Heftige Kritik im Konzern

„Daimler will Führungskräfte weichkochen“: Manager klagen gegen umstrittenes Jobportal

Daimler-Firmenzentrale in Untertürkheim
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Abteilungsleiter bei Daimler befürchten, im Zuge der Umstrukturierung schlechter gestellt zu werden. Gegen den Betriebsrat werden schwere Vorwürfe erhoben.
  • Sina Alonso Garcia
    vonSina Alonso Garcia
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Abteilungsleiter bei der Daimler AG fühlen sich innerhalb der Umstrukturierung schikaniert. Ein Rechtsexperte meint: Der Betriebsrat setzt sich nicht genug für Führungskräfte ein.

Stuttgart - Im Zuge der Transformation hin zur E-Mobilität baut die Daimler AG aktuell tausende Stellen ab. Eine interne Job-Plattform soll Mitarbeiter auffangen, deren Tätigkeiten wegfallen und sie in neue Positionen vermitteln. Dabei soll das Portal die Angestellten entsprechend ihrer jeweiligen Qualifikation neuen Aufgabengebieten zuteilen. In Bezug auf das „Jobforum“ hagelt es vonseiten der Belegschaft jedoch Kritik. Mehrere Angestellte klagen gegen die Strategie und nennen das Portal sogar eine „Reste-Rampe“ für Mitarbeiter.

Während ein Daimler-Personalchef das umstrittene Mitarbeiterportal verteidigte, werden nun schon wieder neue Vorwürfe laut. Diesmal klagt eine Reihe von Abteilungsleitern gegen ihre Versetzung, die das Jobforum für sie vorsieht. Wie der Stuttgarter Rechtsanwalt Stefan Nägele den Stuttgarter Nachrichten mitteilte, solle einer seiner Mandanten, bisher verantwortlich für 50 Mitarbeiter und ein Budget in Millionenhöhe, nun auf einen Posten versetzt werden, auf dem er weder Mitarbeiter noch ein Budget oder Entscheidungskompetenz habe. So hat er sich der Betroffene seine Karriere bei der Daimler AG offenbar nicht vorgestellt. Laut des Anwalts wolle Daimler mit der Strategie „Führungskräfte weichkochen“.

Schwere Anschuldigungen gegen Daimler-Betriebsrat: Falscher Umgang mit Führungskräften?

In die Debatte klinkte sich jetzt auch Matthias Jacob, Juraprofessor von der Brucerius Law School in Hamburg, ein - mit einem Hammer-Vorwurf gegen den Daimler-Betriebsrat* (Echo24* berichtete). Für ihn sehe es so aus, als ob der Betriebsrat der Daimler AG gegen seine Pflicht, die Interessen aller von ihm repräsentierten Arbeitnehmer zu vertreten, verstößt. Gegenüber den Stuttgarter Nachrichten sagte der Jurist, er halte den Einsatz des Betriebsrats bei Daimler hinsichtlich der Belange von Abteilungsleitern der Führungsebene E3 für „rechtlich unzureichend“. Der Knackpunkt: Viele der E3-Führungskräfte sind laut einem Gerichtsurteil aus dem Jahr 2011 keine leitenden Angestellten. Somit ist aus rechtlicher Sicht der Betriebsrat für sie zuständig - doch der sieht das offenbar etwas anders.

Der Daimler-Betriebsrat wehrt sich gegen die Vorwürfe. Auf Nachfrage der Stuttgarter Nachrichten verwies der Betriebsrat darauf, dass Führungskräfte vorrangig vom Sprecherausschuss der leitenden Angestellten vertreten würde - auch derjenigen, die keine leitenden Angestellten seien. Dennoch könnten sich die Führungskräfte „selbstverständlich auch an den Betriebsrat wenden.“

Jurist über Daimler AG: „Betriebsrat muss die Interessen der Arbeitnehmer vertreten“

Juraprofessor Matthias Jacobs hält das Angebot jedoch nicht für ausreichend. „Der Betriebsrat muss die Interessen der von ihm repräsentierten Arbeitnehmer natürlich auch vertreten, wenn er nicht darum gebeten wird“, sagte er den Stuttgarter Nachrichten. Daimler selbst verteidigte den Betriebsrat und betonte, es sei auszuschließen, dass der Betriebsrat seine gesetzlichen Pflichten verletze.

Die groß angelegten Sparpläne bei der Daimler AG schreiten bereits seit einiger Zeit immer weiter voran. Allein in sechs deutschen Daimler-Werken sollen rund 20.000 Arbeitsplätze abgebaut werden. Der Stuttgarter Konzern will die Maßnahmen zwar ohne betriebliche Kündigungen vornehmen, Daimler zahlt jedoch Hunderttausende Euro, um Mitarbeiter loszuwerden. *Echo24 ist ein Angebot von Ippen.Media.

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