Transformation zur E-Mobilität

Daimler-Chef Källenius: E-Auto kostet zahlreiche Jobs - „Müssen ehrlich mit den Menschen sein“

Daimler-CEO Ola Källenius neben einem Logo der Daimler AG.
+
Die Transformation zur E-Mobilität wird bei der Daimler AG Arbeitsplätze kosten, sagt CEO Ola Källenius.
  • Julian Baumann
    VonJulian Baumann
    schließen

Die Daimler AG will bis Ende des Jahrzehnts nur noch E-Autos bauen. Durch die groß angelegte Transformation entfallen zahlreiche Arbeitsstellen, wie CEO Ola Källenius bestätigte.

Stuttgart - Die Daimler AG stellte erst vor wenigen Tagen ihre beschleunigte E-Auto-Strategie vor. Demnach leitet Daimler das endgültige Verbrenner-Ende früher ein, als zuvor geplant und will zum Ende des Jahrzehnts nur noch E-Autos bauen. Die vollelektrische Luxuslimousine EQS sei nur der „Anfang einer neuen Ära“, sagte CEO Ola Källenius in einer Pressekonferenz des Konzerns aus der Landeshauptstadt Stuttgart. Die Transformation wird jedoch zahlreiche Arbeitsplätze bei dem Premiumhersteller fordern, bestätigte der Vorstandsvorsitzende der Welt am Sonntag.

Die Anfänge der heutigen Daimler AG gehen auf das Jahr 1883 und die Erfinder des Automobils, Gottlieb Daimler und Carl Benz, zurück. Aktuell steht der Autokonzern jedoch vor großen strukturellen Änderungen. Bereits zu Beginn des Jahres wurde bekannt, dass die Daimler AG zukünftig in zwei Unternehmen aufgespalten werden soll. Die Transformation zum E-Auto-Bauer hat jedoch ebenfalls deutliche Folgen für das Unternehmen. Medienberichte sprachen bereits vor einigen Monaten von 20.000 bis 30.000 Stellen, die aufgrund der Transformation entfallen sollen. Zugleich werde die Umstellung jedoch auch neue Jobs schaffen, so Ola Källenius.

Daimler AG: Transformation in vollem Gange - Konzernchef bestätigt Stellenabbau

Die Umstellung der Produktion in den Werken der Daimler AG vom herkömmlichen Verbrenner hin zum batteriebetriebenen Elektromotor dauert nun bereits seit Monaten an. Deshalb werden auch mehrere Traditionswerke des schwäbischen Autobauers radikal umgebaut. Daimler baut beispielsweise das Stammwerk in Stuttgart um und hinterlässt bei den Mitarbeitern Verzweiflung. Auch das älteste Werk in Berlin soll zukünftig einem Elektrocampus für E-Auto und Software weichen. Durch die Umrüstungen ändern sich auch die Anforderungen an die Mitarbeiter. Viele Angestellte, die bislang an Verbrennungsmotoren arbeiteten, werden demnach in Zukunft nicht mehr gebraucht.

Um eben solche Mitarbeiter der Daimler AG, deren Tätigkeiten durch die Transformation entfallen, aufzufangen und ihnen gemäß ihrer Fähigkeiten neue Aufgaben zuzuteilen, rief der Konzern das sogenannte Jobforum ins Leben. Viele Mitarbeiter trieb das zur Verzweiflung, es sei ein „Albtraum, aus dem man nicht erwacht.“ Beispielsweise berichteten ehemalige Führungskräfte, dass sie nun Tätigkeiten ausüben, die auch ein Praktikant übernehmen könne. Der Stellenabbau wird jedoch aufgrund der neuen Anforderungen in Zukunft weitergehen. „Man muss auch ehrlich mit den Menschen sein“, sagte Ola Källenius der Welt am Sonntag. „Die Montage eines Verbrennungsmotors bringt mehr Arbeit mit sich als der Bau einer Elektroachse.“

Daimler AG: Auch Betriebsrat sieht keine Alternative zum E-Auto - „kann nicht gegen den Strom schwimmen“

Durch die drastisch beschleunigte E-Auto-Strategie der Daimler AG wird wohl auch der Stellenabbau schneller vonstattengehen, als bislang geplant. Das Unternehmen will bereits ab 2025 jedes Mercedes-Modell auch in einer vollelektrischen Version anbieten können und ab demselben Jahr ausschließlich neue E-Auto-Architekturen bauen. Damit konzentriert sich der Stuttgarter Konzern nahezu ausschließlich auf den E-Motor und lässt Alternativen wie Wasserstoff und E-Fuels zumindest bei der Pkw-Sparte außen vor. Der Betriebsrat des Autobauers sieht ebenfalls keine Alternative zum E-Auto, wie die Deutsche Presseagentur (dpa) berichtet.

Der Betriebsrat der Daimler AG hat lange gegen den groß angelegten Stellenabbau und für Alternativen, beispielsweise eine Umschulung der Mitarbeiter, gekämpft. Der Fokus auf die E-Mobilität ist laut Betriebsratschef Michael Brecht jedoch ein notwendiger Schritt. „Man kann nicht gegen den Strom schwimmen, wenn die ganze Welt gerade den batterieelektrischen Antrieb vorantreibt“, so Brecht laut der dpa. Es gebe jedoch auch in der Belegschaft nach wie vor Zweifel am reinen Elektrokurs und dem endgültigen Verbrenner-Aus. „Einige Kollegen hängen schon noch dem Glauben an, dass wir noch eine Weile so weitermachen könnten.“

Daimler AG: Zahl der verkauften E-Autos im ersten Halbjahr noch sehr gering

Mit der elektrischen Limousine EQS und den SUV EQA und EQC hat die Daimler AG bereits mehrere E-Autos auf dem Markt. Dazu kommen auch noch elektrisierte Fahrzeuge der Tochter-Marken, wie Smart. Den meisten Absatz erzielt Daimler jedoch noch immer mit Diesel- und Benziner-Modellen. Im ersten Halbjahr 2021 machte der Verkauf der E-Autos gerade mal rund drei Prozent aus, der Anteil an Hybrid-Fahrzeugen liegt etwas höher.

Die gesamte Branche rechnet allerdings mit rasant wachsenden Absatzquoten bei E-Autos im kommenden Jahr. So ganz will der Stuttgarter Autobauer den Verbrenner allerdings nicht abschreiben. Die Daimler AG bereitet zwar das Verbrenner-Aus für 2030 vor, doch das ist nur die halbe Wahrheit. Das Stuttgarter Unternehmen verlagerte bereits ganze Produktionsschritte nach China und laut Medienberichten will der Großaktionär im Reich der Mitte neue Mercedes-Verbrenner-Modelle bauen. Demnach wird es auch nach 2030 noch neue Benziner- und Dieselmodelle mit dem Mercedes-Stern geben, aber eben nicht in Europa.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare