Beginn der Produktion verschoben

Daimler in Bedrängnis: Produktion von Batterien in Deutschland verzögert sich um Jahre

Ein EQC der Daimler AG mit geöffneter Motorhaube am Standort in Bremen.
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Die Daimler AG setzt bei den Batteriezellen für seine E-Autos auf chinesische Hersteller.
  • Franziska Vystrcil
    VonFranziska Vystrcil
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Der chinesische Batteriespezialist und Daimler-Partner Farasis Energy wollte mit einer Produktion in Sachsen-Anhalt durchstarten. Nun steht das gesamte Projekt auf der Kippe.

Stuttgart - In Sachen E-Mobilität setzt die Daimler AG auf neue Technologie. Bei der Abschaffung des Verbrennermotors hat sich Daimler ein großes Ziel gesetzt: Bis Ende des Jahrzehnts will Konzern-Chef Ola Källenius mit elektrisch betriebenen Autos ebenso viel Geld verdienen wie mit Dieselautos und Benzinern. Wie das Handelsblatt berichtet, stehen allerdings die Zulieferer der Batteriezellen vor einem großen Problem.

Für die E-Autos der Daimler-Tochter Mercedes Benz bezieht der Konzern die Batteriezellen von mehreren Lieferanten aus Asien, wie etwa vom südkoreanischen Konzern LG Chem und SK Innovation. Eine weitaus innigere Geschäftsbeziehung führt der Autohersteller allerdings mit dem Marktführer CATL und dem vergleichsweise kleinen Anbieter Farasis Energy.

Beide Unternehmen bauen aktuell weitere Fertigungsstätten, um den wachsenden Bedarf nach Lithium-Ionen-Zellen bedienen zu können. CATL errichtet aktuell am Erfurter Kreuz eine riesige Fabrik, die nach aktuellem Stand Mitte 2022 in Betrieb gehen soll.

Währenddessen hat Farasis Energy beim Fabrikbau in Bitterfeld-Wolfen mit gravierenden Problemen zu kämpfen. Die Baustelle ist in Verzug: Die erste Bauphase hätte schon abgeschlossen sein sollen, wie das Handelsblatt aus Branchenkreisen erfahren haben soll. Doch der Start der Produktion in Bitterfeld soll sich um voraussichtlich zweieinhalb Jahre verschieben. Statt April 2022 sollen erst im Oktober 2024 Batteriezellen vom Band laufen.

Farasis Energy hat bereits einige Gebäude und fast 100 Hektar Fläche in Bitterfeld erworben. Dass für den Fabrikbau noch Bauanträge und umweltrechtliche Genehmigungen fehlen, ist für den Konzern zweitrangig. Das Unternehmen konzentriert sich aktuell verstärkt auf seine Produktionen in China.

Das bestätigt auch Sebastian Wolf, Regional President Europe bei Farasis, dem Handelsblatt.  „Wir haben uns entschieden, den Hochlauf der Produktion in unserem Leitwerk in Zhenjiang zu priorisieren“, sagt er. „In diesem Zusammenhang passen wir die Terminplanung für die Lokalisierung in Europa an.“

Das Unternehmen stellt seine chinesische Produktion momentan von einer Vorserien- zu einer Serienlieferung für seine aktuelle Zellgeneration um. Manager Sebastian Wolf will sich vorerst vor allem darauf konzentrieren. „Der Hochlauf einer Massenfertigung bindet Kapital und Managementkapazitäten. Das ist eine komplexe Optimierungsaufgabe“, sagt er gegenüber dem Handelsblatt. Sobald sich die Produktion in China stabilisiert habe, wolle man ein funktionsfähiges Fertigungskonzept in Europa anwenden.

Batteriezellen für Daimler kommen vorerst weiter aus China

Für Daimler bedeutet das, dass die Batteriezellen zumindest bis 2024 weiter aus China kommen. Ob danach sämtliche Batteriezellen für Daimler aus Bitterfeld geliefert werden, lässt Sebastian Wolf noch offen. „Gleichzeitig bewerten wir gerade verschiedene Optionen für Standorte, an denen wir Zellen in Europa produzieren können“, so Wolf. Schon 2020 hatte Daimler jedoch angekündigt, eine stärkere Kooperation mit Unternehmen aus China anzustreben.

Das wäre für die Region Bitterfeld-Wolfen ein herber Schlag. 2019 hatte Farasis Energy noch angekündigt, in Bitterfeld ein Werk für Batt.eriezellen mit einer jährlichen Kapazität von etwa zehn Gigawattstunden zu errichten. Das Unternehmen versprach zudem, bis zu 2000 Arbeitsplätze zu schaffen.

Eine Garantie, dass die Produktionsstätte tatsächlich jemals errichtet wird, gibt es derzeit nicht. Farasis hat aber zugesichert, in Europa zwei Entwicklungszentren und zwei Produktionsstätten errichten zu wollen. Ein Standort steht bereits fest: In der Türkei will Farasis Energy Ende 2022 mit dem Bau von Batteriemodulen und -packs beginnen.

Kooperation mit China: Daimler AG begeht „historischen Fehler“

Daimler steht mit seinem Vorgehen zunehmend in der Kritik. Sahin Albayrak, Professor an der TU Berlin, verurteilt die Kooperationen mit chinesischen Unternehmen. „Es ist ein historischer Fehler, dass Daimler die Batterieproduktion aus der Hand gibt. Wie kann man das absolute Differenzierungsmerkmal seiner Fahrzeuge in fremde Hände geben?“, so Sahin Albayrak zu Business Insider.

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