Gefährliche Hybridlösung

Daimler setzt auf umstrittene Alternative zu E-Auto und Verbrenner

Der Mercedes EQS steht auf einer Straße
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Die EQS von Daimler droht, die herkömmliche S-Klasse zu kannibalisieren.
  • Berkan Cakir
    vonBerkan Cakir
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Die Daimler AG treibt die E-Strategie voran. Ohne Zwischenschritt funktioniert der Wandel zu mehr E-Mobilität aber nicht. Der Konzern setzt dabei auf einen riskanten Weg.

Stuttgart - Im Jahr 2039 soll es so weit sein, dann will die Daimler AG ihre Flotte komplett CO2-neutral aufstellen. Spätestens in knapp 18 Jahren kappt der geschichtsreiche Autokonzern aus der Landeshauptstadt Stuttgart damit auch seine Wurzeln. Die Verbrenner-Technik, mit der im späten 19. Jahrhundert Gottlieb Daimler und Carl Benz die ersten Automobile entwickelten, wird dann der Vergangenheit angehören und dem E-Motor weichen. Glaubt man indes den jüngsten Aussagen des Daimler-Chefs Ola Källenius, soll dieses Ziel sogar noch früher erreicht werden.

Daimler schafft den Verbrenner also wohl früher ab als erwartet - und das, obwohl das Geschäft mit den Verbrenner-Modellen nach wie vor hochrentabel ist. Auch bei den letzten vorgelegten Quartalszahlen profitierte Daimler - neben den Kosteneinsparungen - insbesondere vom Absatz der S-Klasse. Die Nachfrage nach der neuesten Version, die im Herbst 2020 vorgestellt wurde, ist gar so hoch, dass im Sindelfinger Produktionswerk eine temporäre Nachtschicht eingelegt wurde.

Daimler AG: Der EQS könnte die S-Klasse kannibalisieren

Ganz trennen kann sich der Konzern von Verbrennern wie der S-Klasse nicht. Problematisch könnte dabei aber die E-Strategie des Unternehmens werden. Wie der Spiegel berichtet, könne es dazu kommen, dass die elektrisch betriebene S-Klasse, der EQS, der kürzlich in einer Weltpremiere vorgestellt wurde, das klassische Modell kannibalisiert. Daimlers Super-Konkurrent für Tesla würde so die Rendite drücken.

Der EQS wirft laut Ola Källenius zwar Gewinne ab. Allerdings würde das Modell pro verkauftem Auto bei einem Preis von rund 120.000 Euro 5.000 bis 10.000 Euro weniger einbringen als die herkömmliche S-Klasse. Der Grund, so berichtet der Spiegel, sei die teure Batterie, deren Kosten erst in den kommenden Jahren sinken dürften. Um die Rendite - und die Ökobilanz weiterhin zu sichern, will Daimler daher auf den Hybridantrieb setzen, einem Mix aus Elektroantrieb und Verbrenner. In den nächsten drei bis fünf Jahren sei „das elektrifizierte Verbrennergeschäft die tragende Säule unseres Geldflusses“, sagt Ola Källenius gegenüber dem Magazin.

Daimler AG: Die E-Strategie steht auf dünnem Eis

Doch der Boom auf dem Hybridmarkt ist künstlich aufgebläht, die Umweltfreundlichkeit der Technik gilt als stark umstritten. Mit dem Fokus auf Hybride geht die Daimler AG also ein hohes Risiko ein, wie der Spiegel berichtet. Die Batterie in Plug-in-Hybriden hat ein sehr hohes Gewicht. Sobald also der Strom verbraucht ist und das Auto auf den konventionellen Verbrenner-Motor wechselt, verbraucht es mitunter mehr Sprit als ein konventionelles Fahrzeug.

Zudem sind Spitzenpolitiker aus Berlin und Brüssel daran, die Fördermittel für den Hybridwagen wieder zu reduzieren. Die künstlich angefachte Nachfrage nach elektrifizierten Verbrennern könnte dann stark einbrechen. Ola Källenius‘ Strategie, die Zeit bis zum endgültigen Durchbruch des E-Autos mit Hybriden zu überbrücken, würde schnell Risse bekommen.

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