Truck-Sparte soll an die Börse

Daimler verschwindet aus Stuttgart: Konzernaufspaltung hat drastische Folgen für Mitarbeiter

Mercedes-Stern auf dem Bahnhofsturm in Stuttgart
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Der Name Daimler ist eng mit Stuttgart verbunden - hier der Mercedes-Stern am Hauptbahnhof
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    vonJulian Baumann
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    Carolin Freytag
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Die Daimler AG überraschte mit einer folgenschweren Ankündigung: Der Konzern will sein Geschäft in zwei Unternehmen aufspalten - der Name „Daimler“ verlässt Stuttgart.

Stuttgart - Die angekündigte Spaltung der Daimler AG in zwei Unternehmen sorgt bundesweit noch immer für Schlagzeilen. Der große Autobauer aus Stuttgart will zukünftig unter dem Namen Mercedes-Benz AG Autos und Vans produzieren, die Lkw-und Bus-Sparte soll dagegen als Daimler Truck AG ebenfalls an die Börse gehen. Letztgenanntes Unternehmen verlegt seinen Sitz von Untertürkheim nach Leinfelden-Echterdingen (Kreis Esslingen). Die Trennung des Konzerns bedeutet auch für die Mitarbeiter eine große Änderung. Einige machen sich Sorgen um ihre Zukunft bei dem schwäbischen Autohersteller.

In einem Interview mit den Badischen Neueste Nachrichten sprach Michael Brecht, der Betriebsratschef der Daimler AG, über die Folgen der Spaltung für die Mitarbeiter. Laut seiner Aussage werde aktuell intern darüber verhandelt, wie die zahlreichen Standorte weltweit zukünftig aufgestellt sein werden. Dass die verkleinerte Mercedes-Benz AG oder auch die Daimler Truck AG auf dem Kapitalmarkt geschluckt werden könnte, sieht Brecht nicht. „Die Ängste unserer Mitarbeiter, dass die Firma auf dem Kapitalmarkt geschluckt wird, sind unbegründet“, sagte der Betriebsratschef. „Wir bleiben ein Gemeinschaftsbetrieb, Benzler bleibt Benzler.“

Die Nachricht der Aufspaltung der Daimler AG löste ein deutschlandweites Medienecho aus. Der weltbekannte Autobauer aus der Landeshauptstadt Stuttgart soll zukünftig in zwei Unternehmen gespalten werden, die unabhängig an die Börse gehen sollen. Bereits nach der Hammer-Nachricht wurde eine Diskussion über den Konzern-Namen erwartet. Die Pkw- und Van-Sparte soll künftig unter dem Namen Mercedes-Benz AG fungieren. Damit wird der Name von Mitbegründer Carl Benz wieder in den Fokus gerückt während der Name von Gottlieb Daimler scheinbar aus dem Firmennamen verschwindet.

Unter den Mitarbeitern der Daimler AG herrschen geteilte Meinungen. Viele sorgen sich um ihre Jobs, die Namensänderung spielt jedoch eine untergeordnete Rolle. Einige Mitarbeiter befürchten dagegen, dass das neue Unternehmen auf dem Kapitalmarkt geschluckt werden könnte. Dazu kommt nun: Laut einer Ankündigung soll nach der Spaltung zukünftig kein eigenständiges Unternehmen mit dem Namen Daimler mehr in Stuttgart ansässig sein, wie die Stuttgarter Nachrichten berichten. Die Daimler Truck AG soll demnach ihren Hauptsitz vom Stuttgarter Stadtteil Untertürkheim ins nahe Leinfelden-Echterdingen (Kreis Esslingen) verlegen. Das andere Unternehmen, künftig die Mercedes-Benz AG behält dagegen den Hauptsitz an der derzeitigen Konzernzentrale der Daimler AG in Stuttgart.

Die Daimler AG hatte im vergangenen Jahr gleich an mehreren Fronten zu kämpfen. Durch die Corona-Pandemie und die Umstrukturierung auf die E-Mobilität baute der Konzern aus Stuttgart Tausende Stellen ab. Laut den kürzlich vorgelegten Zahlen erreichte der Autohersteller im Jahr 2020 allerdings einen Milliardengewinn. Im noch jungen Jahr 2021 veröffentlichte das weltbekannte Unternehmen erst vor wenigen Tagen eine Hammer-Nachricht. Der Konzern soll in zwei Unternehmen aufgespalten werden, wovon eines an die Börse gehen soll. Die Daimler AG soll daneben auch einen neuen Namen erhalten.

Die Daimler AG prägt das Stadtbild Stuttgarts wie kein anderes Unternehmen ist jedoch auch weltweit mit vielen Standorten vertreten. Dementsprechend groß war das mediale Echo auf die angekündigte Spaltung des Automobil-Pioniers aus der Landeshauptstadt. Während eine Spaltung des großen deutschen Autobauers Einfluss auf die komplette Auto-Branche haben dürfte, sind auch die Mitarbeiter davon betroffen. Die Angestellten verschiedener Daimler-Werke und der Betriebsrat des Mercedes-Herstellers bezogen Stellung zu der Nachricht.

