Halbleiter-Krise

Daimler, BMW & Co: Millionen Autos werden nicht gebaut, Zehntausende Mitarbeiter in Kurzarbeit

Mehrere unfertige Modelle des Mercedes EQS stehen auf dem Band im Daimler-Werk.
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Daimler: Die Produktion bei Mercedes und anderen Autobauern ist durch den Chipmangel massiv beeinträchtigt.
  • Berkan Cakir
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Neben der Daimler AG schicken auch BMW und VW ihre Beschäftigten wegen der Chipkrise in Kurzarbeit. Mindestens vier Millionen Autos werden in diesem Jahr deshalb nicht gebaut werden.

Stuttgart - Die Chipkrise zwingt die deutsche Autoindustrie erneut dazu, die Produktion in den Werken teilweise zu unterbrechen. Die Daimler AG ist an drei Standorten davon betroffen: in Sindelfingen, Bremen und Rastatt. Die Unterbrechungen sollen in Sindelfingen und Bremen bis Ende dieser Woche dauern, in Rastatt bis Ende kommender Woche. Darüber hinaus befindet sich auch das ungarische Werk in Kecskemet in einem Produktionsstopp - laut Angaben des Unternehmens für insgesamt drei Wochen bis Mitte August.

Genauere Angaben machte der Konzern aus der Landeshauptstadt Stuttgart zu den Zahlen allerdings nicht. Berichten zufolge sollen derzeit in Bremen 1.000 Daimler-Mitarbeiter von Kurzarbeit betroffen sein. Im Sindelfingen Daimler-Werk steht mit der Hightech-Fabrik Factory 56 nur ein Teilbereich der Produktion still.

Daimler AG ist auf Chip-Lieferungen aus dem Ausland angewiesen

Wie Handelsblatt berichtet, stehen die Bänder auch bei anderen deutschen Autoherstellen still. Im Regensburger Werk von BMW dauert die Kurzarbeit vorerst zwei Wochen. Bei Volkswagen wurde die Produktion zuletzt im Zwickauer Werk mit rund 8.000 Mitarbeitern unterbrochen. Im ersten Quartal 2021 konnte der Wolfsburger Konzern wegen der Halbleiter-Krise 100.000 Autos nicht produzieren, was einem Umsatzverlust von 2,5 Milliarden Euro entspricht.

Aufgrund der Nachschubprobleme von Elektronikchips werden Autohersteller seit Monaten gezwungen, die Produktion immer wieder zu stoppen. Die Autoindustrie ist auf internationale Lieferketten angewiesen. Vor allem in China und auch in den USA werden die für die Produktion nötigen Halbleiter produziert.

Daimler AG rechnet damit, dass die Kurzarbeitsphase bis 2022 dauert

Seit sich viele Lebensbereiche in der Corona-Krise schneller digitalisieren, ist die Nachfrage nach Chips allerdings extrem gestiegen. Um unabhängiger von ausländischen Firmen zu werden und Daimler, Porsche und Co. schneller zu beliefern, plant die EU eine Megafabrik.

Ein Ende der Chipkrise ist derzeit nicht in Sicht. Daimler-Mitarbeiter erhielten bereits die Botschaft, dass die Kurzarbeitsphase voraussichtlich bis 2022 dauern wird. Die Beratungsgesellschaft Boston Consulting Group rechnet damit, dass alle Autohersteller weltweit in diesem Jahr wegen des Chipmangels vier und sechs Millionen Fahrzeuge weniger produzieren werden können als vorgesehen, schreibt das Handelsblatt.

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