Neue Kooperation

Daimler investiert über 100 Millionen Euro in längst vergessene Alternative zum E-Auto

  • Marleen van de Camp
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Die Daimler AG investiert mehr als 100 Millionen Euro in die Forschung zu einer Alternative zum E-Auto. Einst galt der Konzern hier sogar als Spitzenreiter.

  • Die Daimler AG investiert mehr als 100 Millionen Euro in die Forschung zum Wasserstoffantrieb - eine Alternative zum E-Auto.
  • Andere Fahrzeughersteller wie VW und Porsche haben sich aus verschiedenen Gründen von der Idee eines Wasserstoffantriebs verabschiedet.
  • Daimler will die Technik vorerst auch gar nicht in Autos einsetzen, sondern in einem ganz neuen Feld.

Update vom 4. November: Laut Angaben der Deutschen Presse-Agentur (dpa) sind die Daimler AG und die Volvo Group bei ihren Plänen für die gemeinsame Entwicklung von Brennstoffzellensystemen für Lastwagen ein gutes Stück weiter vorangeschritten. Für die bereits im April 2020 angekündigte Kooperation sei nun eine gültige Vereinbarung unterschrieben worden, wie die Konzerne aus Stuttgart und Göteborg (Schweden) am Montag bekannt gaben.

Die Produktion von schweren Brennstoffzellen-Lastwagen für den Fernverkehr soll in der zweiten Hälfte des Jahrzehnts in Serie gehen. Die Daimler AG hat die Aktivitäten seit der Ankündigung in einem Tochterunternehmen gebündelt. Volvo wird dabei die Hälfte der Kosten (rund 600 Millionen Euro) übernehmen. Die Transaktion soll im ersten Halbjahr 2021 abgeschlossen sein, die Behörden müssen jedoch noch zustimmen, wie die dpa weiter berichtet.

Erstmeldung: Stuttgart/Friedrichshafen –Bereits im April kündigte die Daimler AG eine Kooperation mit Volvo an. Der Fahrzeughersteller mit Sitz in der Landeshauptstadt Stuttgart plant, zusammen mit dem Autobauer aus Göteborg an Wasserstoffantrieben zu forschen - einer Alternative zum E-Auto.

Daimler gab in einer Pressemitteilung eine zweite Kooperation auf diesem Gebiet bekannt: In Zusammenarbeit mit der Rolls Royce Power Systems AG, einem Anbieter von Antriebssystemen mit Sitz in Friedrichshafen, will Daimler Brennstoffzellen, die auf Wasserstoff basieren, auch außerhalb der Automobilbranche einsetzen.

Die Daimler AG will der führende Hersteller von E-Autos werden. Der Betriebsrat hält das für einen Fehler.

Die Daimler AG glaubt an die Brennstoffzelle – vorerst aber nicht für Pkw

Die Daimler AG, die in mehrere Tochterunternehmen aufgeteilt ist, glaubt an die wasserstoffbetriebene Brennstoffzelle, obwohl Fahrzeughersteller wie VW und die Porsche AG davon Abstand nehmen. Wasserstoff sei „auf absehbare Zeit zu teuer“ und könne „nicht mit nachhaltiger Energie hergestellt werden“, sagte Wolfgang Porsche, Aufsichtsratschef der Porsche AG und VW-Aufsichtsratsmitglied erst im März, wie die dpa berichtet. VW und Porsche setzen auf das E-Auto. Auch die Daimler AG, die seit 1997 in Stuttgart an Wasserstoffantrieben forscht, weiß, dass wasserstoffbetriebene Brennstoffzellen für Pkw unrealistisch sind – zumindest in den nächsten Jahren.

Daimler und Volvo investieren neunstellige Beträge in die Forschung – führt das zum Durchbruch?

Der Fahrzeughersteller konzentriert sich darum vorerst auf Wasserstoffantriebe für die Unternehmenssparte Daimler Trucks. Für Lkw, die weite Strecken fahren, sind Akkus, wie sie im E-Auto verwendet werden, nicht geeignet. Trotzdem müssen auch Lastwagen ihre CO2-Emissionen deutlich senken, um die Klimaschutz-Vorgaben der EU zu erfüllen.

Das will die Daimler AG mit Hilfe von Wasserstoffantrieben erreichen. Daimler und Volvo werden jeweils neunstellige Beträge – mehr als 100 Millionen Euro – in die Forschung investieren. In der zweiten Hälfte dieses Jahrzehnts wollen die Automobilhersteller aus Stuttgart und Göteborg Busse und Trucks mit Wasserstoffantrieb auf die Straßen bringen.

Bis es soweit ist, werden also noch Jahre vergehen. Aber vielleicht gelingt der Daimler AG durch diese hohe Investition ja auch ein Durchbruch im Bereich der Brennstoffzellenforschung, sodass sie auch für Personenwagen rentabel wird. Auch in anderen Bereichen arbeitet der Fahrzeughersteller aus Stuttgart sehr innovativ. Die Daimler AG hat zum Beispiel einen Weg gefunden, mit dem Pakete schneller ausgeliefert werden können. Dennoch hält der Betriebsratschef die Daimler AG für massiv bedroht: 95 Prozent der Jobs hängen an einem Bereich, den die Regierung zum Scheitern verurteilt hat. Der Batteriekonzern Varta bekommt nun eine Förderung von 300 Millionen Euro - damit könnte er die sterbende Autoindustrie retten.

Rubriklistenbild: © Daimler AG

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