Unmut über Konzernschreiben

Mercedes schickt Brief mit Warnung an Kunden, der sie ratlos zurücklässt - „so ein Geschwurbel“

Eine E-Klasse von Mercedes-Benz fährt eine Landstraße entlang.
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Mercedes-Benz musste wegen Brandgefahr 800.000 Fahrzeuge zurückrufen, auch die E-Klasse war betroffen. Kunden regen sich aktuell über die Kommunikation des Konzerns auf.
  • Valentin Betz
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Mercedes-Benz rief 2021 Tausende Fahrzeuge wegen Brandgefahr zurück. Die Kunden regt jedoch die Kommunikation des Konzerns viel mehr auf, als der Defekt selbst.

Stuttgart - Selbst bei globalen Konzernen wie der Mercedes-Benz AG läuft nicht immer alles rund. Das zeigt sich beim Fahrzeughersteller aus Stuttgart unter anderem daran, dass wiederholt ausgelieferte Modelle zurückbeordert werden müssen. Das ist für den Konzern ärgerlich, da einerseits Kosten entstehen und andererseits das Vertrauen der Kunden geschädigt wird. In den USA rief Daimler zuletzt 340.000 Autos zurück.

Ende des vergangenen Jahres traf es die Mercedes-Benz AG dann erneut. Im November 2021 musste der Fahrzeughersteller Tausende Kunden weltweit über einen Defekt an Dieselmotoren informieren. Wegen Brandgefahr rief Mercedes-Benz 800.000 Autos zurück. In diesem Fall erschütterte bislang aber weniger der eigentliche Schaden das Vertrauen der Kunden, sondern vielmehr die Kommunikation und die Handhabung von Mercedes-Benz.

Rückruf von Mercedes-Benz: Betroffene Kunden sind mit ihrer Geduld am Ende

Stein des Anstoßes für den Unmut zahlreicher Kunden war eine Formulierung im Schreiben, das über die Brandgefahr bei den Motoren informierte. Denn die Reparatur konnte wegen Materialmangels nicht unmittelbar durchgeführt werden. „In der Zwischenzeit sollte das vom Rückruf betroffene Fahrzeug besonders umsichtig gefahren werden und die Nutzung auf das erforderliche Minimum beschränkt werden“, hieß es seitens Mercedes-Benz in dem Schreiben.

Besonders die Worte „umsichtig fahren“ und „erforderliches Minimum“ sorgten bei zahlreichen Kunden für Irritationen. Im Forum des Portals Motor-Talk tauschten sich Betroffene über die Konsequenzen dieser Ansagen aus und machten ihrem Ärger teilweise deutlich Luft.

Mercedes-Benz zieht mit Rückruf Unmut der Kunden auf sich

Viele regen sich tatsächlich über die sehr vage und unklare Formulierung in dem Schreiben auf. „Bin gerade am Grübeln, was es bedeutet, die Nutzung auf das Notwendigste zu reduzieren. So ein Geschwurbel“, schreibt ein Betroffener etwa. Ein anderer vermutet hinter den Begriffen bereits einen juristischen Schachzug von Mercedes-Benz. „Mich würde sehr interessieren, inwieweit Mercedes-Benz sich seiner Verantwortung durch diese Formulierungen entziehen kann“, schreibt der Nutzer.

„Was versteht Mercedes unter umsichtigem Fahren? Nicht schneller als 80 km/h?“, fragt ein anderer. Seine Schlussfolgerung: Beim Kauf eines Mercedes-Benz müsse künftig „unbedingt eine Rechtsschutzversicherung abgeschlossen werden“. Auch ein Kunde aus Baden-Württemberg äußert sich zu dem Schreiben von Mercedes-Benz und denkt dabei vor allem an die ebenfalls vom Defekt betroffene E-Klasse: „In Ba-Wü fährt die Polizei fast ausschließlich die aktuelle E-Klasse. Laufen die jetzt die nächsten Wochen/Monate zu ihren Einsätzen?“ Wie groß der Ärger und die Enttäuschung angesichts des gigantischen Rückrufs bei den Kunden von Mercedes-Benz ist, zeigt auch der desillusionierte Kommentar eines weiteren Foren-Nutzers: „Mercedes adieu!“, schreibt dieser.

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