Lieferung von Batteriezellen

Daimlers E-Auto-Strategie ist bedroht - wegen „katastrophal“ schlechter Batterien

Eine Hand steckt das Ladekabel in den Anschluss eines E-Autos von Mercedes
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Daimler AG: Die große Offensive bei E-Autos ist bedroht - wegen Batterien aus China
  • Julian Baumann
    vonJulian Baumann
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Daimler setzt den Fokus auf E-Autos, lässt Batterien aber in China produzieren. Doch die Ergebnisse lassen zu wünschen übrig - und könnten die gesamte Strategie gefährden.

Stuttgart - Die heutige Daimler AG geht bis auf die Auto-Pioniere Gottlieb Daimler und Carl Benz zurück, die in der Landeshauptstadt Stuttgart den ersten Verbrennermotor entwickelten. Der weltbekannte Konzern wendet sich jedoch immer mehr von dieser Technologie ab und will den Verbrenner früher abschaffen als erwartet. Inzwischen wird in Stuttgart auf die Produktion von E-Autos gesetzt, was bereits einige Opfer bei den Mitarbeitern forderte. Erst kürzlich wurde eine Entscheidung über das älteste noch aktive Daimler-Werk in Berlin gefällt. Aus der Fabrik für Verbrennermotoren soll ein Digitalcampus für Software und E-Autos werden.

Die Daimler AG kündigte bereits im vergangenen Jahr drei neue E-Autos der Baureihe EQ für 2021 an. Der bereits veröffentlichte SUV EQA traf jedoch auf gemischte Resonanzen. Die Hoffnung des Konzerns ruht daher auf der mit Spannung erwarteten elektrischen S-Klasse EQS, die noch in diesem Jahr auf den Markt kommen soll. Das E-Autos soll zum Super-Konkurrenten für Tesla werden. Aufgrund eines womöglich fatalen Bündnisses mit einem chinesischen Zulieferer könnte nun die komplette E-Auto-Offensive bei Daimler auf dem Spiel stehen, wie das Manager Magazin berichtet.

Daimler AG: „Katastrophale“ Batteriezellen - Stuttgarter Konzern in Sorge

Die Daimler AG entwickelt zwar gerade eine völlig neue E-Auto-Batterie, mit der das Laden in sechs Minuten möglich sein soll, die meisten Batteriezellen kommen jedoch von Zulieferern aus China. Eine Studie entlarvte bereits im vergangenen Jahr die schlechten CO2-Bilanzen der Batterien. Durch die Kooperation mit dem chinesischen Zulieferer Farasis bahnen sich nun fatale Probleme an. Erst im Juli 2020 stiegen die Stuttgarter mit 400 Millionen Euro bei dem chinesischen Zulieferer ein, der zukünftig Batterien für die Daimler-E-Autos produzieren sollte. Im Austausch besitzt die Daimler AG nun rund drei Prozent des chinesischen Unternehmens, wie das Manager Magazin berichtet. Der schwäbische Autobauer bezeichnete den Deal im vergangenen Jahr als „Eckpfeiler“ bei der Batteriebeschaffung.

Mehrere Komplikationen bei Farasis könnten nun auch für die Daimler AG fatale Folgen haben. Geplant war, dass der chinesische Zulieferer etwa die Hälfte der benötigten Zellen für Mercedes-Modelle in Europa produzieren sollte. Ein Problem sei nun, dass Farasis noch keine Baugenehmigung für ihr geplantes Werk in Bitterfeld (Sachsen-Anhalt) habe, berichtet das Manager Magazin. Noch dramatischer seien jedoch die ersten gelieferten Zellmuster ausgefallen, die konzernintern als „katastrophal“ bezeichnet werden. Die Chinesen wollten ab dem Jahr 2022 in Bitterfeld Batterien für die Daimler AG bauen, das könnte sich nun um mehrere Jahre verzögern.

Daimler AG: Probleme bei Batterie-Zulieferer könnten gesamte E-Auto-Offensive gefährden

Michael Brecht, Betriebsratschef der Daimler AG, fordert seit Langem eine eigene Batteriefertigung des Stuttgarter Konzerns. Wie auch sein Vorgänger Dieter Zetsche, setzt Daimler-Chef Ola Källenius jedoch weiterhin größtenteils auf Zulieferer. Das kann nun durch die Probleme bei Farasis fatale Konsequenzen nach sich ziehen. Bei dem Stuttgarter Konzern sei bereits von „erheblichen Problemen“ die Rede und auch ein komplettes Scheitern der Kooperation könne nicht ausgeschlossen werden, berichtet das Manager Magazin.

Källenius will bis 2025 mehr als zehn neue elektrische Modelle auf den Markt bringen, darunter auch die elektrische S-Klasse EQS. Diese Absicht könnte nun stark gefährdet sein, der Start der nächsten EQ-Modelle für das Jahr 2021 seien jedoch nicht betroffen, heißt es aus dem Konzern.

Die Versorgung mit Batteriezellen für die Produktion von E-Autos ist in der weltweiten Autoindustrie ein anhaltendes Ärgernis. Auch die Mercedes-Modelle der Daimler AG waren bereits mehrfach von Engpässen bei der Lieferung betroffen. Die Kooperation mit Farasis wunderte deshalb auch viele Autoexperten. Das Unternehmen wurde im Jahr 2002 in Kalifornien gegründet und hat seinen Sitz inzwischen im chinesischen Guangzhou. Laut dem Manager Magazin liefert Farasis erst seit dem Jahr 2016 Auto-Zellen und hat aktuell einen weltweiten Marktanteil von nicht mal einem Prozent.

Obwohl der chinesische Zulieferer bereits Zellersatz angekündigt hatte, hofft Daimler-Boss Ola Källenius auf Ersatzlieferanten. So soll der größte chinesische Hersteller von Lithium-Ionen-Akkumulatoren, Contemporary Amperex Technology (CATL) einspringen. Doch selbst der Batterie-Gigant aus China könne die stetig wachsende Nachfrage nach Energiezellen für die Modelle der Daimler AG nicht decken, berichtet das Manager Magazin. Auch bei dem deutlich größeren Unternehmen zeigt sich ein ähnliches Problem wie bei Farasis. Der Bau eines geplanten Werkes in Erfurt (Thüringen), liegt ebenfalls weit hinter dem Zeitplan zurück.

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