Umstellung auf Elektromobilität

Daimler schafft Verbrenner ab - viel früher als erwartet

Eine C-Klasse von Mercedes-Benz fährt im Werk vom Band
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Die Daimler AG steigt aus der Produktion von Verbrennern aus
  • Sina Alonso Garcia
    vonSina Alonso Garcia
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Ursprünglich sollte die Hälfte aller Fahrzeuge der Daimler AG bis 2030 elektrisch werden. Doch Konzernboss Ola Källenius will dieses Ziel noch überbieten.

Stuttgart - Bei der Umstellung der Daimler AG auf die Elektromobilität hat es Daimler-CEO Ola Källenius offenbar eilig. Bislang setzte sich der schwäbische Fahrzeughersteller das Ziel, dass bis 2030 die Hälfte aller verkauften Autos elektrisch oder als Hybride fahren, bis 2025 bereits ein Viertel. Nun sieht es so aus, dass der Umstieg sogar deutlich schneller vonstattengehen könnte.

„Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass wir diese Ziele nach oben korrigieren werden“, sagte Ola Källenius im Interview mit dem Handelsblatt. Bis Ende des Jahrzehnts will der Daimler-Chef mit Stromern ebenso viel Geld verdienen wie mit Dieselautos und Benzinern. „Es ist unsere klare Aufgabe, mit Elektroautos bis 2030 die gleichen Margen zu erzielen wie mit Verbrennern. Wir müssen das schaffen, um dem Kapitalmarkt zu zeigen: Etablierte Hersteller können gegenüber Herausforderern bestehen“, so Källenius. Für ihn gebe es keinen Grund mehr, am Verbrenner festzuhalten.

Daimler AG: Ausstieg aus dem Verbrenner hat drastische Konsequenzen für die Mitarbeiter

Der Rückzug aus der Verbrennertechnik zieht weitreichende Veränderungen nach sich: Standorte der Daimler AG weltweit müssen komplett auf die Produktion von Elektroautos umgestellt und Angestellte umgeschult werden. Für den Bau von E-Autos braucht Daimler zudem deutlich weniger Mitarbeiter, weshalb unter anderem in sechs deutschen Werken 20.000 Jobs bedroht sind. Bislang lautete der Plan, die künftig überzählige Belegschaft weitgehend über Frühverrentung vom Lohnzettel zu bekommen.

Während der Betriebsrat von Daimler sich dafür einsetzt, dass die neuen Technologien in den bestehenden Werken angesiedelt werden, lehnt Ola Källenius das ab, wie das Handelsblatt berichtet. Der Daimler-CEO will Batteriezellen weiterhin ausschließlich von Dritten beziehen und sprach sich gegen die eigene Fertigung von Elektromotoren und anderen Komponenten des Antriebsstrangs im Konzern aus. So könnte womöglich alles noch viel schneller gehen, als bisher gedacht.

Spaltung der Daimler AG - Umstieg auf den Verbrenner spielte bei der Entscheidung eine Rolle

Die kürzlich bekannt gewordene Spaltung von Daimler hat offenbar ebenfalls mit dem angestrebten Abschied vom Verbrenner zu tun. Ohne die LKW-Sparte kann der Konzern deutlich früher vollelektrisch laufen. Die Lastwagen übernehmen unter der Führung von Martin Daum den Namen Daimler Trucks, während Ola Källenius sich um Mercedes-Benz kümmern wird.

Neben der Daimler AG stellt ein weiterer Autobauer aus der Landeshauptstadt Stuttgart alle Weichen für die Elektromobilität: Porsche schafft den Verbrenner Plänen zufolge bis 2030 ab. Während die gesamte Fahrzeugflotte von Porsche auf E-Mobilität umgestellt wird, bleibt lediglich der 911 ein Verbrenner, soll aber in Zukunft mit E-Fuels fahren. Bis 2025 will Porsche-Chef Oliver Blume bereits die Hälfte aller von Porsche verkauften Autos mit elektrischen oder hybriden Antrieben ausstatten.

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