Bittere Nachricht für Berlin

„Katze ist aus dem Sack“: Daimler-Bündnis in China wird wohl Tausende Mitarbeiter arbeitslos machen

  • Valentin Betz
    vonValentin Betz
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Die Daimler AG setzt eigentlich immer stärker auf E-Autos. Trotzdem baut der Konzern in China nun neue Verbrenner. Besonders im Berliner Werk fühlt man sich deshalb hintergangen.

Stuttgart/Berlin - Die Daimler AG bringt ihre Mitarbeiter immer mehr gegen sich auf. Der Fahrzeughersteller aus Stuttgart treibt den Umstieg auf E-Mobilität voran und muss deshalb sparen. Zum Sparkurs des Konzerns gehört auch, an zahlreichen Standorten der Daimler AG massiv Stellen abzubauen. Auch das Daimler-Werk in Berlin ist mit 2.000 Entlassungen betroffen. Bei insgesamt 2.500 Angestellten kommt das einer Quasi-Schließung gleich. Begründet wurde die Entscheidung von Daimler-Tochter Mercedes-Benz ebenfalls mit der Transformation zur E-Mobilität.

Doch jetzt kündigte die Daimler AG einen neuen Verbrenner an, der in China gebaut wird. Die Belegschaft im Berliner Werk fühlt sich deshalb unfair behandelt - und bangt erst Recht um die Zukunft des gesamten Standorts.

Daimler AG baut Motoren in China - Im Berliner Werk ist damit das Vertrauen verloren

Insgesamt zeigten sich die Daimler-Mitarbeiter „fassungslos“ über den Motorenbau in China. Zwar sollen die neuen Verbrenner auch in Europa gebaut werden. Die Stimmung bei Daimler ist trotzdem am Boden, die Mitarbeiter „zu Tode erschreckt.“

Besonders die Mitarbeiter im Berliner Werk trifft die Entscheidung der Daimler AG hart. „Jetzt ist die Katze aus dem Sack“, sagte der stellvertretende Betriebsratschef Fevzi Sikar dort der Berliner Zeitung. „In Daimlers Strategieplanung kommt Berlin nicht mehr vor.“

Daimler AG: Mit der Herstellung von Verbrennern in China scheint das Schicksal des Werks in Berlin besiegelt.

Dabei hatten die Berliner Mitarbeiter die Daimler-Strategie, auf E-Mobilität zu setzen, eigentlich akzeptiert. Man wisse dort, dass Diesel- und Benzinmotoren nicht zukunftsfähig und die Transformation unumgänglich sei, so die Berliner Zeitung. Durch den Deal mit Aktionär Geely, neue Verbrenner in China zu bauen, fühlt sich die Belegschaft aber hintergangen. „Wir sind nicht gegen das Neue, aber wir wollen Fairness“, so der stellvertretende Betriebsratschef zur Berliner Zeitung.

Nach China-Deal der Daimler AG: Mitarbeiter am Standort Berlin glauben nicht mehr an Erhalt

Wie die Zeitung berichtet, gab es für das Werk in Berlin trotz massivem Stellenabbau noch ein Szenario. Die südliche Hälfte des Werks sollte verkauft werden, während der Rest zu einer Art Campus umfunktioniert werden sollte.

Nach den jüngsten Neuigkeiten glaubt der stellvertretende Betriebsratschef des Berliner Werks auch nicht mehr an dieses Szenario. Für ihn würden die Zusammenhänge „immer klarer“. „Daimler will sich von der Produktion in Berlin verabschieden.“

Rubriklistenbild: © picture alliance/Arno Burgi/dpa

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