Umstellung auf E-Mobilität

„Gezielt ausbluten“: Daimler sorgt bei Mitarbeitern für Fassungslosigkeit - Massen-Entlassungen drohen

  • Julian Baumann
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Die Daimler AG mit Sitz in Stuttgart plant große Veränderungen bei den Werken in Untertürkheim und Berlin. Bei den Mitarbeitern sorgt die Ankündigung für Wut und Fassungslosigkeit.

Stuttgart - Die Daimler AG mit Hauptsitz in der Landeshauptstadt Stuttgart kündigte an, ihren Fokus nahezu ausschließlich auf die E-Mobilität zu legen. Obwohl CEO Ola Källenius diesen Schritt schon seit längerer Zeit geplant hatte, ist der Autobauer der Konkurrenz in diesem Bereich hinterher. Der Konzern gab erst kürzlich in Berlin bekannt, dass man nicht mehr in den Verbrennungsmotor investieren wolle. Da die Produktion von E-Fahrzeugen mit deutlich weniger Ressourcen und Arbeitsschritten möglich ist, wird in den Werken auch weniger Personal benötigt. Durch die Umstellung sind Tausende Jobs in Gefahr.

Erst kürzlich wurde bekannt, dass die Daimler AG eines der wichtigsten Werke in Deutschland eindampfen wird. Der Standort in Stuttgart-Untertürkheim, wo sich auch die Zentrale des Autoherstellers befindet, soll künftig Batterien für die E-Mobilität herstellen. Das sogenannte „Leitwerk" arbeitete bislang an den gängigen Verbrennermotoren, durch den Wegfall der Produktion sind Tausende Jobs in Gefahr. Nach 118 Jahren stellt Daimler auch die Produktion in einem Berliner Werk ein. Die Fabrik in Berlin-Marienfelde ist der älteste noch aktive Standort des Konzerns. Bei den Mitarbeitern stoßen diese Pläne auf Widerstand.

Daimler AG: Konzern stellt nach 118 Jahren Produktion in Berliner Werk ein (Symbolbild).

Daimler AG: Fokus aus E-Mobilität - Mitarbeiter und Betriebsrat befürchten Schließung ganzer Werke

Die Umstellung auf die E-Mobilität kommt für die Daimler AG möglicherweise zur richtigen Zeit. Die EU-Kommission will den CO2-Ausstoß reduzieren und plant ein Verbot des Verbrenners. Ein Albtraum für den Stuttgarter Fahrzeughersteller. Für die Mitarbeiter der betroffenen Werke ist das sicherlich kein Trost. Am Standort Untertürkheim sollen bis 2025 rund 4000 der insgesamt 19.000 Arbeitsplätze wegfallen, wie der Betriebsrat in einer Mitteilung an die Belegschaft mitteilte. Auch beim Mercedes-Benz-Werk in Berlin-Marienfelde sind die 2.500 Stellen durch die Umstellung auf Elektroautos in Gefahr.

Im Rahmen der Ankündigungen aus der Zentrale der Daimler AG regt sich bei den Mitarbeitern Widerstand. „Steht das Werk vor dem Aus?“, fragte die Gewerkschaft IG Metall und der Betriebsrat in einer Mitteilung in Bezug auf das Werk in Berlin, wie der Spiegel berichtete. Laut der Mitteilung sei ein Investitionstopp, die Stilllegung der Produktion und eine Verlagerung von Produktionsschritten ins Ausland vorgesehen. Eine ähnliche Vorhersage traf die Konzern-Führung auch für das Leitwerk in Untertürkheim.

Daimler AG: Nach Ankündigungen - Betriebsrat, Gewerkschaft und Mitarbeiter wollen sich zur Wehr setzen

Bei der Belegschaft der Daimler AG lösen die Ankündigungen Wut und Fassungslosigkeit aus. „Es macht überhaupt keinen Sinn, ein dermaßen gut etabliertes Werk mit seinem ganzen Know-how gezielt ausbluten lassen zu wollen“, sagte IG-Metall-Vorsitzender Michael Rahmel nach Angaben des Spiegel. „Dagegen werden wir uns mit allen Beschäftigten und mit der IG Metall zur Wehr setzen“.

Auch Jan Otto von der IG Metall in Berlin kritisierte das Vorgehen der Daimler AG-Führung in Stuttgart. „Es kann doch nicht angehen, dass Tesla keine 50 Kilometer vom Mercedes-Benz-Werk Berlin entfernt ein ganz neues Werk mit 10.000 Arbeitsplätzen baut - und dem Daimler-Management fällt gleichzeitig nicht mehr ein, als vor der Zukunft zu kneifen und sein ältestes produzierendes Werk hier dichtmachen zu wollen“, so Otto laut dem Spiegel.

Laut der Daimler AG sind keine Werk-Schließungen geplant - „Es wird weiter Investitionen geben“

Nach dem Widerstand der Belegschaft meldete sich auch das Management der Daimler AG zu Wort. Man habe nicht vor, dass Werk in Berlin vollständig zu schließen, sagte eine Sprecherin des Stuttgarter Konzerns nach Angaben des Spiegel. „Es wird auch in den Standort Berlin weiter Investitionen geben“. Der Anteil in konventionelle Antriebe werde ebenfalls nicht vollständig eingestellt, sondern auf ein Minimum reduziert. Die Investition in CO2-neutrale Technologien und Digitalisierung soll dagegen deutlich steigen. Zu einem möglichen Stellenabbau und dem Ausmaß eines solchen äußerte sich die Sprecherin laut dem Spiegel nicht.

Die Daimler AG hat seit längerer Zeit mit massiven Problemen zu kämpfen. Durch die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Wirtschaft verfolgt der Konzern einen strengen Sparplan. Durch die Verluste sind nicht nur bei dem Autobauer aus der Landeshauptstadt viele Stellen gefährdet, die Auswirkungen reisen auch Zulieferer in die Krise. Daimler-Zulieferer Mann + Hummel schloss nach 70 Jahren sein Stammwerk in Ludwigsburg. Dadurch verloren 400 Mitarbeiter ihre Arbeit. Mit Mahle steckt auch ein weiterer Daimler-Zulieferer in der Krise. Bei dem Stuttgarter Unternehmen werden weltweit 7.600 Stellen wegfallen.

Rubriklistenbild: © Silas Stein/picture alliance

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