Deal bis Ende 2021

Daimler verkauft ganzes Werk an chinesischen Autobauer - Mitarbeiter nicht übernommen

Mehrere unfertige Modelle des Mercedes EQS stehen auf dem Band im Daimler-Werk.
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 Im Daimler-Werk wurde seit 2016 die C-Klasse produziert. (Symbolfoto)
  • Franziska Vystrcil
    VonFranziska Vystrcil
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Die Daimler AG hat in Brasilien ein ganzes Werk an „Great Wall Motor Co Ltd“ verkauft. Mit dem Erwerb will der chinesische Autobauer sein internationales Netzwerk erweitern.

Stuttgart/Iracemápolis - Die Daimler AG hat sich von einem weiteren Werk getrennt: Der chinesische Autobauer „Great Wall Motor Co Ltd“ hat am 18. August die Unterlagen für den Kauf unterzeichnet. Damit geht das brasilianische Werk Iracemápolis in den Besitz des chinesischen Unternehmens über. Wie hoch die Kaufsumme war, ist nicht bekannt.

Daimler hatte das Werk in Iracemápolis im Bundesstaat São Paulo Anfang 2016 gebaut. In dem brasilianischen Werk wurde seither die Mercedes C-Klasse gebaut. Bereits im Dezember 2020 hatte Daimler angekündigt, die Autoproduktion in Brasilien zurückzufahren und das Werk in Iracemápolis zu schließen.

Als Grund nannte der Konzern mit Sitz in der Landeshauptstadt Stuttgart die Auswirkungen der Coronapandemie. Die sinkenden Verkaufszahlen von Luxusautos während der Pandemie hätten die Aufrechterhaltung des Werks untragbar gemacht, so der Autobauer. Hinzu kommt die Halbleiter-Krise, unter welcher der Daimler-Konzern sowie andere Autobauer nun schon seit geraumer Zeit leiden. Millionen Autos werden nicht gebaut und zehntausende Mitarbeiter befinden sich immer wieder in Kurzarbeit.

Daimler: Chinesischer Investor kauft ganzes Daimler-Werk - Personal wird nicht übernommen

Ein weiterer Grund für die Schließung: Der Daimler-Werksstandort in Iracemápolis war damals eröffnet worden, weil die brasilianische Industriepolitik mehrere Automobilhersteller dazu zwang. Wenn sie große Mengen auf dem lokalen Markt verkaufen wollten, war die Bedingung, dass sie Werke in Brasilien eröffnen mussten. Dies führte zu Überkapazitäten aufgrund der Nachfrage, die sich nur langsam von der tiefen Rezession erholte, berichtet latina-press.com.

Das Ziel des chinesischen Autobauers: „Great Wall Motor“ will mit der Werksübernahme seine Präsenz in Südamerika ausbauen und stärken. Einen Schritt hierfür ging der Konzern bereits 2007, als er in Chile ins Autogeschäft auf dem Kontinent einstieg. In den ersten sieben Monaten des Jahres 2021 ist der internationale Umsatz von „Great Wall Motor“ im Vergleich zum Vorjahr um 176,2 Prozent gewachsen. 2025 will der Konzern weltweit vier Millionen Fahrzeuge im Jahr verkaufen.

Daimler: Chinesischer Autobauer „Great Wall Motor“ hat große Pläne für das gekaufte Werk

Das verkaufte Werk und sein Gelände umfassen 1,2 Millionen Quadratmeter. Nach der Übergabe des Werks plant „Great Wall Motor“ fortschrittliche Konzepte im Bereich Produktionsmanagement, Qualitätskontrolle, Umweltschutz und Informationsmanagement einzuführen und das Werk zu einer intelligenten Produktionsbasis auszubauen.

Sowohl den brasilianischen Markt als auch andere südamerikanische Länder will „Great Wall Motor“ von Iracemápolis aus mit Fahrzeugen beliefern, berichtet die Automobilwoche.

Das Werk werde eine jährliche Produktionskapazität von etwa 100.000 Fahrzeugen haben, teilte „Great Wall Motor“ in einer Erklärung mit. Der Deal zwischen dem chinesischen Autobauer und der Daimler-AG soll bis Ende 2021 abgeschlossen sein. Das Personal werde nicht übernommen, aber es sollen etwa 2.000 Arbeitsplätze im Werk entstehen.

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