Abgas-Manipulation

Daimler-Anwälte machen peinlichen „Anfängerfehler“ - zur Freude eines frustrierten Kunden

Eine C-Klasse von Mercedes-Benz fährt im Werk vom Band
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Schlappe für die Daimler AG: Der Käufer einer C-Klasse von Mercedes-Benz bekam vor Gericht Recht
  • Julian Baumann
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Die Daimler AG unterliegt vor Gericht: Ein Kunde bekommt jetzt das Geld für seine Mercedes C-Klasse zurück. Schuld war ein peinlicher Anfängerfehler der Anwälte.

Stuttgart - Die Daimler AG mit Sitz in Stuttgart steckt in der Krise. Durch das Coronavirus musste der Automobilkonzern einen noch strengeren Sparkurs verfolgen, als ohnehin schon von Daimler-CEO Ola Källenius angekündigt. Darüber hinaus macht der Abgas-Skandal, auch als Diesel-Affäre bekannt, dem Fahrzeughersteller aus der Landeshauptstadt Probleme.

Zuletzt konnte die Daimler AG einen Streit wegen mutmaßlicher Abgasmanipulationen in den USA beilegen. Für den Autobauer ist die Zahlung von umgerechnet 1,9 Milliarden Euro jedoch kein Schuldeingeständnis.

Daimler AG verliert vor Gericht: Mercedes-Käufer bekommt sein Geld zurück

Anders als die Daimler AG sieht die Regierung in Washington sehr wohl ein Schuldeingeständnis in der bezahlten Summe. Die US-Regierung sandte eine klare Drohung an „solche wie Daimler“. Der Automobilhersteller verhinderte durch die Zahlung von knapp zwei Milliarden Dollar, die beanstandeten Fahrzeuge von Kunden zurückkaufen zu müssen.

In Deutschland unterlag die Daimler AG im Zusammenhang mit Abgasmanipulationen nun mehrfach vor Gericht. Ein Kunde klagte gegen den Fahrzeughersteller und bekam vom Landgericht Stuttgart Recht: Der Mercedes-Käufer bekommt das Geld für seine B-Klasse zum großen Teil zurückerstattet.

Auch dem Käufer einer Mercedes C-Klasse 220 CDI sprach das Landgericht Schadensersatz „wegen vorsätzlicher sittenwidriger Schädigung“ zu. Laut Angaben des Gerichts seien von der Daimler AG unzulässige Abschalteinrichtungen bei den Abgaskontrollsystemen verwendet worden. Wegen eines eingesetzten Thermofensters, durch das sich die Abgasreinigung bei unter 17 Grad Außentemperatur abschaltet, seien im Normalbetrieb etwa mehr gesundheitsschädliche Stickoxide in die Luft gelangt als eigentlich erlaubt.

Dadurch habe der Kläger einen Schaden erlitten, welcher wegen Täuschung als „sittenwidrig zu qualifizieren“ sei, befand das Landgericht Stuttgart nach Angaben der Wirtschaftswoche. Die Käufer der Mercedes C-Klasse und der B-Klasse sind jedoch nicht die einzigen, die aktuell gegen die Daimler AG klagen. Zahlreiche Käufer von Fahrzeugen mit Dieselantrieb wollen derzeit Schadenersatz vor Gericht einklagen. Laut einer Anwaltskanzlei haben sich in Großbritannien angeblich eine Million Kunden zu einer Sammelklage gegen die Daimler AG zusammengetan.

Der Automobilkonzern aus Stuttgart sieht es bislang jedoch nicht als nötig an, Käufer aus Deutschland zu entschädigen. Nach Angaben der Daimler AG seien Fahrzeuge mit beanstandeter Konfiguration und entsprechender Steuerungssoftware in Europa gar nicht verkauft worden.

Daimler AG: Stuttgarter Autobauer schiebt die Schuld auf Anwälte

Das Urteil zugunsten des Mercedes-C-Klasse-Käufers scheint allerdings nur ein Ausnahmefall gewesen zu sein. Denn es kam offenbar nur durch einen peinlichen Fehler der Daimler-Anwälte zustande, wie der Konzern selbst zugibt. „Unsere Anwaltskanzlei hat versehentlich die Frist zur Berufungsbegründung versäumt“, teilte der Autokonzern gegenüber der Wirtschaftswoche mit. Fristversäumnisse würden unter Juristen als „Anfängerfehler“ gelten, schreibt die Wirtschaftswoche.

Dabei sind die Anwälte der Daimler AG alles andere als Anfänger. Der Fahrzeughersteller aus Stuttgart wurde bei dem Gerichtsverfahren von der Kanzlei Gleiss Lutz vertreten, die ihren Sitz ebenfalls in der Landeshauptstadt hat, wie die Wirtschaftswoche berichtet.

Für die Kanzlei ist die versäumte Frist im Urteil gegen die Daimler AG eine peinliche Panne. Gleiss Lutz bestätigte auf Anfrage der Wirtschaftswoche, „dass in dem angesprochenen Fall die Berufung wegen einer Fristüberschreitung unsererseits zurückgenommen wurde“. Der entstandene Schaden werde Daimler aber zurückgezahlt. Den Käufer der Mercedes C-Klasse dürfte der Fehler der Großkanzlei jedoch freuen. Daimler muss das Fahrzeug zurücknehmen und den Kaufpreis nach Abzug einer Nutzungsentschädigung erstatten.

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