Daimler in der Krise

Tausende Jobs bedroht: Daimler will eines der wichtigsten deutschen Werke massiv eindampfen

Im Werk Rastatt der Daimler AG werden an einem Mercedes-Benz GLA die Reifen angebracht.
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Daimler AG: Konzern will eines der wichtigsten deutschen Werke eindampfen - Tausende Jobs bedroht (Symbolbild).
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    vonJulian Baumann
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Die Daimler AG hat seit längerer Zeit mit Problemen zu kämpfen. Nun soll auch eins der wichtigsten Werke in Deutschland eingedampft werden - in Untertürkheim bei Stuttgart, wo sich auch die Zentrale des Autoherstellers befindet.

Stuttgart - Die Daimler AG mit Sitz in der Landeshauptstadt Stuttgart hat seit einiger Zeit mit massiven Problemen zu kämpfen. Die Auswirkungen des Coronavirus in Baden-Württemberg zwangen den weltbekannten Konzern dazu, einen noch strengeren Sparplan zu fahren als von CEO Ola Källenius ursprünglich vorgesehen. Die Folgen des Sparplans zeigen sich nun auch an einem der wichtigsten Standorte des Automobilherstellers. Eine Produktionsstätte in Stuttgart-Untertürkheim soll die Produktion nun zum großen Teil ins Ausland verlegen. Dadurch sind tausende Jobs in Gefahr. Im Stuttgarter Stadtteil Untertürkheim befindet sich auch die Hauptzentrale der Daimler AG.

Daimler AG: Produktion in Untertürkheim zu teuer - Tausende Jobs könnten wegfallen

Nach Angaben der Stuttgarter Nachrichten (StN) ist der Betriebsrat der Daimler AG aktuell in Verhandlungen mit dem Unternehmen. Das geht aus einem internen Schreiben an die Mitarbeiter des Konzerns hervor, wie die Zeitung berichtet. Laut dem Brief sollen am Standort Untertürkheim bis zum Jahr 2025 rund 4.000 Stellen wegfallen. Grund für den drastischen Schritt am Hauptstandort des Fahrzeugherstellers sei, dass das Werk der Daimler AG schlichtweg zu teuer sei. Erst vor wenigen Tagen legte der Konzern einen Streit in den USA mit einer Zahlung von rund zwei Milliarden Euro bei. Durch ein erstes rechtskräftiges Urteil ist Daimler nun auch verpflichtet, einem Kunden den Großteil des Kaufpreises einer Mercedes C-Klasse zu erstatten.

Um die Kosten des Werks in Untertürkheim zu senken, plant die Daimler AG laut Angaben der StN, den Großteil der Produktion ins Ausland zu verlagern. Auch andere bereits bestätigte Produktionsschritte sollen nun nicht mehr in dem Stuttgarter Stadtteil ausgeführt werden. Der Betriebsrat zeigt sich von den Forderungen jedoch überrascht. „Das entspricht weder unseren Vereinbarungen noch dem Leitwerkgedanken“, kritisieren die Vertreter nach Angaben der StN in dem Schreiben an die Mitarbeiter.

Daimler AG: Werk in Untertürkheim soll künftig Entwicklungsstandort für E-Mobilität werden

Das Werk der Daimler AG in Untertürkheim konzentriert sich noch immer auf die Produktion von Verbrennungsmotoren, das soll sich in Zukunft jedoch ändern. Obwohl der Autohersteller erst kürzlich meldete, bei den neuen Fernverkehrs-Lastwagen auf eine Doppelstrategie aus Batterie und Brennstoffzelle zu setzen, steht die E-Mobilität inzwischen an erster Stelle. Auch an dem Standort in Untertürkheim sollen künftig Batteriezellen gefertigt werden. Der Vorschlag aus der Daimler-Zentrale ist laut Betriebsrat jedoch „ein Katalog voller Provokationen, der für uns nicht infrage kommt“, wie die StN berichten.

Auf Anfrage der Stuttgarter Nachrichten teilte die Daimler AG mit, dass die Produktion für Antriebstechnologie am Standort Untertürkheim auf „Electric First“ ausgerichtet werde. Deshalb müsse man auch strukturelle und personelle Veränderungen vornehmen, um die Kapazitäten und Produktionsumfänge entsprechend neu auszurichten. „Für den Standort Untertürkheim sowie die anderen Powertrain-Standorte werden Wege zur Umstellung der Wertschöpfung im Rahmen der Transformation erarbeitet“, heißt es aus der Zentrale des Fahrzeugherstellers.

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