Daimler AG: Nach Hammer-Nachricht über Konzern-Spaltung - das sagen Gewerkschaft und Betriebsrat

Die Daimler AG will die Truck und Bus Sparte abspalten. Sie soll als Daimler Truck AG an die Börse kommen. Die Produktion von Pkw soll zukünftig dagegen unter dem Namen Mercedes-Benz AG stattfinden, der Name stand bislang für das gleichnamige Tochter-Unternehmen des Konzerns. Die Gewerkschaft IG Metall begrüßt die Pläne. „Es kann so zusätzlich investiert werden, um Unternehmen und Arbeitsplätze zukunftsfähig zu machen“, sagte Roman Zitzelsberger, IG-Metall-Bezirksleiter in Baden-Württemberg, der Stuttgarter Zeitung am Freitag. Bis der Konzern offiziell gespalten werden könne, seien jedoch noch einige Fragen zu klären.

Auch der Betriebsrat der Daimler AG hält die Aufspaltung des Konzerns in zwei Unternehmen für den richtigen Weg. Einige Mitarbeiter hatten zuvor die Angst geäußert, dass der Konzern ohne den weltbekannten Namen auf dem Kapitalmarkt untergehen könnte. „Die Ängste unserer Mitarbeiter, dass die Firma auf dem Kapitalmarkt geschluckt wird, sind unbegründet“, entgegnete Michael Brecht, Chef des Daimler-Gesamtbetriebsrats.

Daimler AG: Das sagen die Mitarbeiter der Konzernzentrale in Stuttgart zu der geplanten Spaltung

Durch eine Aufspaltung der bisherigen Daimler AG in zwei unabhängige Unternehmen könnte sich für die Mitarbeiter bald einiges ändern. Bislang sei der große Aufschrei in Stuttgart und der Umgebung allerdings ausgeblieben, berichten die Stuttgarter Nachrichten. Die Tilgung des Namens von Autopionier Gottlieb Daimler aus dem Konzernnamen könnte allerdings zu einigen Diskussionen führen. Die Daimler AG hat schon einige Namensänderungen hinter sich und geht auf das Unternehmen Benz & Cie zurück, das bereits im Jahr 1883 gegründet wurde. Zwischenzeitlich hieß der Stuttgarter Konzern dann auch Daimler-Benz AG und Daimler-Chrysler AG, bevor im Jahr 2007 der heutige Name gewählt wurde.

Nun soll der Name Daimler also wieder aus der Autosparte der Daimler AG verschwinden und stattdessen der Name von Mitbegründer Carl Benz wieder prominent werden. An der Konzernzentrale in Untertürkheim führte das jedoch nicht zu einem Aufschrei. Auf die Namensänderung angesprochen reagieren die Mitarbeiter eher mit Schulterzucken, wie die Stuttgarter Nachrichten berichten. „Der Name macht mir schon lange nichts mehr aus. Ich habe damals schon für Daimler-Chrysler gearbeitet und künftig heißt es halt anders“, sagt ein Angestellter, der erst in der Nachtschicht von den Plänen erfahren hat. „Es gibt rechtlich doch ohnehin bereits mehrere getrennte Firmen, viel mehr aufspalten kann man da eh nicht mehr. Der Name spielt da eine untergeordnete Rolle“, pflichtet ihm ein anderer Mitarbeiter bei.

Daimler AG: Im Rathaus Bad-Cannstatt sieht man die Spaltung gelassen - „Hauptsache, der Karren taugt“

Die Ursprünge der Daimler AG liegen im heutigen Stuttgarter Stadtteil Bad-Cannstatt, das damals unter dem Namen Cannstatt noch eine eigene Stadt war. Im Bezirksrathaus des größten Stadtteils der Landeshauptstadt sieht man die bevorstehende Spaltung des wichtigen Konzerns jedoch ebenfalls gelassen. „Ich verstehe eventuelle Befindlichkeiten in dieser Frage nur am Rande“, sagte Bernd-Marcel Löffler, Bezirksvorsteher von Bad-Cannstatt. „Dieser Konzern ist wohl der weltweit einzige, der unter drei verschiedenen Namen und dann noch in unterschiedlichen Kombinationen jeweils eine Weltbedeutung hat: als Daimler, Benz, Mercedes, Daimler-Benz, Mercedes-Benz.“

Gerade in Zeiten von massivem Stellenabbau bei der Daimler AG sorgt die Nachricht einer Spaltung für Angst unter den Mitarbeitern. Wie der weltbekannte Konzern dann letztendlich heißt, ist dabei jedoch nebensächlich. Früher habe man in Bad-Cannstatt und Untertürkheim halt „beim Daimler“ gearbeitet und im Badischen „beim Benz“, erklärt Bernd-Marcel Löffler laut den Stuttgarter Nachrichten. Das sei zum Teil auch heute noch so. „Wie der große Automobilbauer aktuell heißt, ist für mich nicht emotional belegt – dagegen sind es der Standort und das Wissen um die Qualität des Produkts“, sagt der Bezirksvorsteher und fügt auf schwäbisch hinzu: „Hauptsach isch, dass mr beim Daimler schaffa ka ond der Karra was taugt!“

