Autoindustrie in Not

Niedergang beginnt: Mehrere Daimler-Zulieferer verkünden Entlassungen

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Die gesunkenen Umsätze von Daimler wirken sich auch auf die Zulieferer des Konzerns aus. Immer mehr Betriebe kündigen Entlassungen an. Jetzt trifft es auch PWO und Schuler.

Göppingen/Oberkirch - Die Autoindustrie erlebt eine wirklich schwere Zeit. Fahrzeughersteller wie die Daimler AG sind bereits selbst zu Sparmaßnahmen gezwungen, Werkschließungen und Stellenabbau drohen. Das hängt zum einen mit dem Coronavirus in Baden-Württemberg zusammen, andererseits mit dem Strukturwandel hin zur Elektromobilität.

Experten glauben, dass das große Erwachen für Daimler, BMW & Co. erst 2021 losgeht. Dabei spürt eine Branche die Folgen der schlechten Lage der Fahrzeughersteller bereits jetzt: Immer mehr Zulieferer kündigen Entlassungen an. Daimler-Zulieferer Continental will bis zu 30.000 Stellen abbauen. Doch der Reifenhersteller ist bei weitem nicht alleine.

Massensterben bei Auto-Zulieferern weiten sich aus - immer mehr Betriebe müssen Mitarbeiter entlassen

Die Liste der Betriebe, die Entlassungen angekündigt haben, ist inzwischen besorgniserregend lang. Daimler-Zulieferer Mann+Hummel schließt sein Stammwerk in Ludwigsburg, 400 Arbeitsplätze fallen weg. Das Unternehmen stellt unter anderem Filtersysteme her. Zuletzt verkündete auch Mahle den Abbau von 7.600 Stellen. Mahle beliefert Fahrzeughersteller wie die Daimler AG unter anderem mit Komponenten für Motoren.

Dunkle Zeiten für die Daimler AG: Anleger verklagen den Konzern wegen der Dieselaffäre auf einen dreistelligen Millionenbetrag.

Dabei sind die Zulieferer der Automobilindustrie alles andere als gut auf die Fahrzeughersteller zu sprechen. Zwar konnten auch die Autobauer eine globale Krise wie die Corona-Pandemie nicht vorhersehen. Trotzdem werfen die Zulieferer Daimler, BMW & VW vor, Massensterben und Jobvernichtung begünstigst zu haben. Schuld daran sei unter anderem die aggressive Preispolitik der Fahrzeughersteller.

Um eine gefährliche Kettenreaktion zu umgehen, hat die Gewerkschaft IG Metall einen Fonds ins leben gerufen. Die Notlösung soll die sterbende Branche um Daimler, BMW & Co. mit bis zu 100.0000 bedrohten Jobs am Leben halten. Doch für zwei weitere Zuliefer-Betriebe in Baden-Württemberg kommt dieser Rettungsfond wohl zu spät.

Zwei weitere Daimler-Zulieferer sehen sich zu Entlassungen gezwungen - Betriebe müssen sparen

Der Autozulieferer Progress-Werk Oberkirch AG (PWO) plant, Arbeitsplätze im dreistelligen Bereich zu streichen. Nach Angaben der dpa sollen zwischen 150 und 200 Stellen abgebaut werden. PWO will bereits dieses Jahr die Zahl der Mitarbeiter über ein „Freiwilligenprogramm“ reduzieren, bevor ab 2021 gegebenenfalls betriebsbedingte Kündigungen hinzu kommen könnten. Das Unternehmen aus Oberkirch will ab dem Geschäftsjahr 2021 jährlich rund 12 Millionen Euro einsparen. Insgesamt beschäftigt PWO 3.200 Mitarbeiter, 1.5000 Angestellte arbeiten in Deutschland. Der Zulieferer stellt Leichtbau-Metallkomponenten für Fahrzeughersteller wie Daimler her und erwirtschaftete letztes Jahr einen Umsatz von rund 460 Millionen Euro.

Neben PWO muss wohl auch das Göppinger Unternehmen Schuler Arbeitsplätze streichen. Wie die Stuttgarter Zeitung (StZ) berichtet, will Schuler in Deutschland zwischen 300 und 350 Stellen abbauen. Laut StZ ist noch unklar, wie stark der Hauptstandort Göppingen betroffen sein wird. Schuler beliefert die gesamte metallverarbeitende Industrie, darunter auch Fahrzeughersteller wie Daimler. Die Firma baut hauptsächlich Pressen, bietet aber auch Automations- und Softwarelösungen an.

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