Austritt schon im September

Daimlers wichtigster Experte für Zukunftstechnologie verlässt Konzern - interner Machtkampf?

Der Mercedes EQS steht auf einer Straße
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Die Daimler AG setzt voll auf E-Autos, wie hier der Mercedes EQS. Der wichtigste Zukunftsexperte verlässt jedoch nun das Unternehmen.
  • Franziska Vystrcil
    VonFranziska Vystrcil
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Der oberste Software-Entwickler der Daimler AG, Sajjad Khan, verlässt das Unternehmen. Eigenen Angaben zufolge, weil er selbstständig als Investor aktiv werden möchte.

Stuttgart - Die Daimler AG setzt in Sachen Zukunftstechnologie auf E-Mobilität. Den Verbrenner will der Autobauer zudem früher abschaffen, als erwartet. Bereits bis zum Jahr 2025 plant der Konzern außerdem über zehn neue Modelle der elektrischen Baureihe EQ auf den Markt zu bringen. Doch ausgerechnet der wichtigste Experte für Zukunftstechnologien wendet sich nun von Daimler ab. Nach eigener Aussage, um selbstständig als Investor aktiv zu werden. Oder steckt mehr hinter dem Aus?

Wie das Handelsblatt berichtet, verlässt Digitalchef Sajjad Khan den Autobauer aus der Landeshauptstadt Stuttgart. Wie Daimler am Dienstag mitteilte, werde Sajjad Khan seinen Posten als Vorstand der Pkw-Sparte Mercedes-Benz bereits zum September hin abgeben. „Für seine Karriere als eigenständiger Unternehmer wünsche ich Sajjad Khan alles Gute“, erklärte Aufsichtsratschef Bernd Pischetsrieder. Der Manager gilt im Unternehmen als Wegbereiter für die Einführung einer neuen Software, mit der die Fahrzeuge für die Zeit der Digitalisierung aufgerüstet werden.

Daimler AG verliert wichtigsten Experten für Zukunftstechnologien

Sajjad Khan war ebenso umstritten wie wichtig für Daimler. Zwischen dem Experten für Zukunftstechnologien und dem Entwicklungsvorstand Markus Schäfer soll es in den vergangenen Jahren immer wieder Kompetenzrangeleien gegeben haben. Zwischen den beiden Männern habe es „regelmäßig geknallt“, so das Handelsblatt, das sich auf Insiderberichte bezieht.

Sajjad Khans Austritt aus dem Unternehmen erfolge auf eigenen Wunsch, teilte Daimler mit. Und es ist nicht das erste Mal, dass sich der Experte vom Konzern abwendet: vor 20 Jahren fing er bei dem Konzern aus Baden-Württemberg an, wechselte dann zu Magna und BMW. Vor sechs Jahren kehrte er zu Daimler zurück und übernahm die Leitung der Software-Einheit, zu der auch die Entwicklung selbstfahrender Autos gehört. Daimler will unter anderem autonome Autos mithilfe von Satelliten steuern.

Daimler AG: Nachfolger steht bereits fest

Ein Nachfolger für Sajjad Khan steht bereits fest: Magnus Östberg soll ihm auf seinen Posten folgen. Der gebürtige Schwede war bisher für die Zulieferer Delphi und Aptiv tätig. Nun soll er Daimler auf die digitale Zeit vorzubereiten. Heißt konkret: Magnus Östberg steht vor der großen Aufgabe, die Daimler-Fahrzeuge zu elektrifizieren und mit neuen Softwarelösungen aufzurüsten.

Ob Sajjad Khan lange selbstständig bleibt, ist ungewiss. Mit seiner Kompetenz und seinem Wissen ist er bei den Autobauern heiß begehrt. Doch ein direkter Wechsel ist wegen Wettbewerbsklauseln in den Managerverträgen oft nicht möglich. Laut Handelsblatt wäre es durchaus denkbar, dass der Experte mittelfristig zu einem anderen Autokonzern, wie etwa VW, wechseln könnte.

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