Zweifel an Subventionen

Daimler, BMW & Co: „System kollabiert“ - Autohandel alarmiert wegen Elektro-Kaufprämie

Eine Elektrofahrzeug-Ladestation steht in Stuttgart auf einem Parkplatz vor einem Gelände, auf dem eine Batteriefabrik der Daimler AG entstehen soll.
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Die E-Auto-Prämie wird für Autohändler allmählich zum Problem.
  • Sina Alonso Garcia
    vonSina Alonso Garcia
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Der Umstieg auf Elektroautos - beispielsweise von Daimler - wird in Deutschland mit einem Bonus gefördert. Händler und Leasingfirmen fürchten, dass der Wert der E-Autos künstlich erhöht wird.

Stuttgart - 2020 wurden deutlich mehr E-Autos neu zugelassen als im Vorjahr, teilte das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) mit. E-Autos boomen: Der Anteil der E-Autos an allen Neuzulassungen stieg mit rund 194.000 Stück auf 6,7 Prozent. Das entspricht einem Wachstum von stolzen 206,8 Prozent innerhalb eines Jahres - das ist auch Verbrenner-orientierten Konzernen wie der Daimler AG bewusst. Doch der Erfolg kommt durchaus nicht von ungefähr. Die Bundesregierung fördert den Kauf von E-Autos mit einer Kaufprämie - auch „Umweltbonus“ genannt. Eine zusätzliche „Innovationsprämie“ verdoppelt den staatlichen Anteil sogar noch.

Die Entscheidung der Bundesregierung lässt der Auto-Industrie kaum eine Wahl. Da das Konjunkturpaket vom Bund nur eine Prämie für E-Autos und Hybride umfasst und die Nachfrage steigt, sehen sich Konzerne wie Daimler an zahlreichen Standorten auch gezwungen, ihre Produktion weiter vom Verbrenner wegzulenken. Bereits wenige Tage nach der Verabschiedung des Konjunkturpakets hat Daimler reagiert - mit drei neuen Elektro-Modellen.

Daimler AG und Co. nicht die einzigen Betroffenen: Leasing-Firmen fürchten E-Auto-Prämie

Doch für Händler und Leasinggeber wird die Prämie fürs E-Auto zunehmend zum Problem. Leasingunternehmen könnte der künstlich erzeugte Boom teuer zu stehen kommen. „Grundsätzlich muss man sagen, wenn es keine Veränderung gibt, was die Bepreisung angeht, dann wird das ganze System kollabieren“, warnt etwa Lukas Steinhilber, Gründer und Geschäftsführer der Leasing-Plattform Vehiculum, gegenüber dem Handelsblatt. Im Herbst 2020 habe das Berliner Start-up nach eigenen Angaben mehrere tausend Leasingverträge für Elektroautos zu teilweise „atemberaubend günstigen Konditionen“ vermittelt.

Zunächst scheint es so, als ob die staatliche Förderung der E-Autos den Leasing-Händlern und weniger den Konzernen wie der Daimler AG zugutekommt: Laut Handelsblatt entstünden durch die Prämie beim Einkauf Rabatte von teilweise über 60 Prozent im Vergleich zum Listenpreis. Für Vehiculum sei das eigentlich gut. Die günstigeren Preise hätten bei den E-Autos und Plug-in-Hybriden zu einer deutlich höheren Vermittlungsrate geführt. So habe der Anteil geleaster Autos im Elektro-Segment Anfang 2020 noch bei rund sieben Prozent gelegen und sei zum Jahresende auf über 90 Prozent gestiegen. Doch es gibt einen Haken: die Weitervermarktung künftiger Leasing-Rückläufer.

Händler kritisieren E-Auto-Prämie: „Ergibt überhaupt keinen Sinn“

Wenn die geleasten Elektrofahrzeuge irgendwann wieder zum Händler zurückkommen, berechnet dieser einen Restwertpreis. Das Problem: Dieser liegt wegen der E-Auto-Prämie oft nur knapp unter und teilweise sogar über dem faktischen Neupreis. „Aus mathematischer Sicht ergibt das überhaupt keinen Sinn“, sagt Vehiculum-Gründer Lukas Steinhilber dem Handelsblatt. Wenn Elektroautos mit 20.000 Kilometern auf dem Tacho ähnlich teuer seien wie ein Neuwagen, könne man diese nicht mehr vermarkten. Wie die Automobilwoche berichtet, greift unter den Händlern bereits die Angst um sich, künftig auf gebrauchten E-Autos sitzen zu bleiben.

„Wir verstehen die Notwendigkeit für die E-Auto-Prämie und es ist auch gut, dass wir voll auf elektrisch und hybrid gehen. Doch wenn sich nichts an den Nachlässen oder den kalkulierten Restwerten ändert, werden dort, wo Händler das finanzielle Risiko der Weitervermarktung tragen, in den kommenden Jahren einige von ihnen umkippen“, prophezeit Vehiculum-Chef Lukas Steinhilber im Handelsblatt.

Während die E-Auto-Prämie für die Händler also auch erhebliche Nachteile bringt, verspricht sie für Verbraucher einige Vorteile. So sind sowohl Neu- als auch Gebrauchtwagen im E-Segment häufig mit vergleichsweise günstigen Anschaffungskosten verbunden. Beispielsweise wird ein junger, gebrauchter Fourfour ED der Daimler-Tochter Smart schon zu Preisen im vierstelligen Bereich angeboten, obwohl die Neupreise bis zu 26.000 Euro betragen.

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