Probleme bei der Truck-Sparte

Bei Daimler stehen massenhaft neue Fahrzeuge herum - sie können nicht ausgeliefert werden

Produzierte Mercedes-Benz Lkw Zugmaschinen stehen am 22.07.2015 auf einem Parkplatz im Werk Wörth (Rheinland-Pfalz) der Daimler AG (Luftbild).
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Bei der Daimler AG stehen viele produzierte Lastwagen, die aktuell nicht ausgeliefert werden können (Archivbild).
  • Julian Baumann
    VonJulian Baumann
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Die weltweite Chipkrise in der Autoindustrie führt auch bei der Daimler AG noch immer zu Produktionsverzögerungen. Viele Modelle können nicht genutzt werden.

Stuttgart - Bei der Autosparte der Daimler AG waren in den vergangenen Monaten vor allem die Werke in Bremen und Rastatt von dem Lieferengpass bei wichtigen Halbleiterkomponenten betroffen. Daimler stoppte temporär die Produktion der meistverkauften Modellklasse. Doch auch die Hightech-Fabrik in Sindelfingen stand nur 10 Monate nach der Eröffnung wieder still. Dort werden beispielsweise die S-Klasse und der vollelektrische EQS gefertigt.

Doch nicht nur die Autoproduktion der Daimler AG hat unter der weltweiten Chipkrise zu leiden. Erst kürzlich legte Daimler ein ganzes Lkw-Werk tagelang still, 10.000 Mitarbeiter waren betroffen. Bei dem weltgrößten Hersteller von Nutzfahrzeugen stehen laut der Deutschen Presseagentur (dpa) unzählige Lastwagen, die aktuell nicht verwendet werden können.

Daimler AG: Chipkrise führt zu Lieferproblemen bei der Truck-Sparte

Noch in diesem Jahr soll die Daimler AG in zwei unabhängige Unternehmen aufgespalten werden. Die Pkw-Sparte bleibt als Mercedes-Benz AG am Hauptsitz in der Landeshauptstadt Stuttgart, die Lkw-Sparte verlagert ihren Sitz in den Kreis Esslingen. Aktuell haben jedoch beide Sparten des schwäbischen Autokonzerns mit der anhaltenden Chipkrise zu kämpfen. Bereits im Februar musste die Daimler AG die Produktion in einem deutschen Werk temporär stoppen, Tausende Fahrzeuge konnten nicht fertiggestellt werden. Seitdem standen die Bänder in mehreren Daimler-Werken immer wieder still und große Teile der Belegschaft wurden wiederholt in die Kurzarbeit geschickt.

Auch in den Werken der Daimler Truck AG standen die Bänder immer wieder still. Das führte dazu, dass die Lastwagen nicht an die Kunden ausgeliefert werden konnten. „Wir sind in der Produktion in Deutschland und in den USA von dem Engpass betroffen, was dazu führt, dass wir weniger Fahrzeuge an unsere Kunden ausliefern konnten“, sagte Truck-Chef Martin Daum kürzlich der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (faz). Laut der dpa stellt sich aktuell jedoch noch ein anderes Problem.

Daimler Truck AG: Deshalb stehen unzählige Lastwagen ungenutzt auf dem Gelände

Aufgrund des anhaltenden Lieferengpasses bei den Halbleiterkomponenten verlagerte die Daimler AG ihren Fokus auf das Premiumsegment. Das bedeutete, dass Luxus-Modelle wie die S-Klasse bevorzugt fertiggestellt und ausgeliefert wurden. Im Umkehrschluss müssen die Schwaben, wie auch viele andere Autobauer, andere Modelle jedoch unfertig abstellen und im Falle einer Lieferung nachträglich nachrüsten. Bei der Truck-Sparte gebe es aktuell einen erheblichen Bestand an produzierten Lastwagen, denen noch immer wesentliche Teile fehlen, sagte ein Sprecher der dpa.

Auch der Truck-Chef der Daimler AG sprach dieses Problem bereits an. Laut ihm würden die Lastwagen bei den Kunden dringend gebraucht, durch die fehlenden Teile könnten sie jedoch nicht ausgeliefert werden. „Wir würden sie auch gerne ausliefern, warten aber auf die Teile“, sagte Martin Daum der faz. Unter anderem können auch die wichtigsten Modelle der Truck-Sparte nicht ausgeliefert werden. „Uns fehlen vor allem die schweren Lkw in Europa und Nordamerika, unsere S-Klasse sozusagen.“

Die Halbleiterkrise bei der Daimler AG dauert nun bereits seit Monaten an und auch für die Mitarbeiter ist die Situation schwierig. Die wochenlange Kurzarbeit lässt Mitarbeiter verzweifeln. Ein baldiges Ende des Lieferengpasses ist auch noch nicht greifbar. Auch Daimler-Chef Ola Källenius sieht eine jahrelange Krise, demnach müssten die Mitarbeiter noch bis 2023 zittern.

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