Protest in Berlin

„Wir wollen nicht rasiert werden“: Bei Daimler brodelt es - Mitarbeiter legen Werk lahm

Hunderte Mitarbeiter des Mercedes-Benz-Werks in Berlin-Marienfelde haben die Arbeit niedergelegt und demonstrieren für den Erhalt ihrer Arbeitsplätze.
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Am Mittwoch versammelten sich Mitarbeiter der Daimler AG in Berlin zum Protest gegen den Stellenabbau.
  • Julian Baumann
    vonJulian Baumann
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Die Lage am Berliner Werk der Daimler AG bleibt weiter sehr angespannt. Die Mitarbeiter demonstrierten am Mittwoch gegen den Stellenabbau - und legten die Produktion lahm.

Stuttgart/Berlin - Die Daimler AG baut im Zuge der Umstrukturierung auf die E-Mobilität Tausende Stellen in ganz Deutschland ab. Seit der Meldung, dass der Autobauer aus der Landeshauptstadt Stuttgart die Produktion von Verbrennern im ältesten deutschen Werk nach 118 Jahren einstellen wird, regt sich massiver Widerstand.

Die Daimler-Mitarbeiter sind entsetzt über die Quasi-Schließung des Werks in Berlin. Durch die Umstellung der Produktion auf E-Autos sollen in Marienfelde rund 2.000 Stellen entfallen.  

Die Daimler AG will mit einer Milliarde Euro zwar doch noch Jobs in Deutschland retten, die Situation am Werk in Berlin spitzt sich jedoch weiter zu. Am Mittwoch demonstrierten die Mitarbeiter der Fabrik erneut gegen die Pläne des Vorstands um CEO Ola Källenius, wie die Berliner Zeitung berichtet. Am Mittwoch standen im ältesten noch aktiven Werk der Daimler AG alle Bänder still. Die verzweifelten Mitarbeiter hatten ihren Streik bereits im Vorfeld für den 9. Dezember angekündigt.

Daimler AG: Mitarbeiter protestieren gegen Produktionsstopp – „Zukunft oder Widerstand“

Vor dem Werk der Daimler AG im Berliner Stadtteil Marienfelde kam es bereits vor einigen Tagen zu einem Protest der Mitarbeiter. Für ganz besonderen Unmut sorgte der Weggang des bisherigen Werksleiters zum US-Konkurrenten Tesla. Am Mittwoch versammelten sich laut Schätzungen der Berliner Zeitung mehr als eintausend Beschäftige vor den Toren des Traditionswerks. Der Protest richtete sich gegen den geplanten Stellenabbau, der durch den Wegfall der Produktion von Verbrennern entstehen soll.

Die Beschäftigten der Daimler AG machten am Mittwoch in Berlin ihren Standpunkt mit einem Demo-Zug deutlich. Hinter einem fahrbahnbreiten Transparent mit der Aufschrift „Zukunft oder Widerstand“ versammelten sich die Mitarbeiter und zogen von der Daimlerstraße bis zum U-Bahnhof Alt-Mariendorf, wie die Berliner Zeitung berichtet. Der Protest richtete sich nicht nur an die Konzernführung in Stuttgart, die Entscheidung sei auch direkt in Berlin getroffen worden.

Daimler AG: Mitarbeiter legen Produktion lahm - „Überraschungsgast“ unterstützt Protest

Die Produktion im ältesten deutschen Werk der Daimler AG stand am Mittwoch vom Beginn der Frühschicht bis weit in die Spätschicht still. Auch Sadik Pehlivan, der seit 22 Jahren bei Daimler in Berlin als Instandhaltungsmechaniker arbeitet, war an diesem Tag auf der Straße statt seiner Arbeit nachzugehen. Er habe bereits als Lehrling in dem Traditionswerk des Stuttgarter Autobauers angefangen, sagte er der Berliner Zeitung. Er wisse zwar, dass die Getriebeteile, Nockenwellen und Dieselmotoren, die aktuell noch in Marienfelde gefertigt werden, keine Zukunft hätten, er wolle jedoch noch weitere 20 Jahre in der Fabrik arbeiten. „Wir wollen neue Produkte und nicht rasiert werden“, sagte Pehlivan der Berliner Zeitung.

Die Stilllegung der Produktion in Berlin, brachte am Mittwoch nicht nur Mitarbeiter der Daimler AG auf die Straßen. Laut der Berliner Zeitung marschierten auch die Bezirksbürgermeisterin Angelika Schöttler (SPD) und der CDU-Landesvorsitzende Kai Wegner neben den Funktionären der Gewerkschaft IG Metall in der ersten Reihe. Und auch ein „Überraschungsgast“ sprang der Belegschaft zur Seite: Die Mitarbeiter sollten die Akteure der Transformation sein, „nicht die Leidtragenden“, sagte Kevin Kühnert, stellvertretender Bundesvorsitzender der SPD.

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