Aston Martin

Daimler steigt mit Mercedes im großen Stil bei Luxus-Automarke ein

  • Valentin Betz
    vonValentin Betz
    schließen

Die Daimler AG baut den Einfluss von Mercedes auf Aston Martin aus. Im Gegenzug erhält der britische Luxuswagenhersteller Zugang zu Technologien der Daimler-Tochter.

Stuttgart/Gaydon - Die Autoindustrie ist im stetigen Wandel, das trifft auch auf die Daimler AG zu. Zuletzt hatte der Fahrzeughersteller aus Stuttgart mit zwei drängenden Problemen zu kämpfen. Die Kombination aus dem Coronavirus auf der einen und Strukturwandel zur E-Mobilität auf der anderen Seite brachte den Konzern in Bedrängnis.

Im dritten Quartal konnte Daimler wieder Erfolgszahlen melden, die allerdings trügerisch sind. Experten glauben, dass die Autoindustrie die Corona-Krise noch nicht überstanden hat. Aber auch darüber hinaus herrscht bei den Fahrzeugherstellern weltweit kein Stillstand, was sich nicht zuletzt auch an Beteiligungen ablesen lässt.

Zuletzt wollte beispielsweise ein US-Konzern für eine Milliarde Euro eine Sparte von Daimler abkaufen. Gleichzeitig korrigiert die Daimler AG auch immer wieder ihre Strategie, zuletzt bei der Daimler-Tochter Mercedes-Benz. Ein Beispiel dafür sind Mobilitätsangebote. Dort gibt Mercedes eine Technologie auf und überlässt sie der US-Konkurrenz. Im Gegenzug stößt Daimler mit Mercedes in andere Bereiche vor: Der Konzern will weitere Anteile am britischen Luxuswagenhersteller Aston Martin Lagonda kaufen.

Daimler steigt mit Mercedes bei Aston Martin ein - der britische Fahrzeughersteller befindet sich in einer Krise

Aston Martin befand sich zuletzt in der Krise. Der britische Hersteller von Luxusautos war 2018 an die Börse gegangen, doch der Aktienkurs ging rapide bergab - von anfänglich 1.900 Pence auf nur noch 50 Pence. Das macht eine weitere Beteiligung für Daimler natürlich günstig. Hinzu kommt, dass auch Aston Martin nicht von der Corona-Pandemie verschont blieb.

Im dritten Quartal lag der Umsatz von Aston Martin mit 124 Millionen Pfund knapp die Hälfte unter den Erlösen im Vorjahreszeitraum - Daimler konnte zuletzt bessere Zahlen vorweisen. Der Verlust vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen und Sonderposten betrug 29 Millionen Pfund nach einem operativen Gewinn von 43 Millionen Pfund vor Jahresfrist. Bis zum Jahr 2025 soll der Umsatz nun auf 2 Milliarden Pfund stark zulegen, das operative Ergebnis auf rund 500 Millionen Pfund.

Daimler-Tocher Mercedes-Benz steigt bei Aston Martin ein. Der britische Hersteller bringt bald einen SUV auf den Markt, der den Konzern aus der Krise führen soll.

Damit das gelingt, hatte sich Aston Martin wieder am Kapitalmarkt bedient und weitere Aktien für insgesamt 125 Millionen Pfund ausgegeben. Mit Fremdkapitel über 1,1 Milliarden Pfund will der Hersteller von Luxusautos zudem fällig werdende Schulden bedienen.

Daimlers Einstieg bei Aston Martin: Mercedes-Benz bekommt Anteile, der britische Hersteller Zugang zu Technologie

Die Daimler AG scheint offenbar an die Wirkung der Maßnahmen von Aston Martin zu glauben. Mit Tochter Mercedes-Benz stockt der Konzern seine Akienanteile von derzeit 2,6 Prozent auf maximal 20 Prozent auf. Dazu erhält der Konzern aus Stuttgart in den kommenden drei Jahren neu auszugebende Aktien von Aston Martin in mehreren Schritten bis zu einem Gesamtwert von 286 Millionen britischen Pfund (315 Mio Euro).

Aston Martin erwartet dafür auch eine Gegenleistung von Daimler. Die Briten bekommen dafür unter anderem Hybrid- und Elektroantriebsstränge der nächsten Generation sowie andere Fahrzeugkomponenten und -systeme. Daimler will die Wende zu mehr E-Mobilität auch mittels neuer Hybrid-Modelle schaffen. Dazu will Daimler das größte Problem von Hybrid-Autos lösen.

Die Verbindung zwischen Mercedes-Benz und Aston Martin herrscht indirekt dabei schon länger. Aston Martin wurde im Frühjahr von einem Konsortium um den kanadischen Milliardär und Formel-1-Magnaten Lawrence Stroll über eine Finanzspritze gerettet. Seitdem sitzt der Ex-Chef der Mercedes-Tuning-Tochter AMG, Tobias Moers, als Vorstandschef bei den Briten.

Rubriklistenbild: © Max Earey/Aston Martin

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare