Daimler spaltet sich auf

Arrogant oder witzig? Daimler twittert Seitenhieb gegen Tesla und Co.

Ein EQS der Daimler AG.
+
Ein EQS der Daimler AG.
  • Julian Baumann
    VonJulian Baumann
    schließen

Am heutigen Freitag soll bei einer außerordentlichen Hauptversammlung die Spaltung der Daimler AG beschlossen werden. Der Konzern gibt sich selbstbewusst.

Stuttgart - In der über hundertjährigen Geschichte der Daimler AG wird bald ein neues Kapitel aufgeschlagen. Der Autokonzern aus der Landeshauptstadt Stuttgart verkündete bereits zu Beginn des Jahres, die Lkw-Tochter Daimler Trucks künftig als eigenständiges Unternehmen auslagern zu wollen. Der Name „Daimler“ verschwindet damit aus Stuttgart, denn die Auto-Sparte wird in Zukunft Mercedes-Benz Group heißen. Die Nutzfahrzeugsparte verlegt ihren Sitz dagegen in den Kreis Esslingen und soll noch vor Weihnachten an die Börse. Künftig wird es in der Region Stuttgart demnach zwei Unternehmen mit dem legendären Mercedes-Stern geben.

Die Nachricht von der Spaltung der Daimler AG rief ein großes Medienecho nach sich. Bei der Belegschaft löste die Ankündigung dagegen weniger Begeisterung aus. Die Stimmung sei am Boden, hieß es, Mitarbeiter seien „zu Tode erschreckt.“ Zudem sehen manche Experten in der Trennung der beiden Geschäftsfelder auch eine Fusionsgefahr. Die Aussicht auf eine Fusion mit Tesla machte Mitarbeitern bereits Angst. Ein Autoexperte vermutete dagegen, BMW könnte mit Mercedes fusionieren. Das schwäbische Traditionsunternehmen selbst präsentierte sich im Vorfeld der Sondersitzung mit den Aktionären jedoch sehr selbstsicher.

Daimler AG: Spaltung soll heute beschlossen werden, Konzern zeigt sich selbstsicher

Die angekündigte Spaltung der Daimler AG ist seit langem geplant und soll heute bei einer virtuellen Hauptversammlung mit den Aktionären endgültig besiegelt werden. Das Projekt mit dem Codenamen „Fokus“ wird den gesamten Konzern umkrempeln. Bereits vor einigen Wochen verkaufte der Autobauer den Namen „Daimler“ für fast 10 Millionen Euro, der Mercedes-Stern bleibt jedoch. Während einige Experten in der Spaltung eine Gefahr für die anschließend deutlich verkleinerte Autosparte sehen, wie beispielsweise die steigende Abhängigkeit von China, präsentiert sich der Autopionier selbstsicher. „Aus Daimler werden zwei Unternehmen – stark und unabhängig“, sagte Daimler-Chef Ola Källenius laut einer Pressemitteilung.

Dass der weltbekannte Autokonzern Daimler bald in dieser Form nicht mehr existieren wird, nahm das Unternehmen zum Anlass, um vor der Hauptversammlung eine Rückschau der Firmengeschichte aus 135 Jahren des Fahrzeugbaus auf Twitter zu veröffentlichen. Dabei zeigten sich die Stuttgarter nicht gerade bescheiden, sondern demonstrierten ihren Glauben an die eigene Überlegenheit: „Während innovative Unternehmen in der Garage beginnen, sind wir der Grund, warum die Garage gebaut wurde!“, heißt es in dem Twitter-Post. Damit spielen die Schwaben darauf an, dass die heutige Daimler AG bis auf die Erfinder des Automobils Gottlieb Daimler und Carl Benz zurückgeht. Noch heute lautet die Devise des Autobauers: „Wir haben das Automobil erfunden.“

Daimler AG will durch Spaltung „zwei unangefochtene Innovationsführer etablieren“

Die Daimler AG gehört neben BMW und VW nicht nur zur Speerspitze der deutschen Automobilbranche, sondern ist auch einer der bekanntesten Autobauer der Welt. In der langen Unternehmensgeschichte fusionierte Daimler bereits mit der Chrysler-Group zur DaimlerChrysler AG. Eine Aufspaltung des Konzerns in zwei kleinere Unternehmen stellt für die Schwaben jedoch ein Novum dar und ist ein großer Schritt. Martin Daum, CEO der Daimler Truck AG, sagte bereits, die heutige Hauptversammlung sei ein „wirklich historischer Tag.“

Auf der Hauptversammlung der Daimler AG am 1. Oktober soll die Abspaltung der Truck-Sparte beschlossen werden.

Dass die Daimler AG diesen Schritt plant und wohl bald auch vollzieht, war bei der ersten Ankündigung für viele eine große Überraschung. Laut Konzern-Chef Ola Källenius, der künftig die Autosparte leiten wird und seine schützende Hand auch weiterhin über die Lkw-Sparte halten will, komme die Spaltung jedoch zur rechten Zeit. „Damit setzen wir das volle Potenzial beider Unternehmen frei“, so Källenius. „Wir wollen zwei unangefochtene Innovationsführer etablieren, die in ihrer Industrie jeweils das Tempo der Transformation vorgeben.“ Bei der außerordentlichen Hauptversammlung der Daimler AG am heutigen Freitag gilt es bereits als sicher, dass die Aktionäre der Spaltung zustimmen werden.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare