Elektrische Zukunft

Daimler baut eine Fabrik, die den größten Makel von E-Autos ausmerzen soll

Ein EQC der Daimler AG mit geöffneter Motorhaube am Standort in Bremen.
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Die Daimler AG plant eine Fabrik für Batterie-Recycling in Gaggenau
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Die Daimler AG stellt die Fertigung aktuell in vielen Werken auf E-Autos um. In Gaggenau soll eine neue Fabrik für das Batterie-Recycling entstehen.

Stuttgart/Gaggenau - Die Daimler AG befindet sich in der Transformation zur E-Mobilität. Der Konzern aus der Landeshauptstadt Stuttgart will bis zum Jahr 2025 mehr als zehn neue E-Auto-Modelle der Baureihe EQ auf den Markt bringen. Darunter auch die mit Spannung erwartete elektrische S-Klasse EQS, die zum Super-Konkurrenten für Tesla werden soll.

Im Gegensatz zu Tesla, die von Anfang an auf die Produktion von E-Autos eingestellt waren, muss der schwäbische Autobauer seine Produktion erst mal entsprechend umstellen. Da Daimler den Verbrenner schneller abschaffen will als geplant, wird in vielen Werken bereits umgerüstet. So soll etwa in Berlin ein Digitalcampus für Software entstehen und am Stammwerk in Untertürkheim ein Elektro-Campus für die E-Mobilität.

Ein oft genanntes Problem bei der Produktion von E-Autos ist die hohe Menge an benötigten Batteriezellen. Aktuell hat die Daimler AG ein Problem mit dem chinesischen Zulieferer Farasis. Das Unternehmen hat noch immer keine Baugenehmigung für das geplante Werk in Bitterfeld und die ersten Zellproben fielen „katastrophal“ aus, hieß es. Daimler-Chef Ola Källenius hofft derzeit auf Ersatzlieferanten.

Eigene Batteriezellen will der Stuttgarter Konzern dennoch nicht produzieren, sondern setzt weiter auf Zulieferer. Am Werk in Gaggenau (Kreis Rastatt) soll jedoch eine Fabrik entstehen, in der beispielsweise Batterien recycelt werden können, wie die Badische Neueste Nachrichten berichten.

Daimler AG: Mercedes-Werk in Gaggenau steigt in Batterie-Downstream-Geschäft ein

Für die kommende elektrische Limousine EQS entwickelt die Daimler AG aktuell eine völlig neue E-Auto-Batterie, mit der das Laden in sechs Minuten erreichbar sein soll. Um die hohe Menge an benötigten Batteriezellen zu decken und sich nicht komplett auf Zulieferer verlassen zu müssen, entsteht in Gaggenau eine neue Fabrik.

Das ist zumindest eine der möglichen Lösungen, denn hinter den Kulissen dauere die genaue Standortsuche noch an, berichten die Badische Neueste Nachrichten. Mit der Fabrik zur Wiederverwertung von Altbatterien will Daimler den bevorstehenden Stellenabbau durch die Transformation zumindest ein Stück weit ausgleichen.

Die neue Fabrik der Daimler AG in Gaggenau soll zunächst im Testlauf starten. Das bestätigte ein Daimler-Sprecher auf Anfrage der Badische Neueste Nachrichten. „Im Sinne der Nachhaltigkeitsstrategie des Konzerns haben wir uns gemeinsam mit dem Betriebsrat darauf verständigt, am Standort Gaggenau künftig in das Batterie-Downstream-Geschäft einzusteigen, zum Beispiel mit dem Recycling von Batterien“, sagte er.

„In diesem Zusammenhang prüfen wir verschiedene Optionen der Umsetzung und beziehen dabei im Rahmen unseres Nachhaltigkeitsverständnisses alle relevanten Aspekte mit ein – von der Technologie bis hin zum Umweltschutz.“ Mehr Details könne er derzeit noch nicht nennen, so der Sprecher weiter.

Daimler AG: Zusammenarbeit mit Fachfirmen und Hochschulen am Standort Gaggenau

Durch die Umstrukturierung auf die E-Mobilität baut die Daimler AG Tausende Stellen an mehreren Standorten ab. Der Autobauer bestätigte bereits im vergangenen Jahr den massiven Stellenabbau am Werk in Gaggenau. Michael Brecht, der Gesamtbetriebsratschef des Konzerns, der auch Betriebsratschef in Gaggenau ist, forderte bereits zu diesem Zeitpunkt einen Fokus auf zukunftsorientierte Arbeitsplätze am Standort und hatten in diesem Rahmen auch eine Fabrik für Batterie-Recycling vorgeschlagen.

Im ersten Schritt solle nun eine Forschungsanlage mit begrenzter Tonnage errichtet werden, sagte Brecht nun auf Anfrage der Badische Neueste Nachrichten. Ziel sei es, möglichst viele Rohstoffe für eine erneute Verwendung zu gewinnen.

Bislang steht der genaue Standort der Batterie-Recycling-Fabrik der Daimler AG in Gaggenau noch nicht fest. Spekuliert werde jedoch, sie könne auf dem Gelände des Presswerks in Kuppenheim, das an das Mercedes-Werk angegliedert ist, errichtet werden, berichten die Badische Neueste Nachrichten. Sollte die Anlage im Testlauf Erfolg haben, werde die Daimler AG auch Fachfirmen und Hochschulen mit ins Boot holen, sagte Michael Brecht.

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