Daimler AG-Spaltung betrifft nicht nur Stuttgarter Mitarbeiter, das sagen die Angestellten in Gaggenau

Die angekündigte Spaltung der Daimler AG betrifft nicht nur die Mitarbeiter in der Konzernzentrale in Stuttgart, sondern die Angestellten in den zahlreichen Werken des Autoherstellers. Bei den Angestellten des Daimler-Werks in Gaggenau (Kreis Rastatt) fallen die Reaktion gemischt aus. „Insgesamt kann die Trennung positiv für alle sein. Für mich geht sie auf jeden Fall in Ordnung“, sagte ein Mitarbeiter des Werkes gegenüber den Badischen Neuste Nachrichten. „Durch kürzere Wege werden wir auf jeden Fall flexibler werden. Ich sehe daher keine Probleme, die durch die Trennung der beiden Bereiche auf uns zukommen.“

Einige Mitarbeiter des Werkes in Gaggenau sehen die angekündigte Spaltung der Daimler AG jedoch kritisch. Einer sehe in der Trennung eine große Gefahr, „sich für eine Übernahme durch einen anderen Konzern angreifbar“ zu machen. Beispielsweise sei es deutlich einfacher, die Truck-Sparte zu kaufen statt den gesamten Daimler-Konzern, so der Mitarbeiter. Er lehne die Spaltung der Daimler AG deshalb ab.

Wir werden kleiner gemacht und dann von den Chinesen übernommen. Daimler wird nicht von außen, sondern von innen kaputt gemacht.

Besorgter Daimler-Mitarbeiter gegenüber den Badischen Neuste Nachrichten

Ein weiterer Mitarbeiter der Daimler AG in Gaggenau sieht einer Spaltung in eine Pkw- und eine Lkw-Sparte sogar mit großer Sorge entgegen. Wenn es bei der Lkw-Produktion in der Vergangenheit mal nicht so gut lief, sei diesem die Pkw-Sparte zur Seite gesprungen. Nach einer Spaltung in zwei börsennotierte Unternehmen sei dies nicht mehr der Fall, sagte der Angestellte laut den Badischen Neuste Nachrichten. Einige Mitarbeiter des Mercedes-Benz-Werkes sagten jedoch, sie hätten sich bislang keine Gedanken zu dem Thema gemacht und ließen sich überraschen, was die Zukunft des weltbekannten Konzerns bringe.

Erstmeldung vom 3. Februar: Stuttgart - Es ist eine Hammer-Nachricht: Die Daimler AG mit Sitz in der Landeshauptstadt Stuttgart will sich in zwei Teile aufspalten. Hintergrund ist, dass der Bauer von Autos, Bussen und Lastwagen seine Truck-Sparte eigenständig an die Börse bringen will.

Wie die Deutsche Presseagentur berichtet, will sich die Daimler AG, deren CEO derzeit Ola Källenius ist, im Rahmen dieses Vorhabens komplett umbauen. Das Geschäft soll in zwei unabhängige Unternehmen aufgeteilt werden. Einmal in Mercedes Benz, dem Teil der Daimler AG, zu dem dann weiterhin die Autos und Vans gehören. Und zum anderen in „Daimler Truck“ mit Lastwagen und Bussen. Das teilte der Dax-Konzern überraschend am Mittwoch mit.

Daimler AG: Unternehmensteil „Finanz- und Mobilitätsdienstleistungen“ ebenfalls betroffen

Eine weitere geplante Neuerung: Die „Finanz- und Mobilitätsdienstleistungen“ der Daimler AG, derzeit noch eine eigene Sparte, sollen auf die beiden anderen, dann neuen Unternehmen aufgeteilt werden.

Das dann abgeteilte Unternehmen „Daimler Truck“ soll noch in diesem Jahr an die Börse in Frankfurt gebracht werden, heißt es von der Daimler AG weiter. Auch für die Daimler-Aktionäre dürften das interessante Neuigkeiten sein. Der Konzern kündigte an, es sei beabsichtigt, dass der Mehrheitsanteil von „Daimler Truck“ an die derzeitigen Daimler-Aktionäre übertragen wird.

Doch die Daimler AG will das neue Unternehmen nicht nur an die Börse bringen, sondern strebt auch eine Notierung im Dax für „Daimler Truck“ an. Ziel sei es, die dafür nötigen Kriterien zu erfüllen. Die endgültige Entscheidung über die geplante Abspaltung müsse bei einer außerordentlichen Hauptversammlung im dritten Quartal 2021 getroffen werden.

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