Steigende Nachfrage

Daimler-Betriebsrat fordert Auto-Revolution in Stuttgart - um Werk vor schleichendem Tod zu bewahren

  • Valentin Betz
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Die Daimler AG drängt auf den Markt für E-Autos: Mercedes und Smart bauen immer mehr elektrische Modelle. Doch die Batterien kommen bisher meist aus China - das soll sich jetzt ändern.

  • Der Daimler-Betriebsratchef fordert für Stuttgart eine eigene Batteriezellen-Produktion.
  • Die Daimler AG setzt verstärkt auf E-Autos und baut dazu bereits Batterien in Sachsen.
  • Bislang bezieht der Konzern seine Batterien häufig von chinesischen Zulieferern.

Stuttgart - Die Daimler AG versucht mit allen Mitteln, mit der Entwicklung von Elektroautos Schritt zu halten. Auf die Coronakrise hatte Daimler mit drei neuen Modellen reagiert. Allerdings handelte es sich dabei um Plug-in-Hybride, also keine reinen Elektrofahrzeuge. Um Fahrzeuge der Daimler-Tochter Mercedes-Benz oder von Smart allerdings komplett selbst produzieren zu können, fehlt dem Konzern aus Stuttgart noch das nötige Know-How. Die Batteriezellen kommen deshalb - wie bei anderen deutschen Fahrzeugherstellern auch - aus China.

Die Daimler AG hatte deshalb bereits eine stärkere Kooperation mit dem Batteriehersteller Farasis aus China angekündigt. Für den Smart hat Daimler sogar noch drastischere Pläne. Das Auto wird es künftig nur noch mit Elektroantrieb geben. Außerdem wird der Smart künftig komplett in China produziert, weshalb Daimler ein Werk in Frankreich verkauft. Trotz dieser Pläne will sich Daimler allerdings unabhängiger von Zulieferern aus China machen. Wie ecomento berichtet, soll die sächsische Daimler-Tochter Accumotive bald über 500.000 Lithium-Ionen Batteriesysteme pro Jahr herstellen können. Jetzt fordert der Daimler-Betriebsrat: Auch in Stuttgart-Untertürkheim sollen künftig Batteriezellen gebaut werden.

Daimler Betriebsrat: Produktion von Batteriezellen für Elektro-Modelle auch in Stuttgart

Neben einer wachsenden Unabhängigkeit von chinesischen Zulieferern hätte ein weiterer Standort für die Batteriezellen-Herstellung für Michael Häberle, Betriebsratschef des Motoren-Standorts Untertürkheim, noch weitere Vorteile. „Die Zelle selbst bringt zwar nur wenig Beschäftigung, aber sie bringt Know-How und wirkt wie ein Magnet für weitere Produkte“, so Michael Häberle gegenüber Automobilwoche. Ihm gehe es auch um Alternativen zur klassischen, durch die E-Mobilität an Bedeutung verlierenden Motorenfertigung in Untertürkheim.

Der Daimler-Betriebsratschef fordert eine eigene Batteriezellen-Produktion für Stuttgart.

„Als Leitwerk und Kompetenzzentrum für Daimlers Antriebstechnologien benötigen wir in Untertürkheim auch Bewertungs- und Beurteilungskompetenz bei der Batteriezelle. Dazu gehört auch, eine Zelle serientauglich selbst produzieren zu können“, sagte Michael Häberle der Automobilwoche. Die Partnerschaft mit Unternehmen wie Farasis spielt für die Zukunft trotzdem eine wichtige Rolle. „Wir wollen im Bereich der Batterietechnologie führend sein. Dazu kombinieren wir unsere eigene Forschungs- und Entwicklungskompetenz jetzt mit der Expertise starker Partner“, erklärt Markus Schäfer, verantwortlich für die Daimler-Konzernforschung, gegenüber Automobilwoche.

Späte Erkenntnis von Daimler: Kehrtwende bei der Herstellung eigener Batteriezellen

Aussagen wie die von Markus Schäfer zeigen, dass die Daimler AG die Entwicklung eigener Elektrofahrzeuge inzwischen sehr ernst nimmt. Denn erste Anläufe, Batterien selbst herzustellen, hatte der Konzern aus Stuttgart relativ schnell wieder begraben. 2015 wurde die Produktion wegen zu geringer Auslastung und zu hoher Kosten eingestellt, so ecomento.

Inzwischen hat aber auch Daimler mit seinen Marken Mercedes-Benz und Smart erkannt, dass sie in Zukunft deutlich mehr Elektroautos verkaufen könnten, was die eigene Batterieherstellung wieder lohnenswert machen würde. Eine Reaktion vom Daimler-Vorstand auf die Forderung des Betriebsratschefs Michael Häberle gibt es bislang allerdings noch nicht.

Rubriklistenbild: © HOMAS KIENZLE / AFP

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