Daimler-Mitarbeiter in Sorge

Daimler-Mitarbeiter in Angst: Drastische Änderungen drohen - „sehr belastend“

Ein Mitarbeiter sitzt im Daimler-Werk in Rastatt nachdenklich vor dem Band
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Viele Daimler-Mitarbeiter fürchten sich, ihre ausgeübte Tätigkeit zu verlieren.
  • Berkan Cakir
    VonBerkan Cakir
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Während die Daimler AG mehr E-Autos produziert, schafft sie Tausende Arbeitsplätze ab - darunter auch in Untertürkheim. Betriebsratschef Michael Häberle äußert die Sorgen der Mitarbeiter.

Stuttgart - Die Daimler AG will mehr und mehr E-Autos produzieren. Dieses Ziel verschärfte der Stuttgarter Konzern zuletzt noch einmal: Bereits von 2025 an sollen nur noch elektrische Autos hergestellt werden. Damit besiegelt Daimler das endgültige Ende des Verbrenners, was auch für den traditionsreichen Hauptproduktionsstandort in Untertürkheim erhebliche Folgen hat.

Das Stammwerk in Stuttgart baut Daimler derzeit zu einem E-Campus um. Mit der Transformationen zur Produktion von E-Autos fallen allerdings zahlreiche Arbeitsplätze weg. Rund 18.000 Mitarbeiter sind derzeit in dem Werk tätig. Mit Abfindungsprogrammen, bei denen Daimler den Mitarbeitern bis zu 400.000 Euro zahlt, sollen in den kommenden Jahren immer mehr Mitarbeiter den Konzern verlassen. 4.000 Stellen werden Berichten zufolge allein am Stuttgarter Standort unterm Strich wegfallen.

Daimler AG: Mitarbeiter fürchten sich vor dem Verlust ihrer Tätigkeit

Mitarbeiter sind angesichts der Entwicklungen beunruhigt. Das betont auch Daimler-Betriebsratschef des Untertürkheimer Werks, Michael Häberle. „In der heutigen Zeit spielt Angst um den Arbeitsplatz überall eine Rolle, nicht nur in der Automobilindustrie“, sagt er zur Stuttgarter Zeitung. Durch die Zukunftssicherung bis 2029, mit der das Unternehmen eine klare Verantwortung für die Belegschaft übernommen habe, überwiege allerdings weniger die Sorge um den Job, „dafür aber die Angst vor dem Verlust der aktuell ausgeübten Tätigkeit“, so Häberle.

„Durch die Beschleunigung wird in Zukunft noch mehr Flexibilität von den Kolleginnen und Kollegen eingefordert werden, die Tätigkeit oder den Arbeitsbereich zu wechseln“, so der Betriebsratschef. Die daraus resultierende Verunsicherung komme von einem Mangel an Klarheit. „Die Ungewissheit darüber, in welchem Thema man in Zukunft tätig sein wird, ist sehr belastend, und es sollte im Interesse des Unternehmens sein, hier für mehr Sicherheit zu sorgen“, fordert Michael Häberle. Qualifizierungen und Weiterbildungen seien wichtige Mittel, um die Mitarbeiter auf die Zukunft vorzubereiten.

Eine Studie der Denkfabrik Agora Verkehrswende kommt zu ähnlichen Schlüssen. Laut der Auto-Studie sollen Zehntausende Jobs bei Daimler, VW und Co. wegfallen. Allerdings würden durch Verschiebungen auf dem Arbeitsmarkt auch neue Arbeitsplätze entstehen. Deshalb werde es für Angestellte in der Automobilindustrie einen hohen Bedarf an Weiterbildungen und Umschulungen geben.

Daimler AG: Betriebsratschef sieht noch Handlungsbedarf bei Qualifizierungen

Michael Häberle sieht den Konzern in dieser Sache aber noch hinterherhinken. Eine Qualifizierung sei notwendig, um Beschäftigte auf die elektrische Zukunft vorzubereiten. In Untertürkheim würde eine Qualifizierung zu bestimmten Themen zwar stattfinden - „allerdings längst noch nicht in dem Umfang, wie es notwendig und wünschenswert wäre. Hier sehen wir noch jede Menge Handlungsbedarf, besonders mit Blick auf die beschleunigte Strategie“, so Häberle.

Es gebe sehr viele Menschen an Bord, die gerne bei Daimler arbeiten würden und für die eine Abfindung nicht infrage käme. „Ich erwarte von unserem Management, diese Tatsache endlich zu akzeptieren und entsprechend zu agieren, indem es Perspektiven für diese Menschen im Betrieb schafft“, so der Betriebsratschef.

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