist schlank aufgestellt“, so Schwope. „Dass Musk sich die alte Technologie und die große Mitarbeiterzahl von Mercedes-Benz ins Boot holt, von denen zahlreiche Beschäftigte bei der Umstellung auf Elektro-Antrieb überflüssig werden, glaube ich nicht.“

Neben Tesla zählen laut Schwope auch der chinesische Investor Geely, der bereits Anteile an der Daimler AG besitzt, zu den möglichen Kandidaten, die Daimler übernehmen könnten. Doch der Experte hat einen anderen Autobauer im Blick: „Eine Übernahme durch BMW wäre politisch wahrscheinlich gewünschter als chinesische Unternehmen“, sagte er dem Schwäbischen Tagblatt. „Eigentlich wäre die Struktur ganz einfach. Die Familie Quandt [Hauptaktionäre bei BMW, Anm. d. Red. ] müsste nur ja sagen.“

Daimler AG hat bereits mehrfach mit BMW zusammengearbeitet

Die Daimler AG ging mit dem bayerischen Autobauer BMW bereits in der Vergangenheit eine Kooperation ein, die jedoch nicht immer den erhofften Erfolg brachte. Erst kürzlich erklärte der Daimler Technik-Chef, warum eine Kooperation mit BMW scheiterte.

Durch die Spaltung des Stuttgarter Konzerns könnten die Münchener womöglich irgendwann einen neuen Versuch starten. Im Falle einer Kooperation von Mercedes und BMW müsse laut Frank Schwope auf beiden Seiten massiv Personal abgebaut werden, dafür liege bislang keine Notwendigkeit vor. „Aber es wäre wohl populärer als eine Übernahme durch Geely/Volvo oder Tesla.“

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