E-Mobilität in Deutschland

„Riesige Tragödie“: Bill Gates richtet scharfe Worte an Daimler und Co.

Die kommende elektrische S-Klasse EQS bei der Wintererprobung. Oben rechts in einer Bubble: Microsoft-Gründer Bill Gates.
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In Bezug auf die E-Mobilität sprach Bill Gates eine dringliche Warnung an Daimler und Co. aus.
  • Julian Baumann
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Das E-Auto gilt als die Zukunft. Auch die Daimler AG setzt ihren Fokus verstärkt auf die Technologie - Microsoft-Gründer Bill Gates richtete nun deutliche Worte an die deutschen Autobauer.

Stuttgart - In der weltweiten Automobilindustrie ist in der letzten Zeit ein großer Umschwung zu bemerken. Die großen Autobauer wenden sich immer mehr von der Verbrenner-Technologie ab und setzen auf die E-Mobilität. Der E-Pionier Tesla aus den USA ist inzwischen sogar mit großem Abstand der wertvollste Autobauer der Welt und produziert ausschließlich E-Autos. Die deutschen Hersteller müssen ihre Produktion allerdings zunächst entsprechend umstellen.

Dieser Wandel ist auch in der Landeshauptstadt Stuttgart deutlich zu bemerken. Die Daimler AG kündigte für das laufende Jahr bereits drei neue E-Auto-Modelle der elektrischen Reihe EQ an. Der bereits vorgestellte SUV EQA polarisierte allerdings. Die Porsche AG feiert dagegen mit ihrem ersten vollelektrischen Sportwagen große Erfolge. Der Taycan ist das meistverkaufte Porsche-Modell in Europa.

Mit dem Fokus auf die E-Mobilität verfolgen Autobauer wie die Daimler AG und Co. nicht nur neue Ansätze bei der Fahrzeugentwicklung, sondern wollen damit auch den hohen Schadstoffausstoß der Autos verringern. Microsoft-Gründer und Milliardär Bill Gates thematisiert die E-Auto-Entwicklung seit Langem auf seinem Blog. Er forderte nun einen kräftigen Innovations- und Investitionsschub und spricht eine Warnung an die deutschen Autokonzerne aus, wie das Handelsblatt berichtet.

Daimler AG und Co.: Laut Bill Gates ist Verbreitung der E-Autos deutlich zu langsam

Laut Bill Gates liegt es aktuell nicht zuletzt an den großen Autoherstellern wie der Daimler AG, eine drohende Klimakatastrophe zu verhindern. Er selbst kündigte an, in den kommenden fünf Jahren zwei Milliarden US-Dollar in Startups und andere Projekte gegen den Klimawandel investieren zu wollen, wie er gegenüber dem Handelsblatt erklärte. Um eine große Katastrophe zu verhindern, müssten die CO2-Emissionen nicht nur reduziert, sondern bis zum Jahr 2050 auf null gesenkt werden, sagte Gates. „Wir müssen die physikalische Wirtschaft in einem Tempo verändern wie noch nie in der Geschichte zuvor.“

Die großen deutschen Autobauer - Daimler AG, BMW und Volkswagen - gelten zwar als Vorreiter des Automobilbaus, hinken bei der E-Mobilität aktuell jedoch noch deutlich hinterher. Microsoft-Gründer Bill Gates würdigt einerseits zwar die „Ingenieurskunst in Deutschland, das wahrscheinlich mehr als jedes andere Land für die Autobranche getan hat“, zeigt sich mit dem Voranschreiten der E-Auto-Produktion allerdings unzufrieden. Die Verbreitung der E-Autos sei mit Ausnahme von Norwegen in Europa deutlich zu langsam.

Im Handelsblatt spricht Bill Gates gerade gegenüber deutschen Herstellern wie der Daimler AG und BMW eine dringliche Warnung aus. „Wenn Deutschland sich nicht bei elektrischen Autos durchsetzen kann, wäre das eine riesige Tragödie“, sagte der ehemalige Microsoft-Chef. Als positives Signal sehe er jedoch, dass die Batterieherstellung in Deutschland „mit hohem Tempo angegangen wird“. Auch Daimler entwickelt eine völlig neue E-Auto-Batterie. Damit soll in der Zukunft der Ladevorgang auf bis zu sechs Minuten verkürzt werden.

Daimler AG und deutsche Autoindustrie: Wasserstoff laut Bill Gates noch immer Schlüsseltechnologie

Die Daimler AG aus Stuttgart galt in der Vergangenheit als Pionier im Bereich des Wasserstoffantriebs, vernachlässigte diese Technologie zugunsten der E-Mobilität jedoch immer mehr. Inzwischen arbeitet die Daimler AG allerdings wieder an der längst vergessenen Alternative zum E-Auto, die auch für Bill Gates eine Schlüsseltechnologie darstellt.

Der Stuttgarter Autobauer will demnach bei der Lkw-Sparte, die in Zukunft als eigenständiges Unternehmen fungieren soll, auf eine Doppelstrategie aus E-Mobilität und Wasserstoff setzen. Laut dem Microsoft-Gründer könne durch grünen Wasserstoff die CO2-Emissionen bei der Zement- oder Stahlproduktion verringert werden.

Im Rahmen der Vorstellung seines neuen Buches „Wie wir die Klimakatastrophe verhindern“, gab Bill Gates laut dem Handelsblatt zu, sich der Dringlichkeit der aktuellen Situation erst spät bewusst geworden zu sein. Das solle sich nun jedoch ändern. Laut dem Multimilliardär ließen sich die Schäden durch den Klimawandel mit denen der Corona-Pandemie vergleichen. Bereits in zehn bis zwanzig Jahren könnten die Einbußen durch Klimaschäden so groß sein, „als hätten wir alle zehn Jahre eine Pandemie“, heißt es in dem Buch. Deshalb sei gerade auch der Wandel in der deutschen Autoindustrie und bei den großen Konzernen wie der Daimler AG „superstrategisch für das Land“.

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