Ende der Auslagerungspolitik

Daimler-Betriebsratschef stellt drastische Forderung, um tausende Jobs zu retten

Das Logo der Daimler AG steht auf einem Werksdach.
+
Der Daimler-Betriebsrat will den Konzernvorstand dazu bewegen, wieder mehr Komponenten selbst anzufertigen, anstatt die Produktion auszulagern.
  • David Frey
    VonDavid Frey
    schließen

Die ehemalige Daimler AG lagerte die Fertigung von Komponenten immer mehr an externe Firmen aus. Der Betriebsrat fordert ein Ende dieser Politik - um reihenweise Jobs zu sichern.

Sindelfingen - Die Daimler AG, der Konzern, den es in seiner ursprünglichen Form nicht mehr gibt, hat in der Vergangenheit auch unter den Einflüssen der Corona-Pandemie in Baden-Württemberg verschiedene Wege eingeschlagen, um auch in Zukunft wirtschaftlich zu bleiben.

Einer der Hebel, die umgelegt wurden, bedroht Werke in Deutschland: Daimler-Chef Källenius ließ billigere Produktion im Ausland prüfen. Der neu gewählte Daimler-Gesamtbetriebsratschef Ergun Lümali will den Konzernvorstand dazu bewegen, diese Auslagerungspolitik zu beenden und wieder mehr Teile selbst produzieren zu lassen.

Daimler-Betriebsrat fordert Umdenken von Vorstand, damit kein Mitarbeiter „unter die Räder kommt“

„Wir wollen nicht nur die Aufbauwerke, sondern auch unsere Powertrain-Standorte wie Untertürkheim, Berlin und Hamburg stärken – die Kompetenz und die Fertigungstiefe für die Elektromobilität sollen nicht nur über Zulieferer, sondern eher bei uns in den Werken erzeugt werden“, sagte Lümali den Stuttgarter Nachrichten (StN). Seiner Ansicht nach sei die Transformation hin zur rein elektrischen Zukunft für diese Standorte sehr schwer derart zu bewältigen, „dass niemand von den Beschäftigten unter die Räder kommt“.

Um den Vorstand der Daimler AG, die nach der bereits erfolgten Abspaltung der Lkw-Sparte im Februar 2022 in die Mercedes-Benz Group AG umbenannt wird, zum Umdenken bewegen zu können, werde der Betriebsrat „dicke Bretter bohren müssen“, ist sich Lümali im Gespräch mit den StN bewusst. Dennoch sei bereits zu erkennen, dass die Sicht auf Fremdvergaben „nicht mehr so hart versiegelt bleibt“.

Daimler und Mercedes-Benz wirtschaftlich stabil: Rekordprämie für Mitarbeiter

Dass es um den Automobilriesen aus Stuttgart derzeit nicht allzu schlecht bestellt ist, wurde erst vor wenigen Tagen sichtbar, als Daimler und Mercedes-Benz ankündigten, dass den Mitarbeitern der bislang höchste Bonus aller Zeiten ausgezahlt wird. Die Rekordergebnisbeteiligung beläuft sich auf bis zu 6.000 Euro.

Außerdem floriert das China-Geschäft. Inzwischen wurde bekannt, dass der Einfluss der Chinesen an Daimler noch deutlich größer ist, als bisher angenommen. Die beiden Großinvestoren Geely und BAIC halten bereits seit zwei Jahren knapp 20 Prozent an der ehemaligen Daimler AG. Bei den Mitarbeitern schürte das die Angst, dass Daimler womöglich einmal ein chinesisches Unternehmen werden könnte. Gegen diese Vorstellung wehrt sich der Konzernvorstand jedoch vehement und betont, dass er jeglicher Grundlage entbehre und es nie so weit kommen werde.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare