Vorwurf der fehlenden Unterstützung

„Habe Depressionen“: Mitarbeiterin wirft Daimler vor, sie unter Druck zu setzen - Konzern streitet ab

Im Werk Rastatt der Daimler AG in Rastatt (Baden-Württemberg) findet am 22.01.2016 an einem Fertigungsband der elektrische Test für den Mercedes-Benz GLA statt.
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Eine Mitarbeiterin des Daimler-Werks in Rastatt klagt über fehlende Unterstützung - aufgrund gesundheitlicher Probleme könne sie nicht mehr am Band arbeiten (Symbolbild).
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Eine Mitarbeiterin der Daimler AG kämpft eigenen Aussagen zufolge mit gesundheitlichen Problemen und fühlt sich unter Druck gesetzt. Der Stuttgarter Autobauer widerspricht den Vorwürfen.

Stuttgart/Rastatt - Die Daimler AG ist einer der bekanntesten Autobauer der Welt und vor allem für die Modelle von Tochter-Unternehmen Mercedes-Benz bekannt. Die Stuttgarter stellten vor wenigen Wochen das vollelektrische Flaggschiff EQS vor und setzen insgesamt stark auf E-Mobilität. Im Zuge der Transformation baute der Konzern an Standorten weltweit massiv Stellen ab, was bei den Mitarbeitern zu Frust und Zukunftsangst führt. Auch in Bezug auf den Umgang mit der Corona-Pandemie gab es einige Kritik. Daimler-Mitarbeiter erhoben schwere Vorwürfe und berichteten, der Konzern würde zu wenig unternehmen, um die Angestellten vor einer Infektion zu schützen. Die Daimler AG selbst widersprach und verwies auf die umfassenden Hygienemaßnahmen in den Werken.

Nun erhob eine Mitarbeiterin der Daimler AG schwere Vorwürfe gegen den Autobauer aus der Landeshauptstadt Stuttgart. Sie fühlt sich unter Druck gesetzt, da sie trotz gesundheitlicher Probleme keine Unterstützung von ihrem Arbeitgeber erhalte, berichten die Badischen Neuesten Nachrichten. Ihr sei nahegelegt worden, trotz Schmerzen weiter am Band zu arbeiten oder den Konzern zu verlassen, erzählt sie. Der Stuttgarter Autobauer und auch Gewerkschafter widersprechen den Anschuldigungen.

Daimler AG: Mitarbeiterin klagt über fehlende Unterstützung - „das kann ich nicht“

Die Daimler AG ist einer der wichtigsten Arbeitgeber in der Region Stuttgart und in ganz Baden-Württemberg. Im „Ländle“ sind die Angestellten besonders stolz, „beim Daimler“ oder in Baden „beim Benz“ zu arbeiten. Auch die Gehälter beim großen Autobauer können sich insgesamt sehen lassen. Doch immer wieder klagen Angestellte über eine unfaire Behandlung innerhalb des Konzerns. Daimler provozierte kürzlich mit einer fragwürdigen Strategie. Eine interne Plattform soll Mitarbeiter, deren Stellen entfallen, auffangen. Viele sehen darin jedoch nur eine „Resterampe“ und ein Mittel, unliebsame Angestellte loszuwerden. Auch eine Mitarbeiterin im Daimler-Werk in Rastatt klagt über fehlende Unterstützung ihres Arbeitgebers.

Die Mitarbeiterin der Daimler AG am Standort in Rastatt habe bereits seit 20 Jahren gesundheitliche Probleme, schildert sie den Badischen Neuesten Nachrichten. Alles habe damals mit einem Bandscheibenvorfall angefangen. Die langjährige Angestellte des Autobauers sei bereits in verschiedenen Bereichen im Werk eingesetzt worden, darunter auch am Band. Eine solche Tätigkeit sei aufgrund ihres schmerzenden Rückens nicht mehr möglich. „Ich konnte mich teilweise nicht mehr bewegen“, schildert sie die Probleme gegenüber der Zeitung. Ihr Arbeitgeber, die Daimler AG, habe ihr zunächst Tätigkeiten zugewiesen, zu denen sie körperlich fähig sei. Nach Ablauf dieser Projekte soll sie nun jedoch wieder zurück ans Band. „Das kann ich nicht“, sagt sie.

Daimler AG: Hoher physischer Druck vom Arbeitgeber? „Ich habe Depressionen“

Laut den Badischen Neuesten Nachrichten wurde der Mitarbeiterin der Daimler AG am Standort Rastatt vom Landratsamt bereits vor einigen Jahren eine Schwerbehinderung anerkannt. Der Stuttgarter Konzern habe ihr nahelegt, in Altersteilzeit zu gehen, berichtet sie. Das sei aufgrund ihrer ohnehin geringen Rentenansprüche keine Option. Aufgrund des physischen Drucks sei sie inzwischen seit einem Jahr krankgeschrieben. „Ich habe Depressionen“, sagt sie der Zeitung. Bei ihrer Rückkehr in das Daimler-Werk hofft sie statt einem Job am Band einen „leistungsgerechten Job als Sachbearbeiterin“ zu erhalten. In ihrer Zeit beim schwäbischen Autobauer habe sie mehrere Kollegen kennengelernt, die ähnliche Probleme hatten. „Ich bin kein Einzelfall.“

Die Daimler AG und die Gewerkschaft widersprechen den Vorwürfen. Laut seinen Erfahrungen bemühe sich der Konzern stets, in solchen Fällen alternative Tätigkeiten für die Betroffenen zu finden, sagte Bodo Seiler, Gewerkschaftssekretär bei der IG Metall in Gaggenau laut den Badischen Neuesten Nachrichten. „Das hat nicht System“, sagt er in Bezug auf die Anschuldigungen der Mitarbeiterin. Ein solches Verfahren könne jedoch ein langwieriger Prozess sein. „Die Anzahl der Arbeitsplätze, die für Menschen mit einer Einsatzbeschränkung geeignet sind, werden immer weniger“, so Seiler. Gebe es keine Alternative, könne es im schlimmsten Fall zu Kündigungen kommen.

Laut der Daimler AG wird „gemeinsam mit dem Mitarbeiter nach einer alternativen Lösung gesucht“

In einer Stellungnahme der Daimler AG zu den Vorwürfen der Mitarbeiterin am Standort in Rastatt heißt es: „Wo immer möglich, wird der Mitarbeiter wieder auf seinem angestammten Arbeitsplatz eingesetzt“, wie die Badischen Neuesten Nachrichten berichten. Sei das aus gesundheitlichen Gründen nicht möglich, werde „gemeinsam mit dem Mitarbeiter nach einer alternativen und einvernehmlichen Lösung gesucht“. Zudem gebe es einen fest etablierten Prozess, um insbesondere schwerstbehinderte Mitarbeiter beschäftigen und gegebenenfalls wieder integrieren zu können. Auch speziell im Werk Rastatt gebe es „ein etabliertes betriebliches Eingliederungs-Management“, heißt es in der Stellungnahme.

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