Wichtige Sparte des Autobauers

Daimler bereitet „Kahlschlag“ vor: 15.000 Jobs gefährdet

  • Valentin Betz
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Die Daimler AG plant abermals einen radikalen Stellenabbau. Diesmal ist jedoch eine andere Sparte des Konzerns betroffen: Daimler Trucks.

Stuttgart - Die Daimler AG stellt momentan die Weichen für die Zukunft des Konzerns. Der Fahrzeughersteller aus Stuttgart will voll auf E-Mobilität und Software setzen. Dabei wird häufig vergessen, dass Daimler nicht nur für Autos steht.

Die Daimler-Tochter Mercedes-Benz stellt auch diverse Nutzfahrzeuge her. Insgesamt ist die Unternehmensstruktur von Daimler dreigliedrig. Neben Mercedes-Benz gehören auch die Sparten Mobility und Trucks dazu. Bei den Trucks - immerhin mit dem zweitgrößten Anteil am Umsatz des Konzerns - droht jetzt offenbar ebenso wie in anderen Bereichen der Daimler AG ein Stellenabbau.

Daimler AG: Unsichere Zukunft bei Daimler Trucks - Szenario alarmiert Standort-Betriebsräte

Wie das Handelsblatt berichtet, geht es bei den sogenannten „Zielbild-Verhandlungen“ um die Zukunft der einzelnen Truck-Standorte. „Das Unternehmen rechnet/plant mit einem drastischen Personalabbau an unseren Standorten“, heißt es in einem Schreiben der Betriebsräte zu den Verhandlungen. Demnach gebe es verschiedene Szenarien für Daimler Trucks. Die Betriebsräte zeigen sich besonders von einer Perspektive alarmiert. „Ein Beschäftigungsszenario sieht gar eine Halbierung unserer heutigen Mannschaft vor“, so die Betriebsräte.

Aktuell arbeiten laut Handelsblatt an den Standorten Stuttgart, Wörth, Mannheim, Kassel und Gaggenau etwa 30.000 Beschäftigte. Die sogenannten „Zielbild-Verhandlungen“ sähen demnach bis 2035 einen Abbau von bis zu 15.000 Stellen bei Daimler Trucks vor.

Daimler Trucks: Antriebsart beeinflusst Ausmaß des Stellenabbaus

Einen so extremen „Kahlschlag“ halten die Betriebsräte trotz Warnung allerdings für unwahrscheinlich, so das Handelsblatt. Denn: Das würde bedeuten, dass die Daimler AG im kommenden Jahrzehnt de facto nichts mehr in die deutschen Truck-Standorte investieren würde. „Aber es macht deutlich, dass dringendes Handeln notwendig ist“, so die Betriebsräte.

Zukunft von Daimler Trucks: Ein massiver Stellenabbau hängt auch am vorherrschenden Antrieb - wie hier dem neuen Wasserstoff-LKW.

Zentral für das Ausmaß des Stellenabbaus wird die bis dahin vorherrschende Antriebstechnologie bei Daimler Trucks sein. Denn besonders bei den Trucks investiert Daimler über 100 Millionen Euro in eine Alternative zum E-Antrieb - dem Wasserstoff.

Insgesamt arbeitet der Konzern bei den Trucks an einer Doppelstrategie. Neben der fast vergessenen Alternative baut Daimler auch an Trucks mit E-Antrieb. Demnach sollen die E-LKW für kurze Strecken eingesetzt werden, während die Wasserstoff-Trucks für lange Distanzen optimiert werden.

Wasserstoff und Batterie: Stellen hängen bei Daimler Trucks an Komplexität der Antriebsarten

Wie das Handelsblatt schreibt, stellt Daimler seine Truck-Standorte damit vor dasselbe Problem, wie bereits bei den Autos. Auch die E-LKW benötigen deutlich weniger Personal in Entwicklung und Herstellung, als Diesel-Trucks. Eine Studie zur E-Mobilität hat aber bewiesen, dass sie Daimler & Co. weniger schaden könnte, als angenommen. Denn der Abstrich beim Personal kommt hauptsächlich dadurch zustande, dass Daimler Bauteile von Dritten anfertigen lässt.

Laut der Zeitung fordern die Betriebsräte an den Standorten von Daimler Trucks deshalb, auch für Diesel-LKW geplante Fremdvergaben zu stoppen und in eine umfassende Fertigungstiefe bei neuen Antrieben zu investieren.

Die Betriebsräte machen in ihrem Schreiben des Weiteren klar, wie Ernst es ihnen ist. „Wir werden für unsere Forderungen streiten“, betonen sie laut Handelsblatt. „Wir sind keine Bittsteller, die auf Almosen des Unternehmens angewiesen sind. Wir haben Daimler zu dem gemacht, was es heute ist.“

Rubriklistenbild: © Marijan Murat/dpa

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