Zukunftsprognose

„Nicht für Geld“ - Daimler-Zukunftsforscherin erklärt, wofür Menschen in Zukunft arbeiten werden

  • Marleen van de Camp
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Die Daimler AG veröffentlichte ein Video, in dem die Zukunftsforscherin des Konzerns auftritt. Ihre These: In Zukunft arbeiten Menschen nicht mehr vorrangig für Geld. Der Zeitpunkt des Clips könnte nicht ungünstiger sein.

  • Bei der Daimler AG arbeitet man unter CEO Ola Källenius hart daran, sich gut für die Zukunft aufzustellen.
  • Darum beschäftigt der Fahrzeughersteller aus Stuttgart auch Zukunftsforscher und Trendforscher.
  • Eine der Zukunftsforscherinnen sagt in einem neuen Video, dass Menschen künftig nicht mehr vorrangig für Geld arbeiten werden - ausgerechnet zur gleichen Zeit, wenn Daimler bei Mitarbeitern Sparmaßnahmen durchsetzt

Stuttgart - Bei der Daimler AG arbeitet man unter CEO Ola Källenius hart daran, sich gut für die Zukunft aufzustellen. Darum beschäftigt der Fahrzeughersteller aus der Landeshauptstadt Stuttgart auch Zukunftsforscher und Trendforscher. Die Zukunftsforscherin Marianne Reeb zum Beispiel, unterstützt die Daimler AG nicht nur bei der Entwicklung von Autos der Zukunft für die Daimler-Tochter Mercedes Benz. Sie forscht auch zu der Frage, wie die Arbeit der Zukunft aussehen wird – nicht nur bei Daimler, sondern für alle Menschen. 

Daimler-Zukunftsforscherin: Menschen werden nicht mehr vorrangig arbeiten, um Geld zu verdienen

Natürlich könne niemand genau wissen, wie die Zukunft aussehe, sagt Marianne Reeb, die auch Professorin an der Fachhochschule Potsdam ist. Gerade das mache die Zukunftsforschung so spannend. Daimler hat zum Beispiel mit dem Mercedes Vision AVTR ein spektakuläres Auto der Zukunft entwickelt. Die Daimler AG hat auch mehr als 100 Millionen Euro in eine längst vergessene Alternative zum E-Auto investiert.

Doch CO2-neutral zu arbeiten, reicht laut der Zukunftsforscherin Marianne Reeb nicht aus. Technologischer Fortschritt müsse immer mit gesellschaftlichem Fortschritt einhergehen, sagt sie. Darum ist Marianne Reeb überzeugt, dass die Zukunft der Arbeit nicht darin besteht, dass Menschen vorrangig arbeiten, um Geld zu verdienen. Sie werden arbeiten, um sich selbst zu verwirklichen und um etwas zu erreichen, das Sinn hat.

Die Zukunftsforscherin Marianne Reeb (rechts) im Gespräch mit einer Daimler-Mitarbeiterin.

Ungünstiger Zeitpunkt: Daimler kürzt Arbeitszeit und Bonus der Mitarbeiter

Die Ausführungen der Zukunftsforscherin kommen zum denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Die Daimler AG steckt wegen des Coronavirus in der Krise und muss harte Sparmaßnahmen treffen. Die Einschnitte verunsichern die Mitarbeiter des Fahrzeugherstellers aus Stuttgart. Es gingen Meldungen herum, dass die Daimler AG drei Werke schließen könnte. Zwischenzeitlich sprach der Personalchef sogar von einem Abbau von 20.000 Stellen bei Daimler.

Entlassungen sind nach einer Einigung der Daimler AG mit Betriebsrat und Gewerkschaften vom Tisch - zumindest vorerst. Trotzdem bekommt auch die Belegschaft die Krise zu spüren: Daimler kürzt die Arbeitszeit von 70.000 Mitarbeitern und streicht den Bonus. Vor diesem Hintergrund müssen die Ausführungen der Zukunftsforscherin auf manche Daimler-Mitarbeiter wie Hohn wirken. „Nicht länger für Geld arbeiten? Die scheinen wohl die Peitsche wieder herauszuholen“, kommentiert eine Twitter-Nutzerin und fügt sarkastisch hinzu: „Ich kann es kaum erwarten, bis ich alt und egomanisch verblendet genug bin, die Zukunft einer Welt vorherzusagen, deren Gegenwart ich schon kaum verstehe.“

In der Zukunft werden Maschinen den Menschen von unangenehmer Arbeit befreien

Derweil schaut die Daimler-Zukunftsforscherin lieber nach vorne. Und teilt ihre Visionen von der Zukunft der Arbeit. In der Zukunft würden Maschinen für uns die Arbeit übernehmen, die gefährlich, unangenehm oder einfach zeitraubend ist. Die Menschen können sich dann mit Dingen beschäftigen, die für sie persönlich einen tieferen Sinn haben. Wir müssen lernen, „zusammen zu denken und zusammen zu handeln“, sagt Marianne Reeb, die Zukunftsforscherin der Daimler AG. Nur so können wir als Gesellschaft etwas Sinnhaftes und Nachhaltiges erschaffen.

Daimler AG: Nicht nur Auto der Zukunft, sondern auch Arbeit der Zukunft?

Der Vorstandsvorsitzende der Daimler AG scheint der Zukunftsforscherin Marianne Reeb gut zugehört zu haben. Denn Ola Källenius hat vor Kurzem einen Strategiewechsel für den Fahrzeughersteller aus Stuttgart ankündigt. Um die Daimler AG für die Zukunft fit zu machen, den Wandel hin zum E-Auto zu finanzieren und etwas Nachhaltiges zu schaffen, will der Daimler-Chef sich von beliebten Mercedes-Modellen wie der A-Klasse abwenden.

Das Auto der Zukunft sei elektrisch, wasserstoffbetrieben oder habe vielleicht sogar einen Antrieb, der auf ganz anderen umweltverträglichen Kraftstoffen basiere, sagte er vor Kurzem im Daimler-Podcast. Und da man sich bei Daimler gerade darauf geeinigt hat, dass es bis Ende des Jahrzehnts keine betriebsbedingten Kündigungen geben wird, sieht vielleicht auch die Zukunft der Arbeit bei der Daimler AG besser aus als die Gegenwart, wie Marianne Reeb es hofft. Das hätte doch wirklich Sinn

Rubriklistenbild: © Screenshot: Twitter/MercedesBenz

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