„Nicht ratsam, nur auf einem Bein zu stehen“

Winfried Kretschmann macht vernichtende Vorhersage über E-Autos

Eine Fotomontage zeigt das Elektroauto „Concept EQ“ von Daimler als Hintergrundbild, oben links ist Ministerpräsident Winfried Kretschmann zu sehen.
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Daimler AG: Kretschmann macht vernichtende Vorhersage zu E-Autos.
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Die Daimler AG konzentriert sich verstärkt auf die E-Mobilität und das E-Auto. Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) glaubt nicht, dass sich die Technologie so schnell durchsetzen wird.

Stuttgart - Die meisten großen Automobilhersteller setzen schon seit Längerem auf die E-Mobilität. Die Technologie wird oftmals als „Zukunft" des Antriebs bezeichnet und soll auch die starke CO2-Belastung senken. Auch die Daimler AG mit Sitz in der Landeshauptstadt Stuttgart will ihren Fokus nun nahezu vollständig auf E-Autos richten. Obwohl Daimler-Chef Ola Källenius diesen Schritt bereits vor einiger Zeit angekündigt hatte, sind die Stuttgarter in diesem Bereich der Konkurrenz hinterher. Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) ist der Meinung, dass sich die Elektro-Technologie so schnell nicht durchsetzen wird, wie die Deutsche Presse-Agentur (dpa) am Freitag mitteilte.

Im Zuge der Transformation kündigte die Daimler AG erst kürzlich an, mehrere Standorte umstellen zu wollen. Betroffen ist unter anderem das sogenannte „Leitwerk" in Untertürkheim, dass in Zukunft auf die Produktion von Batterien für die E-Mobilität umgestellt werden soll. Damit will Daimler eines der wichtigsten deutschen Werke massiv eindampfen. Auch der älteste noch aktive Standort des Unternehmens in Berlin-Marienfelde stellt nach 118 Jahren seine Produktion ein. Winfried Kretschmann ist jedoch der Meinung, dass die Transformation noch einige Jahre benötigen wird.

Daimler AG: Fokus auf die E-Mobilität - Kretschmann hält schnellen Erfolg für unwahrscheinlich

Die Daimler AG setzt verstärkt auf die E-Mobilität und kündigte an, in Zukunft nicht mehr in den Verbrenner investieren zu wollen. Ministerpräsident Winfried Kretschmann sieht diesen Schritt als zu vorschnell an. „Trotz der ganzen Transformation werden wir auch 2030 noch einen hohen Anteil an Verbrennern und Hybridfahrzeugen haben“, sagte der Regierungschef gegenüber der Wirtschaftswoche. Das Festhalten an den Produktionslinien sichere auch das Überleben der Zulieferer. „Die Deckungsbeiträge beim Verbrenner sind eben ganz anders als beim Elektrofahrzeug“, so Kretschmann.

Für die Daimler AG kommt der Schritt weg vom Verbrenner möglicherweise zur richtigen Zeit. Die EU-Kommission kündigte an, sich stärker auf die CO2-Neutralität konzentrieren wollen. Die EU plant im Zuge dessen sogar den Verbrenner zu verbieten. Kretschmann sieht nach Angaben der dpa jedoch auch strategische Gründe, an den Verbrennermotoren und der Hybrid-Technik festzuhalten. „So lange wir bei den Batterien noch von Asien abhängen, ist es industriepolitisch gesehen nicht ratsam, nur auf einem Bein zu stehen“.

Daimler AG: Laut Kretschmann haben reine Elektrofahrzeuge kritische Ökobilanz

Die Daimler AG setzt bislang nicht ausschließlich auf E-Fahrzeuge. Im Rahmen der Vorstellung der neuen Fernstrecken-LKW von Mercedes-Benz Trucks wurde auch bekannt, dass der Konzern auf eine Doppelstrategie aus Batterie und Brennstoffzelle setzt. Auch Kretschmann ist der Meinung, dass reine E-Autos eine kritische Ökobilanz aufweisen. „Die Elektrifizierung des Verkehrs macht nur Sinn, wenn der Strom aus erneuerbaren Energiequellen kommt“, sagte der Grünen-Politiker nach Angaben der dpa. Von einer solchen Technik sei man jedoch noch weit entfernt. Das gelte besonders auch für Wasserstoff und synthetische Kraftstoffe, die in Zukunft breiter eingesetzt werden sollen. „Denn die brauchen ja noch mehr Energie in der Herstellung".

Erst vor wenigen Wochen stellte die Daimler AG ihr Flaggschiff, die neue S-Klasse, im modernen Werk „Factory 56“ in Sindelfingen vor. Die S-Klasse ist imstande, bis zu 60 Kilometer pro Stunde autonom zu fahren. Dass das autonome Fahren in naher Zukunft zum Standard im Straßenverkehr wird, sieht Kretschmann jedoch ebenfalls skeptisch. Bislang fehle dazu noch die benötigte Infrastruktur. „Dass wir irgendwann bei einer Überlandfahrt das Steuer aus der Hand geben und die Zeitung lesen können, ist noch Zukunftsmusik", erklärte der Regierungschef von Baden-Württemberg nach Angaben der dpa.

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