„Warte noch auf das Geld von Tesla“

Daimler-Ingenieur wechselt zu Tesla - Vertrag nach einem Tag ausgelöst

Der Ingenieur Stefan Schwunk in einem Video auf seinem Kanal „Schwunkvoll“. Rechts: Das Logo von Mercedes-Benz auf einer Felge (oben), das Logo von Tesla auf einer Felge (unten).
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Der ehemalige Daimler-Ingenieur Stefan Schwunk wechselte zu Tesla - arbeitete dort jedoch keinen einzigen Tag.
  • Julian Baumann
    VonJulian Baumann
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Ein ehemaliger Daimler-Ingenieur wechselte im vergangenen Jahr zum E-Auto-Pionier Tesla nach Berlin. Dort war das Arbeitsverhältnis schon wieder beendet, bevor alles überhaupt richtig angefangen hat.

Berlin - Der Ingenieur und Auto-Youtuber Stefan Schwunk kündigte im Dezember vergangenen Jahres in einem Video an, von der Daimler AG zum E-Auto-Pionier Tesla zu wechseln. In der Tesla-Fabrik in Grünheide bei Berlin trat er seine Arbeit jedoch gar nicht erst an. Bereits beim Onboarding Prozess bei Tesla im Januar sei ihm klar geworden, dass das Thema Youtube nicht so unproblematisch verlaufen würde wie gedacht, sagte Schwunk gegenüber BW24.

Als sich der Qualitätsingenieur zu einem Weggang bei der Daimler AG entschied, hatte er eigenen Angaben zufolge parallel zwei Bewerbungsprozesse laufen. „Die Zusage kurz vor Weihnachten kam zuerst von Tesla“, erklärt Schwunk. „Mit Elli hatte ich die Vereinbarung, im Januar weiterzusprechen.“ Elli ist eine VW-Tochter. Seinen Weggang von Daimler erklärte der Ingenieur in einem Video auf seinem Youtube-Kanal „Schwunkvoll“, das er wenige Tage später wieder von der Plattform nahm. Basierend auf dem Video seien viele Interviews in Medien erfunden worden, die ihren Weg bis in die USA zu Tesla fanden. „Es gab also scheinbar eine Rückfrage an Tesla Grünheide und ich durfte erst einmal beweisen, dass ich sämtliche Interviewanfragen (bis auf das T&E Magazin in Absprache mit Tesla) abgelehnt habe“, so Schwunk.

Bei Tesla sei dem ehemaligen Ingenieur der Daimler AG schnell klar geworden, dass er seinen Nebenverdienst durch den Youtube-Kanal abschreiben könne und auch die Work-Life-Balance nicht umsetzbar sei, sagt er. Als die VW-Tochter Elli ihm dann einen Job angeboten hatte, habe er nicht lange überlegen müssen. „Das Bauchgrummeln bei Tesla war einfach zu groß“, so Stefan Schwunk. Somit habe er keinen einzigen Tag bei Tesla gearbeitet. „Der Vertrag wurde während der Probezeit fristgerecht innerhalb von zwei Wochen aufgelöst“, erklärt er. „Bis heute warte ich noch auf das Geld von Tesla.“

Die Daimler AG ist einer der bekanntesten Autobauer der Welt. Der Konzern aus der Landeshauptstadt Stuttgart stand bisher hauptsächlich in einem Konkurrenzkampf mit den anderen großen deutschen Herstellern Volkswagen aus Wolfsburg und BMW aus München. Inzwischen setzen die deutschen Autobauer jedoch stark auf die Produktion von E-Autos und müssen sich deshalb mit dem US-Unternehmen Tesla messen lassen. Tesla gilt allgemein als Marktführer im Bereich der E-Mobilität und ist inzwischen an der Börse mehr wert, als die drei großen deutschen Traditionskonzerne zusammen.

Die Daimler AG hat am 15. April bei einer digitalen Weltpremiere das elektrische Flaggschiff EQS vorstellt. Das E-Auto soll zum Super-Konkurrenten für Tesla werden. Bei der Jahreshauptversammlung des schwäbischen Konzerns machte Daimler-Chef Ola Källenius auch eine Kampfansage an das Tech-Unternehmen von Elon Musk. Ein Autoexperte sagte im Nachhinein, Daimler dürfe nicht wie bislang Follower sein, sondern müsse mit Innovationen glänzen.

Für einen ehemaligen Ingenieur der Daimler AG, der Ende vergangenen Jahres zu Tesla wechselte, brachte der vermeintliche Marktführer jedoch kein Glück. Sei Vertrag wurde bereits nach zwei Wochen wieder aufgelöst. Er hatte de facto keinen einzigen Tag bei dem E-Autobauer gearbeitet.

Ehemaliger Daimler-Ingenieur wechselte zu Tesla - Arbeitsverhältnis vor Beginn wieder aufgelöst

Aktuell haben die Daimler AG und auch andere große Autohersteller ein großes Problem. Die Strukturen der Traditionskonzerne werden oftmals als veraltet und zu hierarchisch angesehen. Ein Vorschlag müsse deshalb durch mehrere Instanzen gehen, bis eine finale Entscheidung falle. Bei Tesla herrschen dagegen vermeintlich flache Hierarchien und Entscheidungen werden deutlich schneller getroffen. Daimler und Co. treiben dadurch wichtige Spitzenkräfte zur Konkurrenz. Auch der ehemalige Daimler-Ingenieur Stefan Schwunk wechselte zu Tesla und bezeichnete den Stuttgarter Konzern als „eine Behörde“. In einem Video auf Youtube, das er inzwischen wieder runter nahm, erklärte er seine Gründe, den Autobauer nach 13 Jahren zu verlassen.

In dem Podcast „Moin Tesla“ sagte der 43-jährige Bremer, dass sein Vertrag mit dem E-Auto-Pionier bereits zwei Wochen später aufgelöst wurde. Offiziell habe er keinen einen einzigen Tag in der Tesla-Fabrik nahe Berlin gearbeitet. Das Arbeitsverhältnis, dass am 1. Dezember geschlossen wurde, sei bereits vor dem offiziellen Jobantritt am 1. Februar wieder aufgelöst worden, führt Stefan Schwunk im Podcast weiter aus. Grund für die Auflösung sei wohl seine Aktivitäten in den sozialen Netzwerken gewesen.

Gehalt bei Tesla laut ehemaligem Daimler-Ingenieur „nicht wie bei Daimler“

In seiner Zeit bei der Daimler AG arbeitete der 43-Jährige unter anderem als Qualitätsingenieur an dem elektrischen Mercedes-SUV EQC. Das E-Auto blieb zwar weit hinter den Erwartungen zurück und wurde intern sogar als „Rohrkrepierer“ bezeichnet, die Erfahrung bei der Produktion könne Tesla jedoch zugutekommen, hieß es beim Einstellungsgespräch. Auch mit dem Youtube-Kanal „Schwunkvoll“, dem 15.300 Abonnenten folgen, hatten die Personalverantwortlichen bei Tesla keine Probleme, sagte Stefan Schwunk im Podcast „Moin Tesla“. Und das, obwohl sich der Kanal, der sich hauptsächlich mit Themen der E-Mobilität beschäftigt, auch schon die ein oder andere Kritik an Tesla erlaubte.

Im Rahmen des groß angelegten Sparplans zahlt die Daimler AG den Mitarbeitern sechsstellige Summen, damit sie den Konzern verlassen. Durch die großzügige Abfindung konnte der ehemalige Daimler-Ingenieur auch den Schritt vom schwäbischen Traditionskonzern zu Tesla wagen. Schließlich sei das Gehalt bei Tesla „nicht wie bei Daimler“, sagte er im Podcast. Er hoffte nach eigenen Angaben, seine Tätigkeit als Youtuber weiterführen zu können, um die Gehaltsdifferenz ausgleichen zu können. Beim US-Konzern musste er jedoch „ganz, ganz viele Verschwiegenheitserklärungen“ unterzeichnen, sagte er. Nachdem er in seinem Video zum Wechsel zu Tesla noch begeistert war, einen neuen Karriereschritt zu gehen, hat sich seine Meinung über den E-Auto-Pionier inzwischen geändert.

Bei Tesla gibt es „nur einen Menschen, der sozialmedientechnisch aktiv sein darf“

Obwohl der Youtube-Kanal des ehemaligen Ingenieurs der Daimler AG im Bewerbungsgespräch für eine Stelle bei Tesla in Berlin-Grünheide nicht problematisch erschien, war genau das offenbar nun der Grund für die frühzeitige Auflösung des Vertrags. Für den Kanal hätte er in Absprache mit seinem neuen Arbeitgeber gerne mal die neuen Werkshallen gefilmt, die bisher nur von Drohnenaufnahmen bekannt seien, sagte er im Podcast. Inzwischen sei ihm jedoch bewusst, dass die Hierarchien bei Tesla nicht so flach seien, wie oftmals behauptet. „Ich glaube, da ist schon ziemlich viel dran, dass es bei Tesla einen Menschen gibt, der sozialmedientechnisch aktiv sein darf – und alle anderen nicht.“ Dass Stefan Schwunk damit Tesla-Chef Elon Musk meint, wird vom Moderator des Podcasts „Moin Tesla“ bestätigt.

Inzwischen ist der ehemalige Ingenieur der Daimler AG nach seinem kurzen Ausflug zu Tesla bei einem Tochter-Unternehmen des VW-Konzerns angestellt. Die VW-Tochter Elli, die sich ebenfalls vollständig den E-Autos verschrieben hat, habe gegen den Youtube-Kanal „Schwunkvoll“ nichts einzuwenden. Die Volkswagen AG plant aktuell eine groß angelegte Aufholaktion auf Tesla und wollte ursprünglich auch die Sportwagen-Tochter Porsche an die Börse bringen. Laut dem derzeitigen Aktienwert der Wolfsburger könnte VW für Tesla tatsächlich ein ernst zu nehmender Konkurrent werden. Obwohl der Wechsel in den sozialen Medien ein großes Echo hervorrief, nimmt der ehemalige Daimler-Ingenieur die Sache mit Humor.

„Tja liebe Follower, nix Aprilscherz. Der Schwunk ist jetzt bei Elli - also quasi VW und nicht mehr bei Tesla“, schrieb der ehemalige Ingenieur der Daimler AG auf Twitter. Seine Follower hatten diesbezüglich gemischte Meinungen. „Schade, dass es nicht gepasst hat. Viel Erfolg bei Elli“, schrieb ein User. „Ganz ehrlich Stefan, das wird vermutlich die beste Entscheidung sein, die du treffen konntest“, schrieb ein weiterer. Bei der VW-Tochter ist Stefan Schwunk seit dem 15. März tätig. Ob er bei Elli mit dem Großkonzern VW im Rücken nun die flachen Hierarchien und schnellen Entscheidungen findet, die er eigentlich bei Tesla suchte, wird sich zeigen.

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