Sparmaßnahmen im Konzern

„Macht mich fuchsteufelswild“: Ungeheuerlicher Verdacht gegen Daimler - Missbrauch der Coronakrise?

Ein Mitarbeiter von Mercedes-Benz befestigt im Werk „Factory 56“ ein Mercedes Stern an einer S-Klasse.
+
Noch immer sind 70.000 Mitarbeiter bei Daimler in Kurzarbeit, die Prämien wurden gestrichen.
  • Sina Alonso Garcia
    vonSina Alonso Garcia
    schließen

Der Bezirksleiter der IG Metall Baden-Württemberg, Roman Zitzelsberger, glaubt, dass deutsche Autobauer wie Daimler die Pandemie ausnutzen, um Mitarbeitern die Löhne zu kürzen.

Stuttgart - Die Daimler AG hat das Pandemie-Jahr überraschend gut überstanden. Obwohl Corona auch dem Stuttgarter Autobauer zusetzte, konnte Daimler 2020 einen Milliardengewinn erzielen. Die satten Gewinne hielten den Vorstand jedoch nicht davon ab, zahlreiche Angestellte in Kurzarbeit zu schicken und Löhne zu senken. So kürzte der Konzern 70.000 Mitarbeitern die Arbeitszeit und strich die Prämie für alle. An den Sparmaßnahmen will Daimler auch weiter festhalten.

Nun meldet sich der Bezirksleiter der IG Metall Baden-Württemberg, Roman Zitzelsberger, zu Wort. In einem Interview mit dem SWR warf er Daimler und anderen Firmen aus der Automobil- und Metallbranche im Südwesten vor, das Coronavirus in Baden-Württemberg für Lohn-Dumping zu missbrauchen. Das könne so nicht weitergehen, meint der IG-Metall-Bezirksleiter: „Das macht mich, um es mal auf den Punkt zu bringen, fuchsteufelswild, weil natürlich die Beschäftigten den Eindruck haben - und der deckt sich mit dem bei mir - dass Südwestmetall, die Arbeitgeberseite, offensichtlich versucht, die Pandemie dazu zu nutzen, den Beschäftigten in die Tasche zu greifen.“

IG Metall über Daimler und Co.: „Wenn hier nicht schnell eine Besserung kommt, sind Warnstreiks unausweichlich“

Roman Zitzelsperger stellt sich die Frage, ob Maßnahmen wie die Streichung der Schichtzuschläge noch zeitgemäß sind. „Wenn hier nicht schnell eine Besserung kommt, sind Warnstreiks unausweichlich“, sagte er dem SWR. Auch der Betriebsrat bei Daimler kritisierte die Sparmaßnahmen. Betriebsratschef Michael Brecht will den Konzern dazu bringen, die im vergangenen Jahr ausgehandelten Kürzungen der Arbeitszeit möglichst bald wieder rückgängig zu machen. Daimler-CEO Ola Källenius beharrt aktuell jedoch auf die Einsparungen.

Nur ein weiterer Dorn in den Augen vieler Kritiker sind die hohen Summen, die die Führungsriege unterdssen kassiert: Während Mitarbeitern der Lohn gekürzt wird, verdienen die Daimler-Bosse insgesamt 28 Millionen Euro. Auch die Aktionäre profitierten von den satten Gewinnen im Jahr 2020. Wegen der guten Bilanz fielen 1,4 Milliarden Euro an Dividenden für sie ab.

Daimler AG: Kritik an Milliarden-Ausschüttungen an Aktionäre - trotz hartem Sparkurs

Dass Daimler trotz der Coronakrise solche stattlichen Summen an seine Aktionäre ausschüttet, löste eine Welle der Empörung aus. „Ich finde das nicht glücklich, ich kann das Unverständnis nachvollziehen, sagte die baden-württembergische Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU).

Auch bei Twitter löste die Nachricht über die Ausschüttungen an Daimler-Aktionäre Diskussionen aus.

„Ich hoffe, ihr alle habt Daimler-Aktien und erhaltet auch einen Teil der 1,4 Milliarden Euro, die als Dividende an die Aktionäre ausgeschüttet werden. 700 Millionen davon habt ihr via Kurzarbeitergeld ja selbst beigesteuert“, twitterte ein Autor des Satiremagazins „Titanic“. Sein Tweet erhielt fast 5.000 Likes.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare