Halbleiter-Krise

Erschütternde Botschaft für Daimler-Mitarbeiter: Kurzarbeit wohl bis 2022

Ein Daimler-Mitarbeiter geht auf dem Werksgelände
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DIe Kurzarbeit könnte bei Daimler länger dauern als erhofft.
  • Berkan Cakir
    VonBerkan Cakir
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Die Daimler AG leidet weiterhin unter Engpässen bei produktionsnotwendigen Chips. Der Stuttgarter Autobauer rechnet offenbar damit, dass die Kurzarbeit aufgrund dessen noch sehr lange anhalten könnte.

Stuttgart - Die Chipkrise hat nach wie vor erhebliche Auswirkungen auf die Autoindustrie in Deutschland. Betroffen davon ist auch die Daimler AG. Aufgrund fehlender elektronischer Bauteile musste der Autohersteller bereits im Februar die Produktion im Rastatter Werk stoppen. Die Halbleiter-Krise erreichte Ende April auch das Werk in Bremen und zuletzt auch die „Factory 56“ in Sindelfingen, wo die S-Klasse und das elektrisch angetriebene Pendant, der EQS, produziert werden. Tausende Mitarbeiter wurden deshalb in die Kurzarbeit geschickt.

Mittlerweile hat der Daimler die Mitarbeiter zwar wieder aus der Kurzarbeit geholt. Der Lieferengpass könnte für den Autobauer aus der Landeshauptstadt Stuttgart aber länger andauern als erhofft. Laut einem Bericht des Business Insider gehen Top-Manager von Daimler davon aus, dass der Chipmangel mindestens bis Ende dieses Jahres andauern wird. Hinzu komme, dass laut Insidern die Produktion der Chips sechs bis sieben Monate dauere. Die Verteilung der technischen Komponenten auf dem Weltmarkt mitgedacht, würde der Engpass damit aller Voraussicht nach erst Mitte 2022 überwunden sein.

Daimler AG: Die Mitarbeiter müssen bis ins nächste Jahr mit Kurzarbeit rechnen

Entsprechend könnten auf viele Mitarbeiter wieder Kurzarbeitsphasen zukommen, heißt es aus Unternehmenskreisen. Insider gehen davon aus, dass das Auf und Ab wie im April und Mai, bei dem Mitarbeiter in die Kurzarbeit geschickt und wieder zurückgeholt wurden, bis ins nächste Jahr dauern werde. „Gegenwärtig besteht weltweit ein Lieferengpass an bestimmten Halbleiterkomponenten. Auf derartige Schwankungen reagieren wir aufgrund der hohen Flexibilität unserer Werke kurzfristig“, sagte eine Sprecherin dem Business Insider.

Daimler ist nicht der einzige Autohersteller aus Baden-Württemberg, den die Lieferengpässe betreffen. Zuletzt musste auch Porsche die Cayenne-Produktion in der Slowakei stoppen, weil Elektro-Bauteile fehlten. Im April musste zudem die Produktion im Leipziger Werk gedrosselt werden.

Daimler AG: Die Ursachen für die Halbleiter-Krise sind vielschichtig

Die Ursache für den Halbleiter-Mangel liegt Experten zufolge an der großen Nachfrage, nachdem die Corona-Pandemie die Digitalisierung in vielen Bereichen beschleunigt hat. Ausfälle in Chip-Produktionsfabriken in den USA und Japan verstärkten die Krise. Hinzu kam nicht zuletzt auch die Blockade des Suez-Kanals durch das Container-Schiff „Ever Given“, was zu Verzögerungen in der Lieferung von Komponenten führte.

Unterdessen ist ein neues Halbleiter-Werk in Dresden in Planung: Bosch eröffnet dort eine hochmoderne Fabrik, die im Juli dieses Jahres die Produktion starten soll. Die Halbleiter-Komponenten, die dort hergestellt werden, sollen letztlich auch als Mikrochips in der Autoindustrie eingesetzt werden, bestätigte eine Bosch-Pressesprecherin auf Anfrage von BW24. Die Chipfabrik könnte die deutsche Autoindustrie dadurch weniger abhängig von internationalen Lieferketten machen.

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