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Tesla greift Daimlers Traditionsbereich an - Stuttgarter siegessicher: „wir wissen, was wir können“

Nahaufnahme zeigt das Vorderrad und das Fahrgestell des neuen elektrischen Daimler-Trucks
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Die Daimler AG fühlt sich von Tesla in einem Traditionsbereich nicht bedroht.
  • Julian Baumann
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E-Auto-Pionier Tesla stößt in einen Geschäftsbereich vor, in dem die Daimler AG Marktführer ist. Die Stuttgarter zeigen sich wenig beeindruckt.

Stuttgart - Vor wenigen Wochen stimmten die Aktionäre der Daimler AG der seit längerem angekündigten Spaltung des Traditionskonzerns zu. Das Ende der Daimler AG ist damit besiegelt, mit Auswirkungen auf die gesamte Autoindustrie. Ab dem 1. Dezember wird die Mercedes-Benz AG weiterhin Autos und Van produzieren und die Lkw-Sparte soll als Daimler Truck AG ebenfalls an die Börse. Mercedes setzt inzwischen stark auf das E-Auto und will ab 2030 nur noch batteriebetriebene Modelle bauen. Im Bereich der zukunftsweisenden Technologie muss sich sogar der Konzern, der auf die Erfinder des Automobils zurückgeht, mit dem großen Konkurrenten Tesla messen.

Während die Daimler AG ihre Fahrzeugpalette nur zögerlich auf die E-Mobilität umstellte, eroberten Elon Musk und Tesla den E-Auto-Markt im Sturm. Das Unternehmen mit Sitz in Palo Alto ist inzwischen mehr wert als die drei großen deutschen Autobauer Daimler, BMW und VW zusammen. Seit einiger Zeit schickt sich Tesla an, auch in einen Geschäftsbereich zu expandieren, indem die Daimler Truck AG Marktführer ist. Von elektrischen Tesla-Trucks fühlt sich das Unternehmen aus der Landeshauptstadt Stuttgart allerdings nicht bedroht, wie Truck-Chef Martin Daum im Interview mit dem Manager Magazin sagte.

Daimler AG: Truck-Sparte will keine Versprechungen machen, die nicht gehalten werden können

Die weltbekannte Auto-Sparte der Daimler AG will bereits ab 2025 jedes Mercedes-Modell auch in einer vollelektrischen Version anbieten. Die Daimler Truck AG setzt dagegen nicht ausschließlich auf Elektro, sondern fährt eine Doppelstrategie. Das bedeutet, dass die schweren Nutzfahrzeuge mit Stern zukünftig mit einem Mix aus Batterie und Brennstoffzelle angetrieben werden sollen. Auf Strecken, die 1.000 Kilometern und länger sind, sollen die neuen Daimler-Trucks zukünftig mit flüssigem Wasserstoff fahren. Auf kürzeren Strecken kommt dagegen der Elektromotor zum Einsatz.

Obwohl die Truck-Sparte im Gegensatz zu Mercedes-Benz immer ein Schattendasein fristete, gilt das Unternehmen als Marktführer bei den schweren Nutzfahrzeugen. Und das soll laut CEO Martin Daum auch weiterhin so bleiben. „In China, dem mit Abstand wichtigsten Zukunftsmarkt, bieten wir ab Ende 2022 einen Lkw an, den so noch kein Wettbewerber auf der Straße hat“, erklärte er dem Manager Magazin. „Produziert in China auf komplett chinesischer Kostenbasis. Aber europäische Technik.“ Versprechungen, die er nicht halten kann, will der zukünftige CEO der Daimler Truck AG im Gegensatz zu gewissen Konkurrenten nicht machen.

Daimler AG: Teslas E-Lkw keine Bedrohung für die Schwaben - „Lkw-Geschäft ist hartes Business“

Die Daimler AG stellte in diesem Jahr nach langer Entwicklungszeit den eActros, einen ersten vollelektrischen Lkw vor. „Ich habe noch in wacher Erinnerung, dass ich 2017 gefragt worden bin: warum dauert bei Daimler alles so lange?“, sagte Martin Daum. „Da war ein Wettbewerber, der immer besonders laut ankündigt.“ Gemeint ist Tesla, die ebenfalls einen E-Lastwagen angekündigt hatten. „[Tesla] wollte 2018 seinen Semi-Truck auf die Welt bringen“, so Daum. Daimler hatte dagegen bereits zuvor angekündigt, den eActros erst im Jahr 2021 auf den Markt bringen zu wollen. „Wir haben ihn 2021 gebracht“, so der Truck-Chef gegenüber dem Manager Magazin. „Der Wettbewerber hat den Start gerade wieder geschoben.“

Mit den E-Auto-Modellen wie dem Model S oder dem Model 3 feiert Tesla weltweit große Erfolge. Die Daimler AG setzte zunächst mit dem elektrischen Flaggschiff EQS zum Gegenangriff an und stellte vor wenigen Wochen mit dem EQE eine weitere elektrische Limousine vor. Selbst wenn der Tesla Semi-Truck ähnlich erfolgreich wie die Automodelle des US-Unternehmens werden sollte, fühlen sich die Schwaben siegessicher. „Gut möglich, dass das ein starkes Fahrzeug mit einer starken Batterietechnologie wird“, sage Martin Daum. „Aber das Lkw-Geschäft ist ein hartes Business.“

Die Daimler Truck AG bedient bei den Nutzfahrzeugen eine große Bandbreite vom Müllwagen, Betonmixer bis zum Langstrecken-Lkw. „In diesem Metier kennen wir uns mehr als gut aus“, zeigt sich Martin Daum zuversichtlich. Man nehme zwar jeden Wettbewerber und Konkurrenten ernst. „Aber wir wissen, was wir können.“